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Euro Monitor 2012

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Der Allianz Euro Monitor misst in 14 Indikatoren die makroökonomischen Ungleichgewichte in der Eurozone. Wirft man einen Blick auf die Resultate des Euro Monitors für 2012, so zeigt sich vor allem bei den Peripherie-Ländern ein ermutigendes Bild: „Griechenland, Spanien und Portugal haben sich neben Belgien als einzige Länder innerhalb der Eurozone in ihrem Gesamtwert gegenüber dem Vorjahr verbessert“, erklärte Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE. „Die Ergebnisse zeigen: Reformen brauchen Zeit, die ‚Problemländer’ sind aber auf einem guten Weg. Daher erwarten wir eine allmähliche Stabilisierung der Konjunktur im kommenden Jahr“, so Heise.

Allianz SE
Munich, 26.11.2012

Wenn man einen Blick auf die Reformanstrengungen in den Peripherieländern wirft, ist festzuhalten, dass die derzeitige wirtschaftliche Schwäche mögliche positive Resultate überdeckt. Die weitreichenden strukturellen Reformen brauchen Zeit, um sich in ihrer gesamten Wirkung zu entfalten. Dazu zählen Indikatoren wie das Defizit der öffentlichen Haushalte, Lohnstückkosten, Inlandsnachfrage und Arbeitsproduktivität. Der aktuelle Euro Monitor zeigt, dass sich die Euroländer in einem herausfordernden Prozess befinden, um zur Gesundung der wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb der Eurozone beizutragen. Die einzigen Staaten, die ihren Gesamtwert verbessern konnten, waren Belgien (5,9), Spanien (5,0), Portugal (4,1) und Griechenland (3,4). Griechenland hat es dabei geschafft, sich – ausgehend von einem niedrigen Niveau – stärker zu verbessern als jedes andere Land der Eurozone. So hat sich Griechenland durch einen Rückgang bei den Lohnstückkosten verbessert. Ebenfalls eine Verbesserung zeigt der Verschuldungsgrad des privaten Sektors. „Insgesamt gibt es in Griechenland Fortschritte, die in der öffentlichen Diskussion übersehen werden“, sagte Heise. Portugal hat seinen Wert von 3,7 im Jahr 2011 auf 4,1 gesteigert und damit den besten Wert seit 2008 erreicht. Fortschritte in Portugal wurden in den Bereichen „Wettbewerbsfähigkeit“ und „Private und Auslandsverschuldung“ erreicht. Auch die Lohnstückkosten sowie die Budgetsituation sind in einer positiven Verfassung. Spanien, das gegenüber dem Vorjahr einen Platz gutmachte und dessen Gesamtwert von 4,6 auf 5,0 zulegte, konnte bei fünf Indikatoren zulegen. Neues Schlusslicht der Rangliste ist erstmals Zypern, das in drei von vier Kategorien deutliche Verschlechterungen im Vergleich zum Vorjahr aufweist und sich auch beim Gesamtwert von 3,6 im Vorjahr auf einen Wert von 3,0 verschlechterte.

Erneut erhält kein einziger Staat eine sehr gute Bewertung (über 8) für die Ausgewogenheit des Wachstums. An der Spitze liegt nach wie vor Deutschland (7,7), vor Österreich und Luxemburg (7,0). Deutschland konnte dabei, ebenso wie Irland und Frankreich, dem schwierigen Umfeld trotzen und sein Rating auf dem Niveau des Vorjahres halten, und erreichte in 6 der 14 Indikatoren den höchsten Wert, am besten schnitt Deutschland in der Kategorie „Private Verschuldung und Auslandsvermögensposition“ ab. In Sachen Arbeitsproduktivität verzeichnete Deutschland hingegen innerhalb der letzten fünf Jahre einen Rückgang um durchschnittlich 0,1 Prozent. Frankreich (5,6) kletterte un einen Platz auf Rang 9, Italien (4,5) büßte einen Rang ein und liegt nun auf Rang 13. Der größte Sprung nach vorn gelang Belgien (5,9), das vier Plätze gutmachte und aktuell auf Platz 5 liegt. Finnland (5,8) hingegen rutschte um drei Plätze ab und liegt aktuell auf Platz 8.

Innerhalb von jenen zehn Ländern, die sich in ihrem Rating gegenüber dem Vorjahr verschlechterten, befinden sich kleinere EWU-Staaten des Nordens, wie Luxemburg, Finnland und die Niederlande. Für die Zukunft könnten diese Länder, ebenso wie Deutschland und Frankreich, unter stärkeren Druck der Finanzmärkte geraten, um die strukturellen Reformbemühungen der Krisenstaaten weiter voranzutreiben.

 Wirft man einen Blick auf Detailergebnisse, so sind insgesamt die schwächsten Indikatoren „Inlandsnachfrage“ und „Arbeitslosenrate“. Hier zeigt sich noch der dominierende Einfluss der staatlichen Sparzwänge und des privaten Schuldenabbaus auf die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen. Es ist nach wie vor eine schwierige Aufgabe, die richtige Balance zu finden, um den Teufelskreis aus Konsolidierungsmaßnahmen und einer schrumpfenden Wirtschaft zu durchbrechen. Sparmaßnahmen alleine werden nicht ausreichen, um die angeschlagenen Volkswirtschaften der EU wieder auf Kurs zu bringen. „Entscheidend ist, dass die Regierungen konsequent und nachhaltig ihren eingeschlagenen Weg fortsetzen. Vor uns liegt nach wie vor ein holpriger Weg. Aber wir sehen auch, dass die strukturellen Weichenstellungen der vergangenen Monate in der Eurozone bereits Früchte tragen“, sagte Heise.

Positiv hervorzuheben ist der Schuldenabbau der privaten Haushalte und Unternehmen. Haushalte haben aus Vorsicht ihre Sparanstrengungen erhöht, auf Seite der Unternehmen führen das vermehrte Einbehalten von Gewinnen und damit eine Stärkung der Kapitalbasis sowie strengere Kreditstandards zu sinkenden Verschuldungsquoten. Für die Zukunft sollte daher der private Sektor weniger verwundbar gegenüber Entwicklungen der Zinsen und negativen Kreditrisiko-Bewertungen der Marktteilnehmer sein. Auch die externen Ungleichheiten schrumpfen weiter: Alle Staaten mit einem Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2011 haben 2012 die Weichen auf Konsolidierung gestellt, mit Ausnahme von Finnland, dessen Defizit aber nicht allzu hoch ist.

 EU-Reform: klare Zielvorgaben notwendig

Ein detaillierter Fahrplan mit Terminvorgaben zur EU-Reform soll bereits zum EU-Gipfel feststehen – vor den nächsten wichtigen Entscheidungen auf politischer Ebene sieht Heise Fortschritte bei der Bewältigung der Herausforderungen. „Wir sehen die Entwicklungen nicht so skeptisch – es gibt Fortschritte, die Euroländer sind auf dem guten Weg zu stärkerer Integration. Die Politik hat im Kampf um den Euro die Initiative zurück gewonnen. Handlungsfähigkeit mit klaren Zielvorgaben bleibt auch weiterhin das Gebot der Stunde“, so Heise. „Wir gehen davon aus, dass vor allem die politischen Fortschritte hin zu mehr europäischer Integration und die fortschreitende außenwirtschaftliche Anpassung in den Problemländern zu einem allmählichen Abebben der Schuldenkrise beitragen“, erklärte Heise. Die Schritte der letzten Wochen geben Grund zur Zuversicht: Die Bankenaufsicht ist Teil der geplanten Bankenunion für das Euro-Währungsgebiet und Voraussetzung dafür, dass der kürzlich in Kraft getretene permanente Rettungsschirm ESM angeschlagene Banken direkt rekapitalisieren darf – ein Schritt, der die Negativspirale zwischen Bankenkrise und steigender Staatsverschuldung durchbrechen dürfte.

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