Economic ResearchPublikationenResearch PapersWeitere ThemenWeltwirtschaft auf dem Weg zu ausgewogenerem Wachstum

Weltwirtschaft auf dem Weg zu ausgewogenerem Wachstum

Service & Kontakte

Dr. Lorenz Weimann

Allianz SE
Tel. +49.69.24431-3737
Fax +49.69.24431-6791

E-Mail senden

Wir informieren Sie zeitnah über News und Termine der Allianz Gruppe.

Abonnieren

Folgen Sie uns auf Twitter.

Mehr

  • Kontakt

  • Newsletter

  • Social Media

Das stürmische Wachstum der Weltwirtschaft in den letzten Jahren hat auch seine Schattenseiten. Die ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit des Wachstums war bisher vielfach nicht gegeben. Auch die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, die im Zuge der kräftigen wirtschaftlichen Dynamik entstanden sind, stellen ein Problem dar. Gegenwärtig werden die Karten jedoch neu gemischt. Aus heutiger Sicht dürfte eine Reihe von Faktoren die globale wirtschaftliche Dynamik in der nächsten Dekade belasten. Es gibt dennoch keinen Grund mit Skepsis in die Zukunft zu sehen.


, 07.10.2008

Mehrere Jahre in Folge ist die Weltwirtschaft um mehr als 3 % gewachsen. Als Triebkraft haben sich zunehmend die Emerging Markets erwiesen, die in den letzten fünf Jahren ihre wirtschaftliche Leistung durchschnittlich um 6,0 % steigerten. Das stürmische globale Wachstum hatte jedoch auch eine Reihe wirtschaftlicher Ungleichgewichte zur Folge. Das gewaltige Leistungsbilanzdefizit der USA, die enormen Außenhandelsüberschüsse Asiens und des Nahen Ostens, die chronischen Defizite einiger mittel- und osteuropäischer Schwellenländer weisen auf einen großen Anpassungsbedarf hin.

Gründe für diese erheblichen Schönheitsfehler des globalen Aufschwungs sind im Prozess der Disinflation – die durch die Globalisierung hervorgerufene Tendenz zu immer niedrigeren Teuerungsraten – zu suchen. Die Disinflation eröffnete der Geldpolitik enormen Handlungsspielraum. Sie nutzte ihn voll aus, indem sie mit niedrigen Zinsen und einem hohen Liquiditätsangebot gesamtwirtschaftliche Impulse gab. Gegenwärtig werden die Karten jedoch neu gemischt. Weltweit kommt es zu einer Wachstumsverlangsamung. Wie sehen vor diesem Hintergrund die längerfristigen Wachstumsperspektiven der Weltwirtschaft bis 2018 aus?

Aus heutiger Sicht dürfte eine Reihe von Faktoren die globale wirtschaftliche Dynamik in der nächsten Dekade belasten. Zu den wichtigsten zählen nach unserer Einschätzung die folgenden:

Hohe Energiepreise verteuern die Transportkosten und sind ein struktureller Belastungsfaktor des internationalen Handels. Der Zuwachs des Welthandels wird in den nächsten zehn Jahren mit durchschnittlich 4-5 % deutlich niedriger sein als in den letzten Jahren.

Neben den hohen Rohstoffpreisen dürfte eine Tendenz zu höheren Lohnsteigerungen längerfristig den Kostendruck in den Unternehmen der Industrieländer verstärken. In den Emerging Markets bleibt der Lohnauftrieb anhaltend hoch. Inflationsraten wie in den achtziger und neunziger Jahren drohen jedoch nicht, da zum einen die Wirtschaftspolitik stabilitätsorientierter agiert und die Kräfte der Globalisierung weiterhin wirken – wenn auch gedämpfter. Dennoch werden in vielen Schwellenländern mittelfristig Inflationsraten von 4 bis 6 % die Regel sein.

Die Geldpolitik wird in diesem Umfeld zur Erhaltung der Geldwertstabilität mehr Anstrengungen unternehmen müssen als in den Zeiten der stürmischen Globalisierung, die in starkem Maß disinflationär wirkte. 

Die hohen Rohstoffpreise machen energieineffiziente Produktionsstätten unrentabel und reduzieren die Nachfrage nach energieintensiven Produkten (selbst bei effizienter Produktionsweise). Dies hat Auswirkungen auf den Kapitalstock: Seine Produktivität vermindert sich. Infolgedessen wird auch das Wachstum des Produktionspotenzials, also der mittelfristige Wachstumstrend, gedämpft. 

Trotz dieser Belastungsfaktoren für die wirtschaftliche Dynamik gibt es keinen Grund mit Skepsis in die Zukunft zu sehen. Moderates wirtschaftliches Wachstum kann auch seine Vorteile haben. Inzwischen gibt es beispielsweise deutliche Anzeichen, dass ein Abbau des US-Leistungsbilanzdefizits eingesetzt hat. Volkswirtschaften mit einer vom Immobilienmarkt ausgelösten überbordenden Binnennachfrage und hohen Leistungsbilanzdefiziten werden sich angesichts der globalen Immobilienkrise noch über Jahre hinweg in einem Anpassungsprozess befinden. Marktprozesse sind hier in Gang gekommen, die zu einem ausgewogeneren globalen Wachstum führen.

Nicht nur hinsichtlich der außenwirtschaftlichen Defizite ist in den nächsten JahrenBesserung zu erwarten. Noch bedeutsamer für die globale Wirtschaft ist, dass sich das Wachstum in den Industrieländern wie auch in den Schwellenländern nicht mehr im selben Umfang wie bisher Ressourcen verzehrend und Emissionen erhöhend erweisen dürfte und damit nachhaltiger wird. In den nächsten zehn Jahren wird das Wachstum der Industrieländer durchschnittlich 2 % jährlich, dasjenige der Emerging Markets 4 ½ % betragen. Dies reicht aus für eine Besserung an den Arbeitsmärkten der Industrieländer und einer Verbreiterung des Wohlstands in den Emerging Markets. Die Bedeutung der Emerging Markets in der Weltwirtschaft wird kontinuierlich weiter zunehmen, allerdings nicht mehr mit dem Tempo der letzten Jahre.

Im Jahr 2008 erbringen die Industrieländer rund 70 % und die Emerging Markets rund 30 % der globalen Wertschöpfung. In zehn Jahren – im Jahr 2018 – beträgt der Anteil der Emerging Markets an der Weltwirtschaft voraussichtlich etwa zehn Prozentpunkte mehr, also reichlich 40 %. Mit rund 60 % an der Weltwirtschaft bleibt den Industrieländern aber auch in zehn Jahren noch ein gewisses Übergewicht. Die größte Volkswirtschaft wird 2018 noch immer die USA sein, gefolgt vom Euroraum und von China.