Ein Trip zum Nordpol: Planbar, aber hart an der Grenze

Minus 32 Grad Celsius bei Windstärke 7: Genau so wurden die sieben Jugendlichen samt Expeditionsleitern auf ihrem Trip zum Nordpol empfangen. Der Wind beißt sofort in jedes Stückchen Haut, das er zu greifen kriegt. Es kommt einem so vor, als würde er die feinsten Ritzen in der Kleidung finden. Doch es sollte noch weitaus schlimmer kommen.

 

Den Nordpol zu erreichen zählt mit Sicherheit auch noch heute zu den großen Abenteuern. Eine Truppe russischer Jugendlicher war Anfang April 2014 aufgebrochen um den nördlichsten Punkt unseres Planeten zu erreichen: „Auf Schneeskiern zum Nordpol“ hieß das Motto der Expedition unter Führung der Arktisforscher Matvey Shparo und Boris Smolin. Sie hatten eine kleine Truppe von sieben Jugendlichen um sich geschart, die bereit waren, auf dieser Reise ihre Grenzen kennen zu lernen.

 

Die Kinder stammten überwiegend aus benachteiligten Familien, Kinderheimen oder Waisenhäusern. In ausgiebigen Vorabtests mussten sie zeigen, dass sie für eine derart anstrengende Reise geeignet sind. „Um an der Expedition teilnehmen zu dürfen, mussten sich die Teilnehmer über verschiedene Etappen qualifizieren. Unter der Aufsicht von Psychologen und Physiologen trainierten sie in unserem Big Adventure Kindercamp. Aus einer großen Menge an Bewerbern wählten wir sieben aus. Dabei war das mentale Durchhaltevermögen das wichtigste Kriterium.“

 

Nicht früher, nicht später: Nur im April

 

Der Monat April bietet als einziger die Möglichkeit, vom Barneo Eiscamp aus den Nordpol zu Fuß – oder auf Skiern – zu erreichen. Schließlich liegt er mitten im Meer, auf einer zwei bis drei Meter dicken Eisschicht. Darunter Wassermassen, die über 4000 Meter in die Tiefe reichen. Schon im Mai schmilzt das Eis und das Barneo Camp muss wieder aufgelöst werden. Von dort aus glitt die Gruppe auf driftenden Eisschollen in Richtung Norden.

 

Der unerbittliche Kältegriff der Arktis

 

Die Arktis empfing die Reisegruppe mit einem unerbittlichen Kältegriff: Temperaturen bis zu -32 Grad Celsius und Wind, der ihnen teilweise so stark entgegenblies, dass sie sich beim Gehen richtig dagegenstemmen mussten. So startete der Trip zum nördlichsten Teil der Erde. Die meisten Touristen buchen einen Helikopterflug zum Pol, fliegen dann in 40 Minuten dorthin, vertreten sich für ein zwei Stunden die Füße und fliegen dann wieder zurück. Die Truppe um Shparo entschied sich für die harte Variante: Auf Skiern wollen sie die 110 Kilometer bewältigen. Auf driftenden Eisschollen und stets das Nordpolmeer unter den Füßen. „Der Trip ist planbar, er bietet aber durchaus Raum für „Adrenalin-Momente“, beschreibt Shparo.

 

Doch der Sturm blieb nicht das einzige Hindernis auf der Reise. Immer wieder brachten sie die Eisschollen ab vom Kurs. Nachts drifteten sogar die Zelte auf ihren Schollen weg vom Ziel. Wertvolle Kilometer gingen so immer wieder verloren.

Die Abenteuer am Nordpol sollen Jugendlichen Werte wie Freundschaft, Mitgefühl und Teamgeist vermitteln.
Die Abenteuer am Nordpol sollen Jugendlichen Werte wie Freundschaft, Mitgefühl und Teamgeist vermitteln.

Das Eis bricht …

 

So legte die Gruppe 70 zusätzliche Kilometer zurück. Besonders gefährlich: Das Eis ist mancherorts so dünn, dass es knackt und knistert, wenn die Truppe vorsichtig mit ihren Skiern darüber glitt. Oft redete man es sich ja nur ein, aber die Truppe musste Stellen passieren, wo das Eis jederzeit brechen kann. Das wussten sie. Deshalb waren sie extrem vorsichtig. Jedes Mitglied der Truppe bewegte sich einzeln über das dünne Verbindungsstück. Allein die Vorstellung, in das Eiswasser zu fallen, bereitete schon Schmerzen. Dabei war die Truppe gut ausgestattet. Mit den richtigen Anzügen konnten sie sogar mitten im Wasser landen, ohne zu erfrieren. Gut zu wissen, doch nahm es die Furcht vor den kalten Wassermassen nie ganz. Die Angst war auch angebracht.

 

Das Eis brach. Ein paar Mitglieder der Truppe landeten im Wasser. Nach ein paar Schrecksekunden reagierten die anderen und holen ihre Reisegefährten mit mehr oder weniger gekonnten Griffen aus dem Wasser – immer in der Hoffnung, dass das Eis unter ihnen nicht auch noch nachgab und auch sie selbst gleich um Hilfe rufen würden.

 

Einmal Erfrierung, immer wieder Erfrierung

 

Um Hilfe rufen war natürlich auch für die ganze Expedition immer eine Option. Ein Hubschrauber brachte die Mitglieder der Expedition dann zurück zum Camp. Doch das wollte hier keiner. Nicht einmal, als Akhuramazd sich beinahe die Finger abfror: „Akhuramazd hatte Erfrierungen an beiden Händen, weil es draußen so extrem kalt war. Die ersten Fingerglieder aller fünf Finger waren weiß angelaufen. In diesem Augenblick bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun“, so Expeditionsleiter Shparo. Doch offenbar dachte der Junge aus der russischen Stadt Khanti-Mansiysk nicht einmal ans Aufgeben. Hätte der Gehörlose den Leiter Shparo darum gebeten, den Notruf zu betätigen, er hätte es getan. „Ich nahm eine Hand, Pavel Astakhov die andere und wir massierten sie so lange, bis wieder Blut durch die Kuppen floss. Dann steckten wir die Hände unter unsere Achselhöhlen, den wärmsten Bereich des menschlichen Körpers.“

 

Schuhe binden, Jacke zu – nichts davon konnte er alleine machen

 

Doch das war noch lange nicht das Ende des Leidensweges. Bei Kälteforschern gilt die ungeschriebene Regel: „Einmal Erfrierung, immer wieder Erfrierung.“ Ist ein Körperteil erst einmal betroffen, gilt es als besonders gefährdet. Es gefriert bei der kleinsten Nachlässigkeit gleich wieder. So musste Akhuramazd drei Paar Handschuhe tragen. Jemand anderes übernahm also die Arbeit seiner Hände: Reisverschluss zu, Schuhe binden, Schlitten packen … „All das übernahm Nikita für ihn, ein Junge aus Kemerovo. Für drei lange Tage.“ - So oder in anderen Situationen lernt man laut Shparo, worauf es wirklich ankommt: „Freundschaft, Mitgefühl und Teamgeist – eigentlich alles, was den modernen Jugendlichen heutzutage fehlt. Mit unseren Reisen verfolgen wir das Ziel, dass die Heimkehrer diese Werte in ihren Familien und im Freundeskreis weiterverbreiten.“

 

Matvey weiß, wovon er spricht. Zusammen mit seinem Vater Dimitry überquerte er als erster auf Skiern die Bering Straße und sicherte sich so einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde.

 

Der Adventure Club von Dmitry und Matvey Shparo organisierte die Arktisexpedition. Federführend war das russische Sportministerium. Alle Teilnehmer der Expedition – sieben Studenten zwischen 16 und 17 Jahren, die Expeditionsleiter und eine TV Crew – wurden von Allianz Life versichert.


Text: Andreas Klein

Stürme waren nicht das einzige Hindernis, immer wieder brachten sie die Eisschollen ab vom Kurs.
Stürme waren nicht das einzige Hindernis, immer wieder brachten sie die Eisschollen ab vom Kurs.

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

 

Petra Brandes
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