Die wahre KI-Transformationen geschieht ganz leise: Wie KI die Logik des Fortschritts neu schreibt

Von Dr. Axel Schell
CTO Allianz Technology – Head of Innovation, AI & Enterprise Architecture

Manche Umbrüche sind laut. Andere geschehen so leise, dass man sie erst bemerkt, wenn die Welt sich bereits für immer verändert hat. Künstliche Intelligenz gehört zu beiden Kategorien. Sie begann mit beeindruckenden Werkzeugen, die sich schneller weiterentwickelten als jede Technologie zuvor. Gleichzeitig ist unter der Oberfläche etwas weit Folgenreicheres passiert: eine neue Grundlogik, die verändert, wie Organisationen arbeiten und Wert schaffen – und damit letztlich auch, wie Kundenerlebnisse entstehen.

Die wichtigsten Veränderungen sind nicht jene, die die Schlagzeilen dominieren. Sie sind strukturell, systemisch – und oft unsichtbar. Drei davon verdienen die volle Aufmerksamkeit von Entscheidungsträgern, weil sie neu definieren werden, wie Unternehmen mit ihren wichtigsten Anspruchsgruppen interagieren: ihren Kunden.

Über Jahre wurde KI vor allem als etwas beschrieben, das wir konsultieren: Wir stellen Fragen, erhalten Vorschläge – und behalten klar die Kontrolle. Dieses Modell weicht bereits jetzt einem neuen. In vielen Branchen beobachten Analysten und Praktiker den Aufstieg sogenannter agentischer KI: Systeme, die innerhalb definierter Ziele und Leitplanken planen, koordinieren und Handlungen ausführen können – statt nur auf Eingaben zu reagieren ( wie hier beschrieben von Gartner).

Das ist ein grundlegender Wandel in der Organisation von Arbeit. KI übernimmt nicht nur einzelne Aufgaben schneller, sondern trägt Verantwortung für Teile von Abläufen. Entscheidungen rücken näher an die Ausführung heran. Prozesse werden anpassungsfähig, statt starr vorgegeben zu sein.

Für Führung ist das weniger eine technische Frage als eine der Governance. Verantwortlichkeit, Vertrauen und Aufsicht rücken ins Zentrum. Auch wenn Systeme autonomer handeln: Menschliche Verantwortung verschwindet nicht – sie wird strategischer. Das erhöht den Stellenwert von klaren Kontrollpunkten, Urteilskraft und ethischen Leitplanken – und stärkt zugleich die Rolle der Mitarbeitenden ( wie hier beschrieben im MIT Sloan Management Review).

Die entscheidende Veränderung ist nicht Automatisierung. Es ist Delegation.

Ein großer Teil der heutigen KI-Debatte dreht sich noch um Text. Doch das wird schnell zur Basisleistung. An der Spitze der Entwicklung erweitert sich Intelligenz über Sprache hinaus: in Sehen, Hören, Bewegung und Kontext. Oft wird das als multimodale und „embodied“ (verkörperte) KI beschrieben.

Immer mehr Systeme können Bilder, Video und Sensordaten simultan verstehen und gemeinsam verarbeiten – und in physischen oder simulierten Umgebungen agieren. Damit verändert sich die Art der Interaktion grundlegend ( wie IBM beschreibt): KI ist nicht länger auf Dashboards oder Chatfenster begrenzt. Sie kann Fertigungsprozesse beobachten, Kundenverhalten in Echtzeit verstehen oder Umgebungen dynamisch anpassen.

In dieser Logik bezahlen Organisationen künftig weniger für einzelne Software-Funktionen – und stärker für Ergebnisse: Arbeit, die von intelligenten Systemen direkt in realen Prozessen erbracht wird, häufig beschrieben als „Agent-as-a-Service“.

Die strategische Konsequenz ist klar: Führungskräfte sollten weniger fragen, wie KI Oberflächen verbessert – und mehr, wie Intelligenz in jene Räume einzieht, in denen Unternehmen ihren Kunden tatsächlich begegnen.

Mit dem breiten Zugang zu leistungsfähigen KI-Modellen verschiebt sich der Wettbewerb erneut. Wenn viele ähnliche Modelle zur Auswahl stehen, entsteht Differenzierung nicht mehr primär durch das Modell selbst, sondern durch das, was es umgibt: Datenqualität, Architektur, Governance und organisatorische Fähigkeiten.

Ein deutliches Signal dafür ist der neue Fokus auf unstrukturierte Daten. Texte, Bilder, Videos und umfangreiche Dokumente galten lange als schwer nutzbar. Heute rücken sie ins Zentrum der Wertschöpfung – angetrieben durch Fortschritte in generativen und „reasoning“-fähigen Systemen.

Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Modellen, die über große Informationsmengen hinweg Zusammenhänge erkennen, Kontext über Zeit aufbauen und mehrstufige Entscheidungen unterstützen können – etwa in Multi-Agenten-Systemen ( beschrieben von Gartner).

Parallel dazu rücken Hardware und Infrastruktur leise wieder in den Mittelpunkt: maßgeschneiderte Chips, optimierte Architekturen und Plattform-Design entscheiden zunehmend darüber, wer Intelligenz verlässlich, skalierbar und verantwortungsvoll bereitstellen kann. Wenn Modelle austauschbarer werden, wird Infrastruktur zur Strategie.

Für Executives ist die Botschaft einfach – und anspruchsvoll: KI ist nicht länger etwas, das man einkauft. Sie ist etwas, das man in die Fundamente der Organisation einbaut – und in praktisch alle Kontaktpunkte mit Kunden.

In der Summe führen diese Verschiebungen zu einer übergeordneten Erkenntnis: Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob eine Organisation KI nutzt, sondern ob Intelligenz so eingebettet ist, dass sie den Betrieb – und damit das Kundenerlebnis – messbar verbessert.

Organisationen, die KI als Feature behandeln, riskieren hinter jene zurückzufallen, die KI als Architektur verstehen. Wer an starren Workflows festhält, wird es schwer haben gegenüber Systemen, die auf Anpassungsfähigkeit ausgelegt sind. Und wer technische Fähigkeiten ohne kulturelle Bereitschaft aufbaut, wird das Potenzial intelligenter Systeme nicht ausschöpfen.

Wie in früheren Technologie-Epochen werden nicht jene gewinnen, die am meisten Gewissheit besitzen, sondern jene mit der größten Fähigkeit zu lernen – und KI konsequent aus Kundensicht zu denken. Neugier, Anpassungsfähigkeit und verantwortungsvolles Experimentieren zählen mehr als perfekte Vorhersagen.

Aufmerksamkeit sollte sich von Use Cases hin zu Governance und Verantwortlichkeit verschieben.
KI wird Prozesse, Räume und Interaktionen prägen, nicht nur Bildschirme.
Infrastruktur, Datenstrategie, Kultur und konsequenter Kundenfokus entscheiden stärker als jedes einzelne Modell.
Mein erster Job war Softwareentwickler. Das war zu einer Zeit, in der das bedeutete, alles von Grund auf selbst zu entwickeln. Ich gründete mein eigenes Unternehmen und entwickelte für einen großen Radiosender eine digitale Plattform – einschließlich Website, Content-Management-System und der dahinterliegenden Backend‑Prozesse.

Der beste Rat, den ich je bekommen habe, ist simpel: Das Leben ist zu schön, um es nur zu planen. Einige der prägendsten Momente meines Lebens sind rein zufällig entstanden. Eines Abends auf einer Party trat ich versehentlich jemandem auf den Fuß – heute ist diese Person meine Frau. Hätte ich an diesem Abend einem strikten Plan gefolgt, wäre ich bei den Leuten geblieben, mit denen ich gekommen war, oder zu einer festgelegten Zeit gegangen, dann wäre dieser Moment nie passiert.

In einer Welt, die zunehmend von Optimierung, Vorhersagbarkeit und Automatisierung geprägt ist, ist diese Erkenntnis sehr wertvoll: Nicht alles von Wert lässt sich planen, messen oder kontrollieren. Und das ist kein Risiko, sondern eine Chance. Wer Raum dafür lässt, wird sehen, wie großartige Dinge ganz von allein entstehen.

Steph Curry, Basketballspieler bei den Golden State Warriors, ist ein Vorbild für mich, auch wenn seine Welt eine ganz andere ist als meine. Er führt ohne Ego. Obwohl er einer der besten Schützen aller Zeiten ist, liegt sein Fokus nicht auf individueller Brillanz, sondern darauf, das gesamte Team besser zu machen. Kein Drama, kein Dominanzverhalten – nur Konstanz, Vertrauen und Exzellenz in der Ausführung.

Dieser Ansatz entspricht sehr stark meinem Verständnis von Führung in der Technologiebranche heute. In einem Umfeld, das von rasanter Innovation und KI geprägt ist, geht es beim Erfolg nicht darum, die klügste Person im Raum zu sein, sondern Systeme und Teams zu schaffen, die resilient, kollaborativ und zu Leistungen fähig sind, die sie sich selbst zunächst nicht zugetraut hätten.

Und außerdem spielt er mit Freude: Er liebt wirklich, was er tut – und man sieht es in jedem Spiel. Der „Shimmy“ (eine seiner typischen Gesten) nach einem Dreier, das Lächeln auf der Bank – er lässt Exzellenz spielerisch wirken.

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* Die Kundenanzahl spiegelt nur die Allianz Kundinnen und Kunden in konsolidierten Unternehmen wider, die zum Umfang der Kundenberichtserstattung gehören.

** Stand: 31. Dezember 2025.

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen: