Der Allianz Konzern ist einer der weltweit führenden Versicherer und Vermögensverwalter, aktiv in fast 70 Ländern, mit rund 97 Millionen Kundinnen und Kunden*. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von etwa 764 Milliarden Euro**. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors etwa 2,0 Billionen Euro** für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir unter den führenden Versicherern im Dow Jones Sustainability Index. 2025 erwirtschafteten über 156.000 Mitarbeiter für den Konzern einen Umsatz von 186,9 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 17,4 Milliarden Euro.
„Wir brauchen einen Dreiklang aus Prävention, risikoadäquaten Prämien und staatlichem Rückhalt“
Herr Röhler, wie verändert der Klimawandel die Versicherungslandschaft?
Wie lässt sich unter diesen Bedingungen Versicherbarkeit und Bezahlbarkeit sichern? Und wie bewerten Sie dahingehend eine aktuell in Deutschland intensiv diskutierte Pflichtversicherung?
Eine isolierte Pflichtversicherung ist keine Lösung. Sie adressiert nicht die Ursache der steigenden Belastungen, sondern verteilt sie lediglich um. Prämien würden mit den wachsenden Schäden Schritt halten, statt sie zu senken. Zudem schwächt ein Pflichtsystem ohne risikoorientierte Bepreisung die Anreize für Prävention. So werden die Grenzen der Versicherbarkeit eher schneller erreicht als hinausgeschoben.
Stattdessen braucht es ein Gesamtkonzept, das auf drei ineinandergreifenden Säulen beruht. Erstens müssen Risikovorsorge, effektive Prävention und Schutzmaßnahmen zur Klimafolgenanpassung auf allen Ebenen – beim Staat und bei den Versicherten – in den Mittelpunkt rücken, um das Ausmaß der Schäden durch Wetterextreme zu verringern. Das bedeutet klimaresilientes Bauen und zielgerichtete Investitionen in Schutzinfrastruktur – und zwar dort, wo sie den größten Effekt haben.
Zweitens muss die privatwirtschaftliche Versicherung risikobasiert bleiben. Prämien, die das individuelle Risiko widerspiegeln, belohnen wirksame Prävention und vermeiden Fehlanreize, die entstehen, wenn hohe Risiken systematisch quersubventioniert werden. Drittens braucht es für sehr seltene, extreme Ereignisse einen klar definierten staatlichen Stop Loss als Rückversicherungsschutz. Bei außergewöhnlich hohen Kumulschäden – etwa ab der Größenordnung eines 200 Jahres Ereignisses – kann ein staatlicher Rückhalt die Volatilität abfedern, ohne den Markt zu verdrängen. Wichtig ist ein Design, das private Kapazitäten ergänzt statt ersetzt. So wird das System in Extremjahren stabilisiert, während im Normalbetrieb marktwirtschaftliche Signale weiterwirken.
Welche konkreten Schritte muss der Staat unternehmen, damit Prävention wirksam wird?
Investitionen und die Umsetzungsgeschwindigkeit von Schutzmaßnahmen, insbesondere beim Hochwasserschutz, müssen drastisch steigen. Viele Maßnahmen sind bekannt, doch der Fortschritt ist schleppend: Trotz des seit 2024 geltenden Klimafolgenanpassungsgesetzes und des bereits 2013 verabschiedeten Hochwasserschutzplans wurden in Deutschland erst etwa 5 Prozent der Projekte abgeschlossen, rund 80 Prozent sind noch nicht einmal gestartet. Hält das aktuelle Tempo an, wäre der Plan selbst in 100 Jahren noch nicht vollständig umgesetzt. An fehlenden Mitteln darf und sollte es auch nicht scheitern. In Deutschland hat der Bund ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro aufgelegt, mit dem unter anderem die Infrastruktur gestärkt werden soll. Prävention – insbesondere Hochwasserschutz – ist zudem eine der wirtschaftlich sinnvollsten öffentlichen Investitionen: Jeder investierte Euro erspart vier bis zehn Euro an Wiederaufbaukosten.
Neben der Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen zur Prävention muss der Staat klare Leitplanken für die Haushalte setzen. Der Klimawandel sollte als Schutzziel im Baurecht verankert werden. Dazu gehören Bauverbote in Hochrisikogebieten, die konsequent eingeführt und durchgesetzt werden, sowie obligatorische Klimarisikobewertungen für jede Baugenehmigung. Neben Vorschriften sollten Eigentümer über gezielte Förderprogramme beim präventionsgerechten Bauen und Sanieren unterstützt werden, etwa beim Ersatz besonders schadensanfälliger Systeme wie Ölheizungen in Überschwemmungsgebieten. Zudem brauchen wir ein nationales Präventionsregister, das offenlegt, welche staatliche Schutzmaßnahmen wo geplant sind, in welchem Stadium sie stehen und bis wann die Infrastruktur fertiggestellt wird – so sehen Bürgerinnen und Bürger Lücken und können Umsetzung einfordern. Zugleich hilft das Register Versicherern, aktuelle Risikozonen zu identifizieren und Veränderungen zeitnah in die Risikobewertung zu integrieren.
Wie engagiert sich die Allianz, um Klimarisiken zu senken und drohender Unversicherbarkeit vorzubeugen?
Wir treiben die Dekarbonisierung der Wirtschaft voran und sichern zugleich verlässlichen, bezahlbaren Versicherungsschutz für Wohngebäude und Sachrisiken – das ist Kern unseres Werteversprechens. Dazu setzen wir auf führende Expertise in Underwriting, Datenanalyse und Modellierung von Naturgefahren, um Risiken präzise zu verstehen, zu steuern und in risikogerechten Prämien abzubilden. Ein robustes Kapital- und Rückversicherungsmanagement hilft uns, die Volatilität von Naturkatastrophen- und Wetterereignissen abzufedern und Leistungsversprechen auch in anspruchsvollen Jahren einzuhalten.
Im Schadenfall sorgen wir für schnelle, praktische Hilfe – von der Handwerkersteuerung über die Bereitstellung von Trocknungsgeräten bis hin zu gezielter regionaler Unterstützung – und verknüpfen die Regulierung mit unserem Build-Back-Better-Ansatz: Wir beraten zu widerstandsfähigen Materialien, fördern in geeigneten Fällen aufwertende Maßnahmen und zielen darauf ab, beschädigte Objekte nicht nur instand zu setzen, sondern im Zuge der Reparatur nachhaltiger und hochwasserresistenter zu machen. Vollständig eliminieren lässt sich Hochwasserrisiko nie, doch solche Upgrades mindern Schäden und beschleunigen ihre Reparatur.
Was können und sollten Versicherte selbst tun?
Versicherte können selbst viel bewirken. Ausgangspunkt ist eine realistische Einschätzung des eigenen Risikos. Dabei unterstützt die Allianz Hausbesitzer mit der Wohnort-Risikobewertung, die lokale Naturgefahren sichtbar macht, sowie mit der Allianz Unwetterwarnung, die frühzeitig vor drohenden Ereignissen warnt. Dass in Deutschland derzeit nur etwa 57 Prozent über eine Elementarschadenversicherung verfügen, unterstreicht den weiterhin großen Bedarf an Aufklärung und Absicherung. Für Unternehmen bieten wir darüber hinaus im Rahmen unserer CAReS-Dienstleistungen fortgeschrittenere Tools und Services an, die ihnen dabei helfen, die Auswirkungen von Klimarisiken auf ihr Geschäft zu bewerten und effektiv zu steuern.
Auf dieser Grundlage sind die Versicherten gefordert, konsequent zu handeln und Prävention frühzeitig mitzudenken – besonders bei Neubau und Sanierung. Wer klima- und naturgefahrenfeste Lösungen von Anfang an einplant, senkt damit sein Schadensrisiko spürbar, verkürzt Ausfallzeiten und stabilisiert langfristig die eigenen Versicherungskosten.
Gibt es Länder, die den geforderten Dreiklang bereits erfolgreich umgesetzt haben und von denen wir lernen können?
weiterführende Informationen
Mehr auf allianz.com
Über die Allianz
* Die Kundenanzahl spiegelt nur die Allianz Kundinnen und Kunden in konsolidierten Unternehmen wider, die zum Umfang der Kundenberichtserstattung gehören.
** Stand: 31. Dezember 2025.