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Keine Zeitenwende

Der „Allianz Pulse“ ist eine jährliche Umfrage zu Einstellungen zu Politik, Wirtschaft und persönlichen Zielen. Dazu wurden in Deutschland, Frankreich und Italien jeweils eine repräsentative Stichprobe von 1000 Menschen befragt.

Stärker aus der Krise?

Die Teilnehmer der Umfrage sehen Programme wie das NextGenerationEU nicht als Zeitenwende an. Nur 23% der deutschen Befragten glauben, dass die Corona-Krise die Solidarität innerhalb der EU stärken wird (Frankreich: 27% und Italien: 30%, siehe Tabelle). Informationsdefizite könnten dabei eine Rolle spielen. So geben 30% der deutschen Befragten (und 33% der französischen) an, noch nie etwas von den Hilfsprogrammen gehört zu haben. In Italien dagegen, dem größten Empfänger von Hilfsgeldern, liegt dieser Anteil bei 15%. Vor diesem Hintergrund verwundert die geringe allgemeine Zustimmungsquote von 30% zu den Corona-Hilfsmaßnahme der EU nicht. Die Skepsis gegenüber der EU böckelt daher kaum. Wie in den Vorjahren sehen mehr Befragte in Frankreich und Italien mehr Nach- als Vorteile in der EU-Mitgliedschaft. In Deutschland gibt es zwar mehr EU-Befürworter als Gegner – aber der Vorsprung ist klein (32% vs. 26%). Die EU ist ungeliebt von vielen, trotz der milliardenschweren Zuschüsse für den Aufschwung. Die Unzufriedenheit geht tief. Sie wird befeuert durch die wirtschaftlichen Unterschiede. Während etwa zwei Drittel der Befragten in Frankreich und Italien die Zukunft in düsteren Farben sehen, sind es in Deutschland nur ein Drittel. Das Ausbleiben ökonomischer Konvergenz frustriert – und diese Frustration richtet sich gegen die EU. Das ist nicht wirklich fair, aber alte Überzeugungen halten sich hartnäckig.

Allianz Pulse 2021

Grüner aus der Krise?

Es gibt nur wenig Übereinstimmung hinsichtlich der Dekarbonisierung der Wirtschaft, mit Blick auf Tempo und Instrumente. Nur 26% der deutschen Befragten stimmen dem Ziel zu, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 55% zu reduzieren (Italien: 35% und Frankreich: 23%, siehe Tabelle). Die Unterschiede der Ablehnung variieren dabei jedoch deutlich: für 28% der deutschen Befragten sind die Ziele nicht ambitioniert genug, für 33% gehen sie dagegen zu weit. CO2-Preise – die allgemein als das effektivste Instrument zur Begrenzung der Klimaerwärmung angesehen werden – genießen unter den Befragten die geringste Wertschätzung: Nur 8% der deutschen Befragten stimmen dem zu (Frankreich: 9% und Italien: 11%). Die verbreitete Ablehnung von CO2-Preisen als Lenkungsinstrumente wird auch deutlich bei der Frage nach einer CO2-Steuer. Nur 22% der deutschen Befragten wären bereit, Preissteigerungen von 10% oder mehr zu akzeptieren (Italien: 22% und Frankreich: 14%). Während zwischen dem Alter der Befragten und der Zustimmung zu einer CO2-Steuer ein klarer Zusammenhang besteht, trifft dies aufs Einkommensniveau nicht zu. Die Verantwortung fürs Klima endet am eigenen Portemonnaie – egal wie groß es ist.

Digitaler aus der Krise?

Die Einstellung zur Digitalisierung hat sich kaum geändert. Wie in den Vorjahren sehen mehr deutsche Befragte mehr Chancen als Risiken in der Digitalisierung. Der Anteil ist allerdings nur minimal gestiegen und mit 44% liegt er weiterhin deutlich unter der 50%-Marke. Die Mehrheit bleibt skeptisch oder unentschieden. Die Situation ist ähnlich in Italien, aber in Frankreich überwiegen sogar die Digitalisierungs-Gegner (25% vs. 18%). Ein Grund für die weitverbreitete Skepsis könnte darin liegen, dass sich tatsächlich nur wenige Befragte gut gerüstet für die digitale Welt sehen. In Deutschland sagen dies nur 30% der Befragten (Italien: 34% und Frankreich: 27%). Die Übrigen klagen über Infrastrukturprobleme (29%), fehlende Kenntnisse (10%) oder unerschwingliche Endgeräte (9%). Und 10% lehnen die Digitalisierung rundweg ab. Diese Ergebnisse überraschen. Die Lockdowns waren beste Werbung für die Segnungen der Digitalisierung. Digital ist jetzt überall – nur nicht in den Herzen der Menschen. Skepsis überwiegt, vor allem in Frankreich. Es scheint, dass sich alte Ängste hartnäckig halten.

Alte und neue Krisen

45% der deutschen Befragten vertreten die Auffassung, dass die Gesellschaft noch immer unter den Nachwirkungen der Flüchtlingskrise leidet (Italien: 51% und Frankreich: 53%). Diese Einschätzung hat Konsequenzen für die Politik heute. Obwohl die Erwerbsbevölkerung in Europa in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen wird, befürworten nur 18% der deutschen Befragten eine aktive Zuwanderungspolitik (Italien: 11% und Frankreich: 9%). Steigende Schulden bereiten große Sorgen. Nur 14% der deutschen Befragten sehen darin kein Problem, dank rekord-niedriger Zinsen (Italien: 12% und Frankreich: 13%). Die große Mehrheit dagegen plädiert für eine Politik der Schuldenreduzierung, wobei Ausgabenkürzungen (25%) und Herauswachsen aus den Schulden (39%) die präferierten Instrumente sind. Höhere Steuern ziehen dagegen nur 10% der deutschen Befragten in Betracht.

 

Kontakt

Patricia Pelayo Romero
Allianz SE
Arne Holzhausen
Allianz SE