Konjunkturprognose 2011/2012

Nach dem starken Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent im Jahr 2010 prognostiziert die Allianz ein Wachstum von 2,9 Prozent für das Jahr 2011. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich auf gutem Weg. Die Auslastung der Industrie liegt inzwischen weit über ihrem langjährigen Durchschnitt. Die gewerbliche Wirtschaft beurteilt die Geschäftslage so positiv wie im Höhepunkt des letzten Aufschwungs Ende 2006/Anfang 2007. Das Dienstleistungsgewerbe schätzt die Geschäftslage sogar noch günstiger ein als damals. Die Unternehmen stocken ihre Beschäftigung kräftig auf; die Zahl der Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft hat sich binnen Jahresfrist um über 450.000 erhöht“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz.

Auf die Weltwirtschaft wirken derzeit positive und negative Einflussfaktoren. Auf der positiven Seite stehen insbesondere die weiter verbesserten Ergebnisse von Unternehmensbefragungen, in denen nicht zuletzt eine sehr solide Auftragslage zum Ausdruck kommt. Erfreulich ist zugleich, dass sich mit der höheren gesamtwirtschaftlichen Produktion die Situation auf den Arbeitsmärkten weiter entspannt hat. Für sich genommen lassen diese Tendenzen auf ein breiter angelegtes Wachstum hoffen. Allerdings steht ihnen inzwischen ein ganzes Bündel negativer angebots- und nachfrageseitiger Faktoren gegenüber, die in der Summe ein nicht unerhebliches Risiko für die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung darstellen. Zu nennen sind insbesondere ein möglicher weiterer Ölpreisschub, die Verschlechterung des Preisklimas in den Emerging Markets (insbesondere in China), die Notwendigkeit der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte im Euro-Raum, aber auch in den USA und die Auswirkungen des Erdbebens in Japan.

Trotz dieser Risiken sind die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft auch über das Jahr 2011 hinaus recht positiv. Die staatlichen Konsolidierungsmaßnahmen und die beginnende Kurskorrektur der Geldpolitik werden die konjunkturelle Dynamik nur wenig dämpfen. Insbesondere wegen einer geringeren Dynamik beim Welthandel und der hohen Rohstoffpreise dürfte das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2012 aber geringer ausfallen als in diesem Jahr. „Wir rechnen 2012 noch mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,7 Prozent. Die Besserungstendenz am Arbeitsmarkt könnte sich dennoch fortsetzen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte Ende 2012 auf etwa 2,5 Millionen Personen sinken“, sagte Heise.

Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte dürften 2011 um 3,4 Prozent und 2012 um 3,2 Prozent zunehmen. Angesichts des Kaufkraftverlusts durch den zu erwartenden Preisauftrieb von 2,2 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im nächsten Jahr ergibt sich ein Realeinkommenszuwachs 2011 von 1,2 Prozent und 2012 von 1,4 Prozent. Trotz steigender Energiepreise befindet sich die Kaufbereitschaft auf einem hohen Niveau. Bei der Sparquote erwartet die Allianz 2011 und 2012 allerdings allenfalls einen leichten Rückgang. Steigende Zinsen erhöhen in der Tendenz die Sparneigung. Der private Verbrauch in realer Rechnung dürfte 2011 um 1,5 Prozent zunehmen. Im Jahr 2012 prognostiziert die Allianz einen weiteren Anstieg um 1,2 Prozent. Damit könnte sich der private Verbrauch zu einer Stütze der Binnenkonjunktur entwickeln.

In diesem Jahr dürfte sich die Neuverschuldung kräftig reduzieren. Zum einem setzt sich der Aufschwung fort und führt zu einem kräftigen Zuwachs bei den Steuereinnahmen. Zudem sinken wegen der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt die staatlichen Transferleistungen. Zusammen mit dem im „Zukunftspaket“ vom Sommer 2010 beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen sinkt die Neuverschuldung von 82 Mrd. EUR. im vergangenen Jahr auf rund 50 Mrd. EUR in diesem Jahr. Gemessen am BIP beträgt das Staatsdefizit voraussichtlich nur noch 1,9 Prozent. „Deutschland würde damit früher als im EU-Defizitverfahren gefordert das Maastricht-Kriterium zur Neuverschuldung wieder einhalten. Auch im Hinblick auf die nationale Schuldenbremse, die ab Mitte des Jahrzehnts weitgehend ausgeglichene Staatsfinanzen fordert, sind die Fortschritte offensichtlich größer als bisher geplant. 2012 wird das Staatsdefizit voraussichtlich weiter auf nur noch 1,0 Prozent gemessen am BIP fallen. Der finanzpolitische Spielraum für Steuersenkungen sollte sich damit deutlich erhöhen“, sagte Heise.

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