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Einigkeit nach dem Unglück?

Es gibt erste Anzeichen, dass Europa die Covid-19-Pandemie hinter sich lässtzu lassen. Die Impfkampagnen haben an Fahrt gewonnen, die Infektionen sind deutlich zurückgegangen und ein gewisser Grad an Normalität kehrt in den Alltag zurück. 

Ein Restaurantbesuch zum Abendessen oder die Planung eines Sommerurlaubs ist kein Wunschdenken mehr. 

Nach anderthalb ereignisreichen Jahren sind wir bereit, die Corona-Müdigkeit abzuschütteln. Sind wir auch bereit, die Lehren aus der Pandemie zu nutzen, um stärker, grüner und digitaler wieder aufzubauen? Die jüngste Ausgabe des Allianz Pulse, eines jährlichen Stimmungschecks in Frankreich, Deutschland und Italien, deutet darauf hin, dass die Krise wenig dazu beigetragen hat, alte Überzeugungen zu ändern. 

allianz pulse 2021

Gemeinsam stärker?

Trotz ideologischer Unterschiede und schwelender Spannungen kam die EU bemerkenswert gut zusammen, um das Virus und seine Folgen zu bekämpfen. Man hätte meinen können, dass die gemeinsame Reaktion auf die Pandemie die Idee der Einheit in der europäischen Vielfalt gestärkt hätte. 

Doch trotz des Next Generation EU (NGEU)-Fonds, einem 750 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaket zur Unterstützung der EU-Mitgliedstaaten beim Wiederaufbau nach Covid-19, herrscht Skepsis, dass die Europäer eine große, glückliche Familie sein können. Nur 27 Prozent der Befragten der Allianz Pulse Umfrage glauben, dass die beispiellose Krise die Solidarität in der EU stärken wird. Von diesen sind die Deutschen am skeptischsten, weniger als ein Viertel der Befragten sieht eine stärkere EU-Solidarität nach der Krise. Die Italiener, die am stärksten von der Pandemie betroffen sind und die größten Empfänger des EU-Wiederaufbaufonds sind etwas optimistischer. 30 Prozent der Befragten glauben, dass die Krise die Europäer näher zusammengebracht hat. Von den französischen Befragter erwarten das 27 Prozent. 

Mitverantwortlich dafür sind Informationsdefizite hinsichtlich der EU-Programme zur Pandemiebekämpfung, wie z. B. der Unterstützung zur Minderung des Arbeitslosigkeitsrisikos im Notfall (SURE). Mehr als ein Viertel der Umfrageteilnehmer hatte noch nie von diesen Programmen gehört. In Deutschland und Frankreich war es fast ein Drittel. Die Italiener hingegen kannten die Programme eher, nur 15 Prozent wussten nichts davon. 

Kein Wunder also, dass die Zustimmung zu den EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie insgesamt nur bei 30 Prozent liegt. 45 Prozent glauben sogar, dass die Krise die Solidarität der EU schwächen wird. "Die EU bleibt bei vielen ungeliebt, trotz der milliardenschweren Zuschüsse für den Aufschwung", sagt Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran. "Die Unzufriedenheit sitzt tief. Sie wird durch die wirtschaftlichen Unterschiede angeheizt. ”

Grüner wenn kostenlos

Alle sind sich einig, dass wir grüner werden müssen. Aber wie man dorthin kommt, ist eine andere Geschichte. Nur 28 Prozent der Befragten stimmen dem Ziel zu, die Emissionen bis 2030 mehr als zu halbieren. Auch hier unterstützen die Italiener das Ziel stärker als die Franzosen und die Deutschen. Der Grund für die Uneinigkeit liegt in zwei gegensätzlichen Überzeugungen. Mehr als ein Viertel hält das Ziel für nicht ehrgeizig genug, während fast ein Drittel glaubt, es gehe zu weit.

Die am wenigsten befürwortete Methode zur Bekämpfung des Klimawandels sind Kohlenstoffpreise. Nur 9 Prozent der Befragten sind für den Einsatz dieses Instruments. Was die Kohlenstoffsteuer betrifft, so wäre nur ein Fünftel bereit, eine Preiserhöhung von 10 Prozent oder mehr zu tragen. Die Deutschen und Italiener sind mit 22 Prozent empfänglicher für die Idee als die Franzosen. Interessanterweise machte die Höhe des Einkommens keinen Unterschied bei der Bewertung der Kohlenstoffsteuer.

Die Befragten scheinen weichere Maßnahmen wie mehr Forschung und Entwicklung in nachhaltige Technologien und Transparenz über den Kohlenstoff-Fußabdruck von Produkten den härteren Schritten vorzuziehen. 

Zweifel an Digitalisierung  

Ohne Online-Shopping, Remote-Working, Netflix und Videokonferenzen hätte der Coronavirus uns alle für gut eineinhalb Jahre lahmgelegt. Man sollte meinen, diese große Show der Vorteile der Digitalisierung hätte viele zu Gläubigen gemacht. 

Seltsamerweise bleibt die Vorsicht gegenüber der Digitalisierung bestehen. Zwar ist die Zahl der Befragten, die in der Digitalisierung mehr Chancen als Risiken sehen, nach wie vor höher als die der Zweifler, sie liegt aber immer noch auf dem Vorkrisenniveau von 35 Prozent. 

Das Gefühl, auf eine digitale Welt vorbereitet zu sein, fehlt in Europa, was die Skepsis schürt. Infrastrukturprobleme, fehlende Fähigkeiten und unerschwingliche  Endgeräte werden als weitere Negativpunkte genannt. Ein Zehntel der Befragten lehnt es rundweg ab, der Digitalisierung eine Chance zu geben. Allianz-Volkswirt Arne Holzhausen zeigt sich überrascht von den Ergebnissen. "Die Lockdowns waren ein Schaufenster für die Segnungen der Digitalisierung. Die Digitalisierung ist inzwischen überall - nur nicht in den Herzen der Menschen. Die Skepsis überwiegt. Alte Ängste scheinen sich hartnäckig zu halten", sagt er. 

Von den drei befragten Nationalitäten scheinen die Franzosen am resistentesten gegenüber der Digitalisierung zu sein. 

Allerdings glauben die Befragten, dass Forschung, Ausbildung und Regulierung Faktoren sein könnten, die die Digitalisierung attraktiv machen könnten. Während die Deutschen und Italiener die Forschung bevorzugen, wollen die Franzosen die Regulierung in den Vordergrund stellen.

Rückkehr des Flüchtlingsthemas

Es war das Jahrhundert der Krisen: Finanzkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise, Covid-19-Krise, Klimakrise.

Während die Erinnerung an die meisten der vergangenen Krisen verblasst, bleibt die Flüchtlingskrise in den Köpfen der Befragten bestehen. Die Hälfte der Befragten der Umfrage glaubt, dass ihre Gesellschaft immer noch unter den Ereignissen von 2015-16 leidet. Nur 12 Prozent der Befragten würden sagen, dass die Migrantenkrise damals richtig angegangen wurde. 

Die älteren Bevölkerungsgruppen sind pessimistischer, was die Auswirkungen der Migration angeht. Die französischen Antworten fangen die Kluft am besten ein. Sogar zwei Drittel der 55- bis 64-Jährigen haben eine negative Sicht gegenüber etwas mehr als einem Drittel der 18- bis 24-Jährigen. 

Die Ergebnisse sind besorgniserregend, wenn man die Veränderungen in der europäischen Demografie betrachtet. 

In den nächsten drei Jahrzehnten wird die erwerbstätige Bevölkerung (im Alter von 20 bis 65 Jahren) in Europa voraussichtlich um etwa 20 Prozent abnehmen. Aber mit 35 Prozent der Befragten, die für einen Einwanderungsstopp sind, und 44 Prozent, die für eine Begrenzung der Einwanderung sind, könnte es für die EU ziemlich schwierig werden, dem Arbeitskräftemangel in Zukunft zu begegnen. 

Der Bericht spiegelt die Ergebnisse einer Umfrage unter einer repräsentativen Stichprobe von 1.000 Personen in Deutschland, Frankreich und Italien wider. Für einen tieferen Einblick in die politischen und wirtschaftlichen Ansichten der Befragten und ihre Erwartungen an die Zukunft, klicken Sie hier für die dritte Ausgabe des Allianz Pulse. 

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 100 Millionen*  Privat- und Unternehmenskunden in mehr als 70 Ländern. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von etwa 793 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors mehr als 1,8 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir unter den führenden Versicherern im Dow Jones Sustainability Index. 2020 erwirtschafteten über 150.000 Mitarbeiter für die Gruppe einen Umsatz von 140 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 10,8 Milliarden Euro.

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

*Einschließlich nicht konsolidierter Einheiten mit Allianz Kunden.

Pressekontakte

 

Dr. Lorenz Weimann
Allianz SE

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

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