Studie zeigt Vertrauensverlust, Erwartungen an deutsch-amerikanische Partnerschaft bleiben aber hoch

„Der Zustand des Vertrauens und die Amerikanisch-Deutsche Partnerschaft: Eine transatlantische Untersuchung“ wurde heute anlässlich der German American Conference 2024 präsentiert. Die Veranstaltung, die vom 15.-16. April in Washington, D. C. stattfindet, wird vom American Council on Germany und der Atlantik-Brücke ausgerichtet. In Auftrag gegeben wurde die nationalrepräsentative Studie vom American Council on Germany und der Atlantik-Brücke, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Edelman Data & Intelligence (Dxl) und gefördert von der Allianz SE. Die Studie führt eine Arbeit fort, die im Mai 2022 aufgenommen wurde.
Das öffentliche Vertrauen in das deutsch-amerikanische Verhältnis ist heute eindeutig geringer als noch vor zwei Jahren. Zu den wichtigsten Studienergebnissen zählen folgende Erkenntnisse::
  • Das schwindende Vertrauen ist in Deutschland offensichtlicher, hier sind die Menschen hinsichtlich der Partnerschaft skeptisch (31%, eine Zunahme von 12 Prozentpunkten gegenüber 2022) und besorgt (33%, eine Zunahme von 17 Prozentpunkten gegenüber 2022). 
  • Insgesamt hat der Optimismus, der 2022 zu beobachten war, generationsübergreifend abgenommen und weniger Befragte glauben, dass die Partnerschaft ihre besten Tage noch vor sich hat. In beiden Ländern blicken die jüngeren Generationen jedoch weiterhin etwas optimistischer auf die Zukunft der Partnerschaft als die älteren. 
  • Die Unsicherheit nimmt in beiden Ländern zu. Ein größerer Anteil der Studienteilnehmer in beiden Ländern, insbesondere aber in den USA, gaben an, dass sie „nicht wüssten“, ob die besten Tage der Partnerschaft noch vor oder bereits hinter uns liegen – 27 % der deutschen (4 Prozentpunkte mehr gegenüber 2022) und 40 % der amerikanischen Befragten (13 Prozentpunkte mehr gegenüber 2022).

Der Pessimismus und die Ambivalenz, die in der Studie zum Ausdruck kommen, speisen sich aus einer Vielzahl von Sorgen, die Amerikaner wie Deutsche gleichermaßen umtreiben, darunter die hohen Lebenshaltungskosten sowie Kriege und Konflikte an vielen Orten der Welt. Desinformation durch die Medien und die sinkende Bereitschaft, einen gemeinsamen Nenner zu finden und sich um einen Konsens zu bemühen, gehören zu den wichtigsten Faktoren, die den Vertrauensverlust verstärken – da sind sich deutsche und amerikanische Studienteilnehmer einig.

Im Vergleich zu der optimistischen Haltung, die in der Studie 2022 zum Ausdruck kam, spiegelt die diesjährige Umfrage eine bedrückte Stimmung wider. Diese resultiert auf beiden Seiten aus der Sorge um wachsenden Extremismus und aus Problemen, die die sozioökonomische Stabilität bedrohen. Für Amerikaner ist das Erstarken extremistischer politischer Parteien der Hauptgrund, Deutschland weniger zu vertrauen. Deutsche dagegen finden Vorfälle, bei denen es zu Schusswaffengewalt kommt, und den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 besonders besorgniserregend. Extreme politische Ansichten werden in beiden Ländern als Treiber der gesellschaftlichen Spaltung gesehen.

Der im Vergleich zu 2022 gesunkene Optimismus könnte eher ein Gefühl der Enttäuschung widerspiegeln als tief verwurzelten Pessimismus, denn die Erwartungen an die Partnerschaft bleiben sehr hoch. Mehr als die Hälfte aller befragten Deutschen und Amerikaner geht davon aus, dass die Partnerschaft sowohl beiden Ländern als auch der Welt insgesamt nützen wird. Eine Mehrheit der Teilnehmenden glaubt, dass eine starke deutsch-amerikanische Partnerschaft entscheidend für die weltweite Stabilität ist (60 % der Amerikaner und 58 % der Deutschen) und beschreibt die Partnerschaft als „stark“ (56 % der Amerikaner und 54 % der Deutschen). „Gemeinsame Werte“, „gemeinsame Interessen und Herausforderungen“ und „ein gemeinsames Demokratieverständnis“ werden als Gründe dafür genannt, der jeweils anderen Regierung zu vertrauen.

Ausreichend Gelegenheiten, bei denen die Partner auf dieses Vertrauen bauen und so ihre Relevanz für die Einwohner beider Länder stärken können, wird es mit Sicherheit geben. Nahezu jeder zweite Befragte bejahte die Frage, ob die Partnerschaft sich Belangen widmet, die ihm persönlich wichtig sind (46% sowohl unter den Deutschen als auch unter den Amerikanern). Sowohl Deutsche als auch Amerikaner brachten zudem zum Ausdruck, dass die Partner verstärkt Maßnahmen mit Blick auf den Klimawandel, die russische Aggression, die Stärkung von Demokratien weltweit und die Menschenrechte ergreifen sollten. Als derzeitig wichtigstes Thema wurde auf beiden Seiten die Eindämmung der russischen Aggression genannt.

Entschiedenes Handeln, um den Krieg in der Ukraine zu beenden, sowie die Förderung des freien Handels und fairer Regelwerke sind gemeinsame Prioritäten, die das Vertrauen in beiden Ländern weiter steigern würden. Ginge es nach den befragten Amerikanern, würden die Partner Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen in beiden Ländern ganz oben auf die Agenda setzen, den Deutschen sind Maßnahmen gegen den Klimawandel wichtiger. Die Studienergebnisse legen nahe, dass es das Vertrauen in die Partnerschaft ebenso wie ihre Relevanz stärken würde, wenn die Partner auf Chancen setzten, die sich aus der Schnittmenge dieser Top-Prioritäten ergeben.

Wie schon 2022, bewerteten die Befragten in beiden Ländern die Kompetenz und Zuverlässigkeit von Unternehmen im jeweils anderen Land positiv und hoben die Qualität der  entsprechenden Produkte und Dienstleistungen sowie die Innovativität hervor. In beiden Ländern ist die Geschäftswelt der Bereich, der das stärkste Vertrauen genießt.

Um diesem Vertrauen gerecht zu werden, stehen Unternehmen in der Verantwortung, mit ihrer jeweiligen Regierung zusammenzuarbeiten, um transatlantische Bindungen zu unterstützen. Eine Mehrheit der deutschen und amerikanischen Befragten wünscht sich, dass Unternehmen in die Kompetenzentwicklung ihrer Mitarbeitenden investieren (71 %), für mehr Transparenz sorgen (66 %) und Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion ganz oben auf die Agenda setzen (57 %). Ein gemeinsamer Weg bei gängigen Geschäftspraktiken und Regelwerken würde die Bindung stärken, denn immerhin 46 % der befragten Deutschen und 36 % der befragten Amerikaner finden, dass diesbezügliche Unterschiede das Vertrauen schwächen.

Deutsche wie Amerikaner erwarten von ihren Regierungen, sich auf die Geschäftswelt zu stützen. 67 % der befragten Deutschen und 64 % der befragten Amerikaner betrachten die Führung bei der transatlantischen Partnerschaft als Aufgabe, die Unternehmen und Regierung gemeinsam wahrnehmen sollten. Auch was den Zweck der Partnerschaft angeht, ist man sich einig: 51 % der deutschen wie der amerikanischen Studienteilnehmer finden, dass man sich auf nationale wie auf globale Verbesserungen gleichermaßen konzentrieren sollte.

Angesichts der zunehmenden Unsicherheit bezüglich der Zukunft wünschen sich die Befragten mehr Transparenz sowie eine Zusammenarbeit hinsichtlich der wirtschaftlichen Sicherheit und in Verteidigungsfragen (68 %). Gleichzeitig ist ihnen bewusst, dass die Regierungen allein nicht dazu in der Lage sein werden, diese Ziele zu erreichen. Die aktuellen Erwartungen an die deutsch-amerikanische-Partnerschaft beinhalten daher eine Zusammenarbeit von Regierungen und Unternehmen, um die Bürgerinnen und Bürger sowie weitere Stakeholder besser auf die Zukunft vorzubereiten. Um eine zuversichtliche Einschätzung der Zukunft des deutsch-amerikanischen Verhältnisses zu fördern, sollte man über die traditionellen diplomatischen Wege hinausgehen und außerhalb der Regierungssitze in Berlin und Washington, D. C., vor Ort in den Städten und Gemeinden aufzeigen, wie die öffentliche Hand und die Privatwirtschaft zusammenwirken und so die sozioökonomische Sicherheit aller Generationen stärken.

„Die Studie zeigt, dass das transatlantische Vertrauen in letzter Zeit abgenommen hat. Dies ist aber keineswegs ein Grund, in Panik zu geraten. Seit 1945 gab es immer wieder starke Schwankungen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen – meist aufgrund von internationalen Krisen. Das politische Klima ist auf beiden Seiten des Atlantiks rauer geworden und zwei Kriege bedrohen den Frieden und die Sicherheit in der westlichen Welt. Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, kritisch zu hinterfragen, wie ihre Regierungen mit diesen zeitgleich auftretenden Krisen umgehen. Selbst wenn die politischen Beziehungen brüchig erscheinen, bleiben die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder stabil. Die Deutschen und die Amerikaner brauchen einander – und das wird auch in Zukunft so bleiben“, erklärte Julia Friedlander, CEO der Atlantik-Brücke.

„Auch wenn die Studie zeigt, dass das Vertrauen in die bilaterale Partnerschaft leicht erodiert ist, trösten mich zwei Dinge. Erstens sind über 80 % der Befragten davon überzeugt, dass Deutschland und die Vereinigten Staaten gemeinsame Interessen haben und vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Das ist geschichtlich begründet und auch das unsichere Umfeld, in dem wir uns heute bewegen, trägt seinen Teil dazu bei. Zweitens finden fast zwei Drittel der Befragten, dass die bilateralen Beziehungen für die globale Stabilität entscheidend sind. Mit Blick in die Zukunft ist diese Partnerschaft unverzichtbar, wenn wir Russland die Stirn bieten, an friedlichen Lösungen in der Ukraine und im Nahen Osten arbeiten, Herausforderungen wie dem Klimawandel begegnen und die Arbeitnehmer zukunftsfähig machen wollen“, erklärte Dr. Steven E. Sokol, Präsident und CEO des American Council on Germany.

Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 4.000 Amerikaner und Deutsche befragt – nationalrepräsentativ für die allgemeine Bevölkerung in ihrem jeweiligen Land – um ihr Vertrauen in die Stabilität der amerikanisch-deutschen Partnerschaft und ihre Ansichten zu den globalen Herausforderungen, vor denen beide Länder stehen, zu untersuchen. Diese Untersuchung führt eine Arbeit fort, die im Mai 2022 aufgenommen wurde, kurz nach der Gegenoffensive der Ukraine gegen Russland, die breite Unterstützung durch die westlichen Demokratien erfuhr, darunter auch die Vereinigten Staaten und Deutschland.

Allianz SE, der American Council on Germany und die Atlantik-Brücke eint das Bestreben, die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu beleuchten. Diese Untersuchung unterstützt das Verständnis der Sichtweisen und Erwartungen der Amerikaner und Deutschen und liefert Erkenntnisse für die Entwicklung einer sinnvollen Zusammenarbeit aller Partner. Frühere Fragen und die Längsschnittstudie aus der Umfrage im Mai 2022 wurden zusammen mit aktuellen Daten aufgenommen, um so eine Einschätzung der Wahrnehmung von Polarisierung und Einheit innerhalb Deutschlands und innerhalb der Vereinigten Staaten sowie im deutsch-amerikanischen Verhältnis zu erlauben.

Allianz SE
Florian Amberg
American Council on Germany
Dr. Steven E. Sokol
Atlantik-Brücke
Beate Wild
Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut rund 125 Millionen* Privat- und Unternehmenskunden in knapp 70 Ländern. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von etwa 746 Milliarden Euro**. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors etwa 1,8 Billionen Euro** für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir unter den führenden Versicherern im Dow Jones Sustainability Index. 2023 erwirtschafteten über 157.000 Mitarbeiter für den Konzern einen Umsatz von 161,7 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 14,7 Milliarden Euro.
* Einschließlich nicht konsolidierter Einheiten mit Allianz Kunden.
** Stand: 31. März 2024
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
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