Konjunkturprognose 2009/10: Ende der konjunkturellen Talfahrt ab der Jahresmitte 2009

Nach dem Sturzflug seit Herbst 2008 hat Deutschland konjunkturell bald das Schlimmste überstanden. Trotz der nach wie vor bestehenden großen Unsicherheiten halten die Ökonomen der Allianz eine konjunkturelle Erholung ab der Jahresmitte für den wahrscheinlichsten Fall. Die positiven Impulse aus den Konjunkturprogrammen, die niedrigen Zinsen und die massiv gesunkenen Rohstoffpreise beginnen zu wirken.

Insgesamt wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt nach den schlechten ersten beiden Quartalen im Gesamtjahr 2009 um 3% schrumpfen, wobei aber auch noch Abwärtsrisiken bestehen. Für den Euro-Raum prognostizieren die Ökonomen 2009 einen Rückgang von 2,3%, die weltweite Wirtschaftsleistung dürfte um 1,5% zurückgehen (Ländergewichtung auf der Basis aktueller Wechselkurse). Für 2010 lautet die Prognose für Deutschland +2,0%, den Euro-Raum +1,6% und die Weltwirtschaft +2,2%.

Im internationalen Vergleich schrumpfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt zuletzt vergleichsweise stark. Unter den Industrieländern verzeichnete allein Japan eine schlechtere Entwicklung. Ein wesentlicher Grund für das schlechte Abschneiden der deutschen Wirtschaft in den letzten Monaten liegt in der ausgeprägten Exportorientierung. Während etwa der Anteil der Ausfuhr am Bruttoinlandsprodukt 2008 in den USA 13% betrug, lag dieser Anteil in Deutschland bei rund 48%.

„Die weltweite Produktion ist stärker gesunken als die weltweite Nachfrage. Dies wird sich schon bald wieder ausgleichen. Die besondere Stärke Deutschlands beim Export von Investitionsgütern, die sich derzeit noch als Nachteil erweist, wird dann wieder dazu führen, dass Deutschland überproportional von der Erholung profitiert“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE.

Auch der im internationalen Vergleich niedrige Schuldenstand der deutschen Unternehmen und Haushalte und die solide Entwicklung des deutschen Immobilienmarktes sprechen dafür, dass Deutschland bessere Chancen auf eine nachhaltige Konjunkturerholung hat als andere Länder. Trotz Erholung wird der deutsche Export aber nicht der Konjunkturmotor sein wie in früheren Aufschwüngen. Wegen der hohen Neuverschuldung wird der Staat die Ausgaben begrenzen. Eine Stütze der Konjunktur bleibt der private Verbrauch, da der Beschäftigungsabbau ausläuft und sich der Preisauftrieb in engen Grenzen hält.

Nach der Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte wird auch Jahr 2010 konjunkturell besser starten als das Jahr 2009. Die globalen Rahmenbedingungen – insbesondere die steigende Arbeitslosigkeit – lassen jedoch keinen konjunkturellen Höhenflug zu. Im Verlauf des kommenden Jahres werden die Impulse aus den Konjunkturprogrammen auf globaler Ebene nachlassen. An den von der Krise betroffenen Immobilienmärkten ist 2010 zwar eine Bodenbildung oder in den USA eine leichte Erholung wahrscheinlich, eine Rückkehr zu allgemein steigenden Preisen wird es aber auch nächstes Jahr nicht geben. Insgesamt verliert die Konjunkturerholung 2010 wieder an Kraft.

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