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Ein Zinsmodell für den Euroraum und die USA

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Mit unserem erweiterten Zinsmodell ist es uns gelungen, Erklärungsansätze für die Leitzinsen, Geldmarktsätze und Langfristzinsen im Euroraum und den USA mit einer hohen Anpassung an die tatsächliche Entwicklung zu formulieren.

Allianz SE
München, 16.11.2016

Hier die wichtigsten Ergebnisse:

  • Neue Normalität der Fed: Das Verhaltensmuster der US-Notenbank hat sich im Zuge der Finanzmarktkrise deutlich verändert. Wahrscheinlich unterstellt sie heute einen erheblich niedrigeren natürlichen Zins als vor der Krise. Würde das Reaktionsmuster, wie wir es für den Zeitraum 1990 bis 2008 ermittelt haben, weiterhin gelten, läge der US-Leitzins aktuell bei rund 3,5%.

  • Bruch in der EZB-Politik: Die EZB hat mit Beginn von QE ihr relativ stabiles Verhaltensmuster in der Zinspolitik zugunsten eines noch expansiveren Verhaltens verändert. Während das zinspolitische Reaktionsmuster der EZB ab dem Jahr 2000 durch die Inflationsentwicklung und die Produktionslücke recht gut nachvollzogen werden konnte, sind Leitzinsen von Null angesichts der annähernd normalen Kapazitätsauslastung und der zu erwartenden anziehenden Inflation zukünftig kaum noch zu erklären.

  • QE-Effekt auf Langfristzinsen signifikant, aber nicht einheitlich: Der Einfluss des Quantitative Easing von 2009 bis 2013 auf den US-Langfristzins war nicht einheitlich und anfänglich sogar eher zinssteigernd. Bis vor kurzem waren überdies niedrige Inflationserwartungen für den Rückgang der US-Langfristzinsen verantwortlich. Im Euroraum haben die unkonventionellen Maßnahmen der EZB für das Renditeniveau eine spürbare Rolle gespielt. Die Anleihekäufe der EZB haben die Rendite zehnjähriger Anleihen geschätzt um fast 60 Basispunkte gesenkt.

  • Jetzige Verhaltensmuster könnten Mini-Zinsen auf längere Sicht bedeuten: Behält die Fed ihr jetziges Verhaltensmuster bei, dürfte sie unter plausibel erscheinenden Annahmen die Fed Funds Rate bis Ende 2018 nur sehr moderat auf 1% erhöhen. Die US-Langfristzinsen steigen auf 2,6% Ende 2018. Die deutschen Langfristzinsen erreichen auch Ende 2018 lediglich ein Niveau von rund 1,5%.

  • Notenbanken haben Normalisierungstempo in der Hand: Sollten die Fed und die EZB eine raschere Abkehr von ihrem sehr expansiven Kurs vollziehen, wäre der Renditeauftrieb am Anleihemarkt gemäß unserer Berechnungen deutlich stärker. Die früheren Verhaltensmuster würden bis Ende 2018 ein Anheben des Leitzins auf annähernd 3% in den USA und über 2% im Euroraum rechtfertigen. In diesem Alternativszenario steigt der US-Langfristzins auf 3,2% und der deutsche Langfristzins auf 2,2% bis Ende 2018.