Economic ResearchPublikationenResearch PapersFinanzmärkteDas Nettozinseinkommen der Privaten Haushalte

Das Nettozinseinkommen der Privaten Haushalte

Service & Kontakte

Dr. Lorenz Weimann

Allianz SE
Tel. +49.69.24431-3737
Fax +49.69.24431-6791

E-Mail senden

Wir informieren Sie zeitnah über News und Termine der Allianz Gruppe.

Abonnieren

Folgen Sie uns auf Twitter.

Mehr

  • Kontakt

  • Newsletter

  • Social Media

Im Sommer 2017 überraschte die EZB mit Berechnungen zum Nettozinseinkommen der Haushalte in verschiedenen Euroländern. Danach wären die Einkommenseffekte der Niedrigzinsen generell niedrig (maximal bis 2% des BIP) und in Deutschland sogar zu vernachlässigen. Ein Muster bei den Effekten – eher positiv für den (verschuldeten) „Süden“, eher negativ für den (sparsamen) „Norden“ – ließe sich auch nicht erkennen.

Allianz SE
München, 22.02.2018

Diese Ergebnisse erklären sich vornehmlich mit den der Berechnung zugrundeliegenden Annahmen: Zum einen verwendet die EZB Zinsen nach FISIM, d.h. nach Zurechnung der unterstellten Bankdienstleistungen; dies hat einen dämpfenden Einfluss auf die Veränderungen der Nettozinseinkommen. Zum anderen abstrahiert die EZB von Bestandsänderungen, um den reinen Preiseffekt zu isolieren. Und schließlich verzichtet die EZB auch auf die Kumulierung der jährlichen Veränderungen und vergleicht lediglich Beginn und Ende der Entwicklung.

Werden diese Annahmen verändert, stellt sich die Entwicklung der Nettozinseinkommen anders dar. Ohne Berücksichtigung der impliziten Bankdienstleistungen (Zinsen vor FISIM) und unter Berücksichtigung der Bestandsveränderungen sind die Schwankungen im Nettozinseinkommen keineswegs mehr trivial.

Das Nettozinseinkommen der deutschen Haushalte hat sich beispielsweise seit 2008 um EUR 15 Mrd. reduziert; insgesamt summieren sich die jährlichen Einbußen in den Jahren der Niedrigzinsen auf knapp EUR 100 Mrd. oder 3,1 % des BIP. Deutsche Haushalte gehören damit zu den Verlierern der extremen Geldpolitik der EZB.

Die deutschen Haushalte stehen damit nicht allein da: Auch die anderen „Sparländer“ Belgien (-9,8% des BIP) und Österreich (-3%) müssen hohe Einbußen beim Nettozinseinkommen verkraften. Auf der anderen Seite stehen „Schuldnerländer“ wie Spanien (+11,2%) und Portugal (+14,1%), die kräftig profitieren können. Das übliche Narrativ der Niedrigzinsen – gut für den „Süden“, schlecht für den „Norden“ – gilt also weiterhin.

Eine Ausnahme scheint auf den ersten Blick Italien zu bilden: Auch hier sind die kumulierten Rückgänge des Nettozinseinkommens sehr hoch (-9,8% des BIP). Aber zum einen sind die italienischen Haushalte keineswegs hoch verschuldet und zum anderen zeichnet sie ein besonderes Anlageverhalten aus: Nirgendwo sonst im Euroraum finden sich so viele Anleihen in den privaten Portfolien wie in Italien. Die Korrektur dieser Vorliebe in Zeiten der Niedrigzinsen trug wesentlich zum starken Rückgang der Zinserträge bei.

Fazit: Die Ergebnisse der EZB sind stark von den sehr spezifischen Annahmen abhängig. Unter anderen, aber nicht unrealistischen Annahmen gilt weiterhin: Dauerhafte Niedrigzinsen haben gravierende Einkommenseffekte, gerade auch in Deutschland.