Frauen und Führung: ein Insider-Blick

Helen Silver von Allianz Australia ist überzeugt: "Damit Frauen höhere Führungsebenen erreichen, braucht es den Willen des CEO."

 

Helen, welche Erkenntnisse haben sie über Frauen gewonnen, die in Australien hohe Positionen im öffentlichen und privaten Sektor erreicht haben?

 

57 Prozent der Beamten in Australien sind Frauen, aber weniger als 40 Prozent haben leitende Positionen inne. In den Top 200 Unternehmen, die an der australischen Börse notiert sind, sind nur 10 Prozent der ranghohen Führungskräfte Frauen. Dieses Muster zieht sich durch Unternehmen im privaten Sektor in allen Industrienationen. Doch diese Prozentzahlen sind nur ein Teil des Problems. Die öffentlichen Einrichtungen, die den höchsten Anteil an weiblichen Führungskräften aufweisen, sind im sozialen Bereich wie beispielsweise das Gesundheits- oder das Bildungsministerium. Und in Unternehmen sind Frauen vor allem in Personal- oder Rechtsabteilungen beruflich am erfolgreichsten, weitaus weniger dagegen im Betrieb oder in der Industrie, also Bereichen, aus denen Top Executives normalerweise kommen. Das zeigt, dass die aufsichtsrechtlichen und strukturellen Reformen noch nicht ausreichen, um eine echte Ausgewogenheit der Geschlechter zu erreichen. Es gibt nach wie vor unsichtbare Hürden, die wir aus dem Weg räumen müssen.

 

Was ist denn das wirtschaftliche Argument für ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern in Führungsrollen und in Teams im Allgemeinen?

 

Forschungsergebnisse haben immer wieder gezeigt, dass sich die Gleichberechtigung der Geschlechter auszahlt. Sie steigert die Leistung und verbessert die Entscheidungsfindung in Unternehmen. Sie bietet einen leichteren Zugriff auf den Pool der stärksten Talente. Durch Gender Diversity wird ein Unternehmen zum Arbeitgeber der ersten Wahl für Frauen. Außerdem spiegelt ein Unternehmen so seine Kunden und Stakeholder besser wider und lernt, sie besser zu verstehen.

 

Können der öffentliche und der private Sektor von einander lernen, um die Situation zu verändern?

 

Echte Genderparität wurde zwar noch in keinem Sektor erreicht, doch im öffentlichen Sektor ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausgewogener als im privaten. Grund dafür in Australien ist die frühzeitige Einführung von Programmen zur Förderung der Rekrutierung von Frauen oder zur Einrichtung flexibler Arbeitsbedingungen. Bei uns in Australien passierte das alles schon in den 80er Jahren. Allerdings weist der öffentliche Sektor keine so gute Bilanz auf, was ein konsequentes, zielorientiertes Talentmanagement betrifft. Ich persönlich glaube fest daran, dass das offizielle Sponsorship eines der effektivsten Mittel ist, um Frauen auf ranghohe Führungspositionen zu heben. Das gilt für den öffentlichen wie auch für den privaten Sektor. Ich habe in meiner alten Laufbahn bei der Regierung des Bundesstaats Victoria gesehen, wie gut ein Sponsorship funktionieren kann. Ich freue mich deshalb sehr darüber, dass auch die Allianz ihr eigenes Programm mit dem Titel "Sponsorship for Diverse Leadership" ins Leben gerufen hat. Damit Frauen höhere Führungsebenen erreichen, braucht es unbedingt die Unterstützung und den Willen des CEO und der obersten Führungsebene. Und genau wie im Staatsdienst ist es auch in Unternehmen unerlässlich, sich mit kulturellen Themen wie unseren unterschwelligen Vorurteilen auseinander zu setzen und die Arbeitsbedingungen zu ändern.

Helen Silver, Chief General Manager Workers’ Compensation bei der Allianz Australia und ehemals ranghöchste Beamtin in der Regierung des australischen Bundesstaats Victoria, war eine der Teilnehmerinnen des OECD Global Forum on Women's Access to Public Leadership, das vom 2. bis 4. April 2014 in Paris stattfand.
Helen Silver, Chief General Manager Workers’ Compensation bei der Allianz Australia und ehemals ranghöchste Beamtin in der Regierung des australischen Bundesstaats Victoria, war eine der Teilnehmerinnen des OECD Global Forum on Women's Access to Public Leadership, das vom 2. bis 4. April 2014 in Paris stattfand.

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

 

Flavia Genillard
Allianz SE
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