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Konjunkturprognose 2016

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Weltwirtschaft stabiler, kräftige Binnenwirtschaft in Deutschland

Die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Ländern und Regionen ist bis in den Herbst dieses Jahres uneinheitlich geblieben. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE: „Nach unserer Einschätzung wird die globale Wirtschaftsaktivität in diesem Jahr erneut nur mäßig expandieren und mit einer Zuwachsrate von 2,4% die des Vorjahres vermutlich sogar knapp unterschreiten. Einem etwas höheren Wachstumstempo im Aggregat der Industrieländer, das wesentlich von der fortschreitenden Erholung im Euroraum profitiert, steht eine weitere und klare Wachstumsverlangsamung in den Schwellenländern gegenüber.“

Allianz SE
München, 28.10.2015
Der anhaltende Rückgang der Wirtschaftsleistung in Brasilien und in Russland trägt dazu bei. Überdies strahlt das verlangsamte Wachstum des Industriesektors in China angesichts der Bedeutung des Landes als Absatzmarkt und Rohstoffkonsument auf die Entwicklung in anderen Schwellenländern aus. Mit dem Rohstoffpreisverfall, dem maßgeblich auch ein in den letzten Jahren ausgeweitetes Angebot zugrunde liegt, sowie der Unsicherheit über Zeit-punkt und Geschwindigkeit einer Normalisierung der US-Geldpolitik ist es zu erheblichen Verschiebungen in den Wechselkursrelationen gekommen. Wir nehmen an, dass die Schwäche in einigen großen Schwellenländern nur vorübergehend ist, und dass sich die konjunkturelle Lage in diesen Ländern im Laufe des nächsten Jahres wieder festigt. „Die globale Wirtschaftsaktivität und der Welthandel werden aber auch im kommenden Jahr nicht an frühere Trends anknüpfen können“, so Heise. Unsicherheit über den weiteren Konjunktur-verlauf wird bestehen bleiben.

Konjunkturimpulse durch Zuwanderung, aber schwierige Arbeitsmarktintegration

Die deutsche Wirtschaft wächst derzeit recht stetig, obwohl sehr unterschiedliche konjunktu-relle Impulse im laufenden Jahr auf sie einwirken. Der Rückgang der Rohstoffpreise führt zu erheblichen Kaufkraftgewinnen, ist gleichzeitig aber auch Folge einer mäßigen weltwirt-schaftlichen Entwicklung. Die wirtschaftliche Schwäche einer Reihe bedeutender Schwellen-länder dämpft den deutschen Export und damit die Industriekonjunktur. Gleichzeitig ist die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exporteure durch den im Vergleich zu früheren Jahren relativ niedrigen Außenwert des Euro gestärkt, wobei sich die Vorteile in den letzten Monaten aber wieder etwas vermindert haben.

Die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen der hohen Flüchtlingszuwanderung sind noch sehr schwer abzuschätzen. Klar ist aber, dass in 2015 und 2016 aufgrund der zusätzlichen staatlichen Ausgaben für Unterbringung, Versorgung und Betreuung nennenswerte Nachfrageimpulse entstehen werden. „Die durch die staatlichen Mehrausgaben bewirkten Konjunkturimpulse sind aber nicht der entscheidende Aspekt“, so Heise. Entscheidend ist, ob eine möglichst schnelle Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt gelingt. „Darauf müs-sen alle Anstrengungen gerichtet sein mit dem Ziel, die Beschäftigungsquote der Flüchtlinge schnell zu steigern und ihnen durch Qualifizierungsmaßnahmen auch einen beruflichen Auf-stieg aus anfänglichen Niedriglohnjobs zu ermöglichen.“ Nur dann wird eine längerfristige Belastung für den Staat und die Sozialkassen zu vermeiden sein.

Das deutsche Wirtschaftswachstum dürfte sich im zweiten Halbjahr 2015 infolge der welt-wirtschaftlichen Schwäche leicht verringern. Im Jahresdurchschnitt 2015 ist daher nur noch ein Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,7% zu erwarten. Im nächsten Jahr beste-hen aber gute Chancen auf eine moderate Beschleunigung der Konjunktur. Von staatlicher Seite gehen expansive Impulse auf die Konjunktur in einer Größenordnung von 0,6% des BIP aus, wobei rund die Hälfte auf den Flüchtlingszustrom zurückzuführen ist. Wir gehen davon aus, dass die Flüchtlingsmigration das Wirtschaftswachstum 2016 um 0,3 Prozentpunkte erhöht. Im Jahresdurchschnitt 2016 wird die deutsche Wirtschaft voraussichtlich um 2,0% wachsen.