Globale Versicherungsmärkte - Aktueller Stand und Ausblick bis 2027

In ihrer jüngsten Studie analysieren die Ökonomen der Allianz SE die Wachstumschancen der globalen Sach- und Lebensversicherungsmärkte. Nach den mageren Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise können die Versicherer wieder mit mehr Zuversicht nach vorne schauen: Wuchsen die Versicherungsprämien seit dem Jahr 2008 weltweit im Durchschnitt nur mit 3,1 Prozent pro Jahr, dürfte sich das Wachstum in der nächsten Dekade auf 5,9 Prozent beschleunigen. In diesem Aufschwung spiegelt sich in erster Linie die Rückkehr der Weltwirtschaft zu normalen Wachstums- und Inflationsraten wider. Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Entwicklung in den Industrieländern, nicht zuletzt in Westeuropa: Während hier seit Lehman die Versicherungsmärkte mehr oder weniger stagnierten, werden in Zukunft die Prämien wieder mit durchschnittlich knapp 3 Prozent pro Jahr zulegen; in Deutschland dürfte die Entwicklung mit 2,8 Prozent sehr ähnlich verlaufen.

„Die lange Durststrecke der Krisenjahre liegt jetzt hinter uns“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE. „Vor allem in Westeuropa blicken viele Märkte auf ein verlorenes Jahrzehnt zurück, sie sind heute kleiner als vor der Krise. Allerdings werden auch in Zukunft die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Vor allem in den Industrieländern dürfte das Wachstum der Versicherungsmärkte auch in den nächsten Jahren der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung hinterherhinken. Und für die europäischen Versicherer, die in Euro bilanzieren, kommt noch ein weiterer Wermutstropfen hinzu: Mit einem wieder stärkeren Euro reduziert sich automatisch der Euro-Gegenwert der im Ausland erzielten Prämieneinnahmen – dieser Effekt könnte gut einen Prozentpunkt des Wachstums im Jahr ausmachen.“

 

In den nächsten zehn Jahren wird nicht nur das Wachstum wieder kräftiger ausfallen, sondern auch die Gewichte zwischen den Segmenten Sach und Leben werden sich wieder verschieben. In der Krise zeigten sich vor allem die Sachversicherungsmärkte robuster, sie legten seit 2008 weltweit um durchschnittlich 3,8 Prozent pro Jahr zu – im Bereich Leben betrug das Wachstum im selben Zeitraum nur 2,8 Prozent. Besonders ausgeprägt war diese Diskrepanz wiederum in Westeuropa: Während die Prämien im Lebensversicherungsgeschäft zurückgingen (durchschnittlich um 0,5 Prozent pro Jahr), konnte das Sachgeschäft noch ein Plus von 1,2 Prozent verzeichnen. In Deutschland konnte das Segment Leben zwar noch zulegen (+1,5 Prozent pro Jahr), aber das Sachgeschäft wuchs in diesem Zeitraum mit 1,8 Prozent deutlich schneller. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Neben stagnierenden Einkommen und hoher Arbeitslosigkeit waren es vor allem die extrem niedrigen Zinsen, die die Nachfrage nach Lebensversicherungen dämpften; klassische Sparprodukte waren in diesem Umfeld nicht mehr attraktiv.

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