EWU 2022

Die Debatte über Europa wird derzeit von den Themen Krisenmanagement, Kosten der Rettungspakete und von der schwachen Wirtschaftsentwicklung  in den Peripherieländern dominiert. Was jedoch fehlt, ist ein klares Zielbild darüber, wo Europa in zehn Jahren stehen will.

Als globale wirtschaftliche und politische Macht hat Europa in den letzten Jahren an Bedeutung und Einfluss verloren. Dieser Prozess wird sich in einer Welt mit schnell wachsenden neuen Mächten und dramatischen demografischen Verschiebungen weiter beschleunigen. In Asien wird die Bevölkerung in den nächsten vier Jahrzehnten um weitere 1,7 Milliarden wachsen. Afrika, ein riesiger Kontinent, der fünfmal größer als Europa ist, wird dann eine Bevölkerung von 2 Milliarden aufweisen, wovon die Hälfte der Bewohner jünger als 20 Jahre alt sein wird. Dagegen geht die Bevölkerung in Europa bis zum Jahr 2050 um 20 Millionen Menschen zurück. Kein Land in Europa wird alleine in der Lage sein, die wirtschaftliche und politische Weltordnung der Zukunft maßgeblich zu beeinflussen.

Die europäische Integration und Einheit muss eine neue Stufe erreichen. Die Auflösung des Euro würde genau das Gegenteil bewirken: Auf vielen verschiedenen Gebieten würde Europa geschwächt. Die Renationalisierung der Währungen würde eine Rückkehr zu einer verengten und partikularistischen Politik bedeuten. Damit kann man aber den globalen Herausforderungen von heute nicht mehr begegnen. Der Euro ist zwar nicht Europas raison d'être, doch er ist das wichtigste Symbol für tiefgreifende Integration.

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