Allianz Motor Day 2025
HÄNDE WEG – Das Sicherheitsversprechen des autonomen Fahrens

Wir erforschen, wie Automatisierung, Innovation und Versicherungen zu einer sichereren und inklusiveren Mobilität der Zukunft beitragen.

Der diesjährige Motor Day beleuchtet die Entwicklung der automatisierten Mobilität, ihre Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und die Rolle der Versicherungsbranche beim Aufbau von Vertrauen in autonome Technologien. Während Fahrzeuge von Fahrerassistenzsystemen zu hochautomatisierten Systemen (Level 3 und 4) übergehen, trägt die Allianz dazu bei, dass Innovationen in der Praxis zu mehr Sicherheit führen.

Basierend auf jahrzehntelanger Forschung im Allianz Zentrum für Technik und Verbraucherumfragen kombiniert die Allianz ihre globale Expertise mit zukunftsweisenden Versicherungslösungen, um eine verantwortungsvolle und inklusive Mobilität der Zukunft zu unterstützen.

Selbst fahrende Autos auf einer Autobahn
Die zwölffache paralympische Goldmedaillengewinnerin Verena Bentele weiß, was es bedeutet, Grenzen zu überwinden. Beim Allianz Motor Day 2025 äußerte sie ihre Gedanken darüber, wie autonomes Fahren Menschen mit Behinderungen neue Horizonte eröffnen könnte und warum integrative Mobilität der Schlüssel zu einer sichereren und gleichberechtigteren Zukunft ist.
Erfahren Sie mehr über Innovationen, Highlights und Expertenperspektiven, die auf dem Motor Day vorgestellt wurden. Hier finden Sie die vollständige Studie, die offizielle Pressemitteilung für alle Details und Analysen rund um autonomes Fahren.
Nahaufnahme eines Fingers, der eine leuchtende Autopilot-Starttaste drückt – Symbol für autonome Fahrtechnik.
Sicherheitswahrnehmung
Infografik mit Umfrageergebnissen von sieben europäischen Ländern zur Sicherheitswahrnehmung des autonomen Fahrens, die zeigt, wie das Vertrauen in selbstfahrende Autos mit zunehmender Erfahrung und verbesserten Sicherheitsstandards steigt.
Bedenken & Vertrauensfaktoren
Infografik zu zentralen Bedenken und Vertrauensfaktoren beim automatisierten Fahren – darunter Datensicherheit, Systemzuverlässigkeit und Unfallrisiko.
Collage mit allen Rednern des Motor Day 2025
„Autonome Mobilität ist keine Frage des „Ob“ mehr. Es geht darum, wie schnell, wie sicher und wie fair sie sein wird. Jeder technologische Fortschritt muss zu weniger Unfällen, weniger Opfern und mehr Unabhängigkeit für Millionen von Menschen führen. Bei der Allianz sehen wir autonomes Fahren als gemeinsame Verantwortung, um eine sicherere und integrativere Mobilität zu schaffen. Gemeinsam mit dem Allianz Zentrum für Technik, Herstellern und Regulierungsbehörden werden wir Sicherheitsstandards gestalten und innovative Versicherungslösungen pilotieren. Die Zukunft der Mobilität mag autonom sein, aber die Sicherheit muss immer in menschlicher Hand bleiben.“
Dr. Klaus-Peter Röhler, Mitglied des Vorstands der Allianz SE,
Insurance German Speaking Countries, Central Europe, Global P&C
Dr. Klaus-Peter Röhler
Interviews und Insights unserer Experten
Dr. Klaus-Peter Röhler

Portrait of Klaus Peter Roehler

Insights
Lesen Sie Dr. Klaus-Peter Röhler's Meinung zur globalen Entwicklung der autonomen Mobilität und deren Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und das Versicherungswesen.
 

Portrait of Frank Sommerfeld

Insights

Die Welt steht an der Schwelle zu einer neuen Ära der Mobilität, die die Fortbewegung von Menschen und Gesellschaften neu definiert. Was einst in Labors und auf Teststrecken entwickelt wurde, fährt nun auf unseren Straßen. Autonomes Fahren ist kein Experiment mehr, sondern wird zur Realität.
 

Fahrzeuge der Stufe 3 sind bereits auf europäischen Straßen zu finden, während Pilotprojekte der Stufe 4 – also Fahrzeuge, die innerhalb definierter Umgebungen vollständig autonom fahren – bereits in Städten wie Hamburg, Austin, Peking und San Francisco im Einsatz sind. Die Allianz versichert bereits Pilotzonen und Testfelder in Singapur, Oslo und Deutschland und trägt so dazu bei, Prototypen in sichere, praxistaugliche Dienste zu verwandeln – und das ist erst der Anfang.
 

Solche Fortschritte werfen tiefgreifende Fragen auf. Wie wird die Autonomie die Sicherheit und das Vertrauen der Öffentlichkeit verändern? Wie kann sie den Zugang zu Mobilität für bisher ausgeschlossene Personen erweitern? Was bedeutet sie für die Nachhaltigkeit, für die Gestaltung unserer Städte und für die Aufteilung der Verantwortung bei Unfällen?


Als einer der weltweit führenden Kfz-Versicherer haben wir bei der Allianz die Verantwortung, uns den Chancen und Risiken der Autonomie klar und fundiert zu stellen. Das Allianz Zentrum für Technik (AZT) bestätigt zusammen mit unserer eigenen Schadenanalyse, dass die Automatisierung Unfälle aufgrund menschlicher Fehler – insbesondere Müdigkeit, Ablenkung und Fehleinschätzungen, die nach wie vor die Hauptursache für die meisten Kollisionen sind – drastisch reduzieren kann. Unsere Ergebnisse zeigen aber auch eine wichtige Wahrheit: Die Sicherheitsgewinne sind am größten, wenn die Technologie flächendeckend eingesetzt wird. Fortschritt entsteht durch Ehrgeiz, nicht durch Zögern.
Doch Sicherheit allein erfasst nicht das volle Potenzial der autonomen Mobilität. Es geht auch um Unabhängigkeit – für ältere Menschen, die zu medizinischen Einrichtungen fahren, für junge Menschen, die sicher zwischen Schule und Zuhause pendeln, für ländliche Gemeinden, die besser an Möglichkeiten angebunden sind. Es geht um Umweltverantwortung – leisere Straßen, weniger Emissionen, intelligentere Logistik. Es geht um Inklusion – um die Schaffung eines Systems, das für mehr Menschen und über einen längeren Zeitraum funktioniert.


Damit diese Versprechen Wirklichkeit werden können, muss Vertrauen im Mittelpunkt stehen. Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass die Europäer neugierig, aber vorsichtig sind. Sie wollen keine Perfektion, sondern Beweise: offene Daten, strenge Aufsicht und klare Verantwortlichkeiten. Die Allianz ist der Ansicht, dass eines der Prinzipien, um dies zu gewährleisten, ganz einfach ist. Der Schutz der Opfer muss oberste Priorität haben.


Die Haftung sollte beim Fahrzeughalter verbleiben, während die Versicherer als unabhängige Schutzinstanz fungieren und dafür sorgen, dass die Ursachen fair untersucht und Entschädigungen schnell ausgezahlt werden. Damit dieses Modell jedoch funktioniert, muss der Zugang zu unfall- und sicherheitskritischen Fahrzeugdaten uneingeschränkt bleiben. Ohne Verantwortlichkeit kann kein Vertrauen entstehen.
 

Autonome Mobilität wird auch das Versicherungswesen verändern. Weniger Unfälle bedeuten weniger Schadensfälle, doch der Wert jedes einzelnen Schadensfalls wird steigen, da die Fahrzeuge technologisch immer komplexer werden. Neue Risikoformen – von Softwarefehlern bis hin zu Cyberangriffen – erfordern neue Arten von Versicherungsschutz. Die Allianz passt sich bereits an und gestaltet Produkte und Preise neu, damit Kunden von Sicherheitsverbesserungen profitieren und gleichzeitig vor neuen Gefahren geschützt sind.
Europa steht nun vor einer strategischen Entscheidung. Um Autonomie sicher, skalierbar und vertrauenswürdig zu machen, brauchen wir einen harmonisierten Rechtsrahmen, Souveränität über kritische Daten und ein europäisches Zulassungsmodell für autonome Systeme, das nicht nur die Anforderungen festlegt, die ein autonomes Fahrzeug erfüllen muss, sondern auch festlegt, welche Simulationen und Tests es bestehen muss.


Bei der Allianz engagieren wir uns für den Aufbau dieser Zukunft, nicht nur durch die Versicherung von Risiken, sondern auch durch die Förderung des Fortschritts, die Umwandlung von Komplexität in Klarheit und die Sicherstellung, dass die Autonomie ihr außergewöhnliches Versprechen einlöst.

Portrait of Lucie Bakker

Interview

Autonomes Fahren in der Kfz-Schadenregulierung: weniger Unfälle, teurere Reparaturen

Lucie Bakker, Vorstandsmitglied der Allianz Versicherungs-AG für das Ressort Schaden, spricht darüber, wie die das Autonome Fahren Unfallmuster, Reparaturrechnungen und die Datenanforderungen in Europa verändern wird.
 

Welche Entwicklungen im Bereich der Kfz-Schadenregulierung sind im Zusammenhang mit autonomem Fahren zu erwarten?
Wir sind überzeugt, dass die flächendeckende Einführung relevanter Fahrerassistenzsysteme erhebliches Potenzial hat, die Zahl bestimmter Unfallarten zu reduzieren. Dies zeigt sich bereits in aktuellen Studien des Allianz Zentrum für Technik (AZT). Diese belegen, dass die Anzahl der Kollisionen beim Rückwärtsfahren durch den Einbau entsprechender autonomer Notbremssysteme um bis zu 66 % reduziert werden kann. Ein weiterer Punkt sind außerdem die Schadenkosten. Kommt es trotz Assistenzsystemen zu einem Unfall, erwarten wir höhere Schadenkosten, da Reparaturen tendenziell teurer sind.
 

Warum werden Reparaturen von autonomen Fahrzeugen teurer?
Autonome Fahrzeuge benötigen für ihren Betrieb zahlreiche Sensoren, die sich häufig in kollisionsgefährdeten Bereichen des Fahrzeugs befinden. Dementsprechend sind im Schadensfall zusätzliche Kosten zu erwarten – für den Austausch oder zumindest die Kalibrierung dieser Sensoren. Diese ADAS-Sensoren (Advanced Driver Assistance Systems) dienen als „Augen und Ohren“ des Fahrzeugs und bestehen aus Radar-, Lidar-, Kamera- und Ultraschallsensoren. Sie erhöhen die Sicherheit und den Fahrkomfort durch Funktionen wie adaptive Geschwindigkeitsregelung und Spurhaltesysteme. Die Ersatzteilpreise für ADAS-Sensoren reichen von unter 100 Euro (z.B. für einen Ultraschallsensor) bis zu mehreren Tausend Euro (z.B. für Lidar-Sensoren oder Nachtsichtkameras). Die Kalibrierung erfordert in den Werkstätten zusätzlichen Aufwand, der je nach Fahrzeughersteller und -modell zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden dauern kann.
 

Welche Rolle spielt der Datenzugriff für die Schadenbearbeitung und das Kundenvertrauen?
Der Zugriff auf Daten ist der Schlüssel zu einer fairen und effizienten Schadenbearbeitung beim autonomen Fahren. So können wir als Versicherer schnell verstehen, was passiert ist, die Haftung klären und somit die Geschädigten schützen – ohne Unsicherheit oder lange Verzögerung. Die Allianz setzt sich daher für einen transparenten und sicheren Datenaustausch zwischen Automobilherstellern, Versicherern und Aufsichtsbehörden ein. Und das sehen auch die Autofahrerinnen und Autofahrer so: In einer aktuellen Umfrage der Allianz in sieben europäischen Ländern gaben rund sechs von zehn Befragten an, dass es ihnen wichtig sei zu wissen, in welchem ​​Land ihre Daten gespeichert werden. Deshalb ist ein sicherer und harmonisierter EU-Datenrahmen unerlässlich, um anhaltendes Vertrauen in diese Technologie aufzubauen.

Matthias Trüstedt

Interview

Haftung beim Autofahren in der Zukunft

Matthias Trüstedt, Leiter Allianz Global Property & Casualty (P&C), spricht über Haftung, Erschwinglichkeit und Chancen im Zeitalter der autonomen Mobilität.
 

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Haftung entwickeln, wenn autonome Fahrzeuge von Pilotprojekten zum Masseneinsatz übergehen?
Autonome Mobilität ist ein komplexes und sich schnell entwickelndes Ökosystem, das für unser Geschäft von großer Bedeutung ist. Es umfasst viele verschiedene Akteure, wie Originalgerätehersteller, KI-Anbieter und Flotten- oder technische Überwachungsbetreiber, die alle Haftungsrisiken ausgesetzt sind.

Wir glauben, dass die verschuldensunabhängige Haftung in der Europäischen Union und vielen anderen Ländern, darunter auch China, die praktikabelste Lösung bleiben wird. Sie bietet umfassenden Opferschutz, klare Verantwortlichkeiten und eine überschaubare Möglichkeit, die inhärente Komplexität von Schadensfällen zu bewältigen. Diese Komplexität hat mehrere Ursachen, die von Hardware- oder Softwarefehlern, Fahrlässigkeit des Fahrers und mangelhafter Wartung bis hin zu Verschleiß (z. B. Reifenverschleiß) und externen Faktoren wie Stürmen, Hagel oder Marderbissen reichen.

Technische Exzellenz im Versicherungsbereich und das richtige Produktangebot werden auch weiterhin von entscheidender Bedeutung sein. Das bedeutet, dass man die Risikofaktoren wie Softwarezuverlässigkeit, Sensorpräzision und Cybersicherheitsbedrohungen verstehen und die Kfz-Haftpflichtversicherung weiterentwickeln muss, um der Verlagerung des Risikos von menschlichen auf automatisierte Systeme Rechnung zu tragen. Ein Kfz-Versicherungssystem mit Funktionen und Prozessen, die mit denen von heute vergleichbar sind, einschließlich angemessener Risikobewertungen, Preisgestaltung, Produktangeboten und Schadenmanagement, wird die effektivste und effizienteste Lösung bieten.

 

Sehen Sie die AV-Versicherung als Bedrohung für das traditionelle Kfz-Geschäft – oder als Chance, in neue Mobilitätsökosysteme zu wachsen?
Die Disruption der klassischen Kfz-Versicherung durch autonome Mobilität ist sowohl eine grundlegende Herausforderung als auch eine Chance; wir sind gut aufgestellt, um weiterhin erfolgreich zu sein. Die Regulierung in unseren Kernmärkten entwickelt sich rasant weiter, wobei sich die Haftung zwischen Eigentümern, Betreibern und Herstellern verlagert. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Haftpflichtversicherung in den wichtigsten Märkten für selbstfahrende Lösungen und autonome Mobilität weiterhin obligatorisch bleiben wird. Der Übergang von menschenzentrierten Fahrzeugen zu vollständig autonomen Systemen ohne menschliches Eingreifen wird viele Jahre dauern und ebenso interessant wie herausfordernd sein. Wir bezeichnen dies als die „verrückte Mitte” des gemischten Verkehrs. Um diese Herausforderungen konzernweit anzugehen, haben wir das neue Kompetenzzentrum für Motor & Mobility eingerichtet. Global P&C arbeitet mit den wichtigsten Allianz-Geschäftseinheiten, dem Allianz Center of Technology und Allianz Partners zusammen, um die Fähigkeiten und das zukunftsorientierte Fachwissen für intelligentes und entschlossenes Handeln aufzubauen. Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der die Kfz-Haftpflichtversicherung abdeckt und gleichzeitig Produkt-Haftpflicht-, Berufshaftpflicht- und Cyber-Elemente in ein zukünftiges Produkt integriert, das einen umfassenden Kundenschutz bietet.

 

Wie können Versicherer sicherstellen, dass die Prämien trotz steigender Reparaturkosten erschwinglich bleiben?
In den letzten Jahren sind die Arbeits- und Ersatzteilpreise deutlich über die Gesamtinflation gestiegen, was zu höheren Schadenkosten und der Notwendigkeit einer Erhöhung der Kfz-Prämien geführt hat. Dies macht es zunehmend schwieriger, Kfz-Versicherungen erschwinglich zu halten. Wir investieren kontinuierlich in die Kontrolle der Schadenkosten und sichern gleichzeitig einen starken Versicherungsschutz und Service für unsere Kunden: Wir messen, benchmarken und optimieren unsere Schadenprozesse anhand von Best-Practice-Frameworks, um die Effizienz, Effektivität und den Kundenservice zu verbessern. Wir investieren auch in die Unfallforschung und fördern die Reparaturfähigkeit, um kostspielige, unnötige Ersatzbeschaffungen im Schadensfall zu vermeiden. Beispielsweise wird eine Elektrofahrzeugbatterie oder ein beschädigter Scheinwerfer nur dann ersetzt, wenn eine Reparatur oder der Einbau von generalüberholten Teilen nicht möglich ist. Dies hält die Schadenkosten in Schach, dient den Interessen der Kunden und ist in Bezug auf den CO2-Fußabdruck weitaus nachhaltiger – eine echte Win-Win-Situation.

Wir verstärken auch die Betrugserkennung und -prävention, insbesondere da die Verbreitung generativer KI Betrug einfacher und raffinierter gemacht hat. Wir schützen die Interessen unserer ehrlichen Kunden und stellen sicher, dass sie nicht für betrügerische oder ungerechtfertigte Schadensfälle aufkommen müssen. Da Schadensfälle mit autonomen Fahrzeugen immer komplexer werden, sind Datenzugang und -verfügbarkeit für eine ordnungsgemäße Ursachenanalyse unerlässlich. Die Schadensforensik wird an Bedeutung gewinnen, um potenzielle Fehler oder fehlerhafte Systemkomponenten zu identifizieren und zu bestimmen, ob Regressmaßnahmen gegen Hersteller, Dienstleister oder Softwareanbieter gerechtfertigt sind.

Susan Poynor

Interview

Integrierte Versicherung für intelligentere Mobilität

Susan Poynor ist Global Head of Mobility bei Allianz Partners und verantwortet dort die globale Expansion des Kfz-Versicherungssegments. Ihr Schwerpunkt liegt auf Integration von Versicherungen in den Kaufprozess anderer Produkte und Lösungen für vernetzte und autonome Fahrzeuge


Was ist assistiertes Fahren der Stufe 2/2+ und wie wird es in den verschiedenen Märkten genutzt?
Assistenzsysteme der Stufen 2 und 2+ ermöglichen Fahrzeugen die Kontrolle über Lenkung, Beschleunigung und Bremsvorgänge, wobei der Fahrer oder die Fahrerin jedoch weiterhin aktiv bleiben und die Umgebung überwachen muss. Dies stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung vollautonomer Fahrzeuge und erhöhter Sicherheit dar. Laut dem jüngsten Bericht des Weltwirtschaftsforums sind in China 56 % der Neufahrzeuge mit Systemen der Stufen 2 und 2+ ausgestattet, in Europa 33 % und in den USA 54 %.
 

Assistierte und autonome Mobilität betrifft Automobilhersteller, Technologieunternehmen, Regulierungsbehörden und Versicherer. Wo sehen Sie die größten Möglichkeiten zur Zusammenarbeit?
Standardisierte Homologationsregeln ermöglichen eine marktübergreifende Skalierung und verbessern die Risikobewertung und Unfalluntersuchung. Partnerschaften im Bereich Cybersicherheit sind für einen sicheren Einsatz ebenso entscheidend. Als Versicherer unterstützen wir den Übergang zu autonomen Fahrzeugen und entwickeln gemeinsam mit Mobilitätsanbietern und Original Equipment Manufacturer (OEMs). also Erstausrüstern, maßgeschneiderte Produkte.
 

Wie unterstützt die Allianz den Übergang zum autonomen Fahren, und können Sie uns einige Beispiele für Pilotprojekte nennen, die Sie versichert haben?
Die Allianz unterstützt OEMs seit langem mit maßgeschneiderten Versicherungsangeboten für Fahrerassistenzsysteme (ADAS) in Europa. Beispielsweise haben wir eine Gruppenversicherung für die Level-2-Funktionen von Volvo abgeschlossen, die Kaskoschäden bis zu einer bestimmten Höhe abdeckt. Über unser Joint Venture mit Volkswagen Financial Services bieten wir Audi-, VW-, Seat-, Skoda- und Cupra-Besitzern Versicherungen an, die ADAS-Funktionen berücksichtigen. Dies spiegelt den positiven Effekt dieser Systeme auf die erwarteten Schadensfälle wider. Wir versichern auch ausgewählte Level-4-Pilotprojekte, darunter EasyMile Shuttles und WeRide Fahrzeuge, und unterstützen kleinere Akteure wie INYO Mobility.
 

Autonomes Fahren entwickelt sich in China, Europe, den USA und anderen Regionen unterschiedlich schnell. Wie erklären Sie das?
China ist führend, angetrieben von Smart-City-Initiativen und der Integration autonomer Fahrzeuge in die Stadtplanung. Europa legt großen Wert auf Regulierung und Sicherheitsstandards und fördert so die breite Akzeptanz. Die USA sind in der Entwicklung von Robotertaxis und Lkw weit fortgeschritten. Kulturelle Faktoren spielen eine Rolle. Chinesische Verbraucher zeigen mehr Neugierde und Begeisterung, während andere Regionen eher zurückhaltend sind.
 

Wenn wir fünf bis zehn Jahre in die Zukunft blicken, was werden die größten Treiber und Hindernisse für die Ausweitung autonomer Mobilität sein?
Die Zeitpläne variieren je nach Region, aber es wird erwartet, dass Level 3- und Level 4-Fahrzeuge in den kommenden Jahren skaliert werden. Mercedes und BMW bieten in Deutschland bereits Level 3-Modelle an. In Europa ist die Dynamik stark: MOIA plant den Einsatz von 1000 Level 4-Shuttles in Hamburg. Die Regierungen in China, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten streben eine höhere Level 4-Durchdringung bis 2030 an. Die Hersteller reagieren schnell: Waymo steigert die Produktion, Lyft plant eine Markteinführung in Europa im Jahr 2026 und Tesla kündigt ein Cybertaxi für 2027 an. Es gibt weiterhin Hindernisse – insbesondere Regulierung und öffentliche Akzeptanz – doch dank erheblicher Investitionen und Zusagen der öffentlichen Verkehrsbetriebe sind die Aussichten vielversprechend.

Dr. Christian Sahr

Interview

Mehr Sicherheit und veränderte Risiken

Laut Schadenanalyse der Allianz zeigen Fahrerassistenzsysteme bereits einen messbaren Einfluss auf die Unfallreduzierung. Christian Sahr, Geschäftsführer des Allianz Zentrum für Technik (AZT), erklärt, welche Technologien den größten Unterschied machen, warum das öffentliche Vertrauen dem technischen Fortschritt noch hinterherhinkt und was Europa leisten muss, um die Automatisierung der Stufe 4 einzuführen.
 

Vom Schein zur Realität: Welche Fahrerassistenzsysteme haben sich bei der Unfallreduzierung als am wirksamsten erwiesen?
Unsere Daten zeigen eindeutige Ergebnisse. Bei Personenkraftwagen stechen zwei automatisierte Bremssysteme hervor. Das erste ist die autonome Notbremse (AEB) vorne, die seit 2013 im Rahmen des deutschen Typklassensystems gefördert wird und ab 2022 in der EU für alle neuen Fahrzeugtypen verpflichtend ist. Ein weiteres wirksames System ist die AEB hinten, die beim Rückwärtsfahren aktiviert wird. Seit 2017 verzeichneten damit ausgestattete Fahrzeuge eine 66-prozentige Reduzierung der Parkunfälle beim Auffahren im Vergleich zum Vorjahr. Dieses System senkt die Schadenhäufigkeit deutlich, beeinflusst die Typklassen und senkt somit die Betriebskosten der Fahrzeuge. Mit Blick auf die Zukunft bietet automatisiertes Bremsen in Kurven, insbesondere von Transportern und Lkw in städtischen Gebieten, großes Potenzial zum Schutz gefährdeter Verkehrsteilnehmer.
 

Wo stehen autonome Systeme noch vor den größten Sicherheitsherausforderungen?
Offen gesagt, wissen wir das noch nicht im Detail – deshalb benötigen wir Daten von groß angelegten Testfeldern in ganz Europa. Mischverkehr stellt eine klare Herausforderung dar: Autonome Fahrzeuge teilen sich die Straße mit menschlichen Fahrerinnen und Fahrern, die Fehler machen oder unvorhersehbar reagieren können. Einige gemeldete Auffahrunfälle entstanden durch Zusammenstöße zwischen herkömmlichen Autos und autonomen Fahrzeugen. In Europa gehen wir mit Bedacht vor. Wir setzen auf mehrere Sensoren und verschiedene Technologien wie Kameras, Radar und mindestens einen Lidar-Sensor. Unsere Daten von automatischen Notbrems-Systemen (AEB) zeigen jedoch, dass wir mit einem deutlichen Rückgang der Schadenshäufigkeit rechnen können, wenn die Automatisierung weiter voranschreitet.
 

Welche Unfallarten lassen sich nach wie vor am schwierigsten verhindern?
In unserer globalen Analyse bestehender Forschungsergebnisse haben wir Testfelddaten aus China und den USA analysiert, die jedoch größtenteils von Original Equipment Manufacturer (OEMs), also Erstausrüstern stammen. Dennoch lässt sich ein Muster erkennen: Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern in Städten gehen drastisch zurück. Kollisionen mit von Menschen gesteuerten Fahrzeugen bleiben jedoch stabil oder nehmen sogar zu – größtenteils aufgrund menschlicher Fehler.
 

Wie gleichen Versicherer weniger Unfälle mit höheren Reparaturkosten aus?
Derzeit stehen der geringeren Schadenhäufigkeit höhere Reparaturrechnungen gegenüber, hauptsächlich aufgrund der Sensorkosten und steigender Preise für Ersatzteile und Arbeitskosten. Die Gesamtschadenkosten sind daher nicht gesunken. Mit der Automatisierung der Stufe 4 erwarten wir jedoch einen so starken Rückgang der Schadenhäufigkeit, dass die Gesamtschadenkosten sinken, selbst wenn die Reparaturkosten weiter steigen.

Dr. Michael Praxenthaler

Interview

Autonomes Fahren: Schritt für Schritt das Vertrauen der europäischen Öffentlichkeit gewinnen

Um das Potenzial autonomer Mobilität auszuschöpfen, müssen die Menschen sich sicher fühlen, sie zu nutzen. Michael Praxenthaler, Verkehrspsychologe vom Allianz Zentrum für Technik (AZT), erläutert die Ergebnisse der repräsentativen Allianz Motor Day-Onlineumfrage unter 8500 Konsumenten in Europa.
 

Was waren die auffälligsten Ergebnisse der Allianz Umfrage?
Die Befragten zeigten großes Interesse am autonomen Fahren, aber auch hohe Erwartungen. Viele betonten potenzielle Vorteile wie weniger Stress, mehr Komfort und verbesserte Mobilität für ältere oder benachteiligte Gruppen. Gleichzeitig wünschen sich die Menschen mehr Klarheit in Bezug auf Sicherheit und Zuverlässigkeit. Dies deutet darauf hin, dass die Öffentlichkeit automatisierter Mobilität aufgeschlossen gegenübersteht – aber auch Bestätigung durch Informationen und Belege möchte.
 

Zeigte die Umfrage Unterschiede zwischen Ländern oder Bevölkerungsgruppen? 
Die Antworten waren in den verschiedenen Märkten insgesamt ähnlich. Komfort und Stressreduzierung wurden durchweg als entscheidende Vorteile genannt, während Verbesserungen der Sicherheit seltener erwähnt wurden. Italien stach hervor: Im Vergleich zu Österreich und der Schweiz waren mehr Befragte davon überzeugt, dass Automatisierung die Straßen sicherer machen könnte.
 

Welche Merkmale beeinflussen die Bereitschaft zur Nutzung autonomer Fahrzeuge am meisten? 
Komfort stand an erster Stelle. Den Befragten gefiel die Idee, ihre Reisezeit nützlicher und stressfreier zu gestalten. Sicherheit wird zwar geschätzt, wurde aber seltener genannt.
 

Was erschwert es Menschen aus psychologischer Sicht, automatisiertes Fahren vollständig zu akzeptieren?
Mehrere Aspekte spielen eine Rolle. Erstens haben die meisten Menschen wenig direkte Erfahrung mit automatisierten Systemen – Unbekanntes braucht länger, um Vertrauen zu gewinnen. Zweitens ist Autofahren eng mit dem Gefühl der Kontrolle verbunden, daher fühlt es sich seltsam an, diese einer Maschine zu überlassen. Drittens sind Unfälle mit autonomen Fahrzeugen in den Medien stark sichtbar und prägen die Wahrnehmung stärker als die vielen ereignislosen Fahrten, die es gibt. Und schließlich wollen die Menschen wissen, was das Auto tut und wie es entscheidet. Unklarheiten in diesem Bereich können zu Zurückhaltung führen.
 

Wie wichtig ist Transparenz für den Aufbau von Vertrauen?
Sie ist von zentraler Bedeutung. Klare Kommunikation über die Möglichkeiten von Systemen – und ihre Grenzen – gibt den Menschen mehr Sicherheit. Wenn die Interaktion zwischen Fahrer und Maschine vorhersehbar ist, steigt die Akzeptanz.
 

Macht die Erfahrung mit Fahrerassistenzsystemen einen Unterschied in der Nutzung oder im Vertrauen in die Technologie?
Ja. Befragte mit Vorerfahrungen im automatisierten Fahren oder mit Vorgängersystemen waren eher bereit, höhere Automatisierungsstufen auszuprobieren. Erfahrung aus erster Hand hilft, abstrakte Technologie in greifbare Sicherheits- und Komfortvorteile zu verwandeln.
 

Welche Risiken sind für Verbraucherinne und Verbraucher am relevantesten?
Die Zuverlässigkeit im Alltag dominiert die Bedenken. Menschen wollen Gewissheit, dass Fahrzeuge unerwartete Situationen meistern können. Auch Cybersicherheit und Schutz vor Hackerangriffen stehen im Vordergrund. Ethische Konflikte werden häufig in öffentlichen Debatten diskutiert, doch für die meisten Nutzerinnen und Nutzer sind gleichbleibende Leistung und Sicherheit die entscheidenden Faktoren.
 

Worauf sollten Politik und Industrie achten, um die europäische Öffentlichkeit zu überzeugen? 
Vertrauen muss verdient werden. Dies erfordert offene Kommunikation, Aufklärungskampagnen und die Möglichkeit, die Technologie in Pilotprojekten oder Shared-Mobility-Programmen auszuprobieren. Versicherer können Anreize für Fahrzeuge mit modernen Assistenzsystemen schaffen und transparente Sicherheitsdaten bereitstellen. Doch technischer Fortschritt allein reicht nicht aus. Menschen müssen autonomes Fahren als sicher, nützlich und zuverlässig erleben – nur dann wächst das Vertrauen Schritt für Schritt. 

Infografik zeigt, wie moderne Fahrerassistenzsysteme (z. B. Spurhalte- und Notbremssysteme) über die Jahre die Verkehrssicherheit erhöhten und Unfälle reduzierten.
Das Forschungsinstitut der Allianz, das Allianz Zentrum für Technik (AZT), untersucht aktuelle Sachverhalte in den Bereichen Automobiltechnik, Reparaturtechnik sowie Fahrzeug- und Verkehrssicherheit.

Das AZT hat lange vorausgesehen, wie technologische Veränderungen Risiken und die Versicherungsbranche umgestalten. In den 1970er und 1980er Jahren setzte es sich für die Einführung von Sicherheitsgurten in Deutschland ein. Diese Maßnahme half, die jährlichen Verkehrstoten von etwa 15.000 auf weniger als 3.000 heutzutage zu reduzieren. Später deckten die bahnbrechenden Crashtests des AZT bei niedrigen Geschwindigkeiten die hohen Reparaturkosten scheinbar kleiner Unfälle auf und legten den Grundstein für die Fahrzeugtypklassifikationen, an denen sich noch heute die Preisgestaltung von Kfz-Versicherungen orientiert.

Dieser zukunftsorientierte Ansatz prägt aktuelle Arbeiten zu Themen wie den Kosten für den Austausch von Elektrofahrzeugbatterien, der Widerstandsfähigkeit vernetzter Fahrzeuge gegen Cyberangriffe und den Haftungsproblemen autonomer Systeme. Ziel ist es, vorherzusehen, wie sich technologische Veränderungen auf Kfz-Versicherungen, Verkehrssicherheit und Reparaturkosten auswirken – und diese Voraussicht in praktische Lösungen umzusetzen.

Durch die Analyse realer Schadendaten, die Durchführung von Crashtests und die Veröffentlichung marktübergreifender Empfehlungen prägt das AZT Branchenstandards und gewährleistet eine faire und effiziente Schadenabwicklung für Kunden und Hersteller. Seine verkehrspsychologischen Studien, Unfallforschungsprojekte und Sicherheitskampagnen haben dazu beigetragen, Europas Straßen deutlich sicherer zu machen – ein Vermächtnis, das auch im Zeitalter der Elektrifizierung und Automatisierung der Mobilität fortbesteht.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist das AZT ein Katalysator des Wandels. Seine Mission bleibt unverändert: sichere, nachhaltige und erschwingliche Mobilität für die Bürger zu schaffen und gleichzeitig Versicherer und politische Entscheidungsträger für die bevorstehenden Veränderungen zu rüsten.

Außenansicht des Allianz Zentrums für Technik in Ismaning bei München mit Firmenlogo unter blauem Himmel.
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