Die Produktivitätsschwäche der Industrieländer: Erklärungsansätze und Handlungsbedarf

Der Zusammenbruch von Lehman Brothers, Auslöser der jüngsten Weltwirtschaftskrise, liegt schon beinahe sieben Jahre zurück – das Gefühl der Krise aber ist geblieben. Zwar hat sich die Weltwirtschaft nach dem traumatischen Jahr 2009 wieder erholt, in den meisten Fällen blieb diese Erholung jedoch anämisch, vor allem in den Industrieländern. Schlimmer noch: Nahezu überall hat sich auch das erwartete Potenzialwachstum abgeschwächt, d.h. die Jahre der Finanz- und Wirtschaftskrise dürften nicht nur temporäre, sondern bleibende Schäden verursacht haben. Für die USA beispielsweise wird dieser Rückgang im Potenzialwachstum seit 2007 auf etwa fünf Prozent geschätzt ; für 2014 summiert sich somit der geschätzte Wohlfahrtsverlust auf etwa 900 Mrd. USD. Kein Wunder also, dass viele Beobachter mittlerweile von einer „säkularen Stagnation“ sprechen, einer langen Phase enttäuschenden Wachstums.

Die Gründe für die schwache Entwicklung der jüngsten Zeit sind vielfältig: überbordende Verschuldung, verkrustete Arbeitsmärkte, fehlende Wettbewerbsfähigkeit, um nur einige zu nennen. Auch ihre Bedeutung variiert von Land zu Land. Eine Gemeinsamkeit weisen aber nahezu alle Länder auf: eine sehr schwache Produktivitätsentwicklung.


Diese Entwicklung ist zutiefst beunruhigend. Denn mittel- bis langfristig ist es vor allem das Produktivitätswachstum, das das allgemeine Wirtschaftswachstum antreibt. Dies gilt umso mehr für die nahe Zukunft, in der sich für viele Industrieländer ein entscheidender Wachstumsmotor der Vergangenheit, eine zunehmende Arbeitsbevölkerung, in sein Gegenteil verkehren wird. Ohne Produktivitätswachstum werden vor allem die europäischen Länder in ihrer Wirtschaftskraft schrumpfen. Die Herausforderungen der Zukunft, von den Kosten einer alternden Gesellschaft bis hin zu den Kosten der Energiewende, lassen sich dann kaum mehr meistern. Im Klartext: Ohne Wachstum der Produktivität wird sich unser Wohlstand nicht auf dem heutigen Niveau halten lassen.

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