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Konjunktur: Holprige Erholung und volatile Finanzmärkte

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Zu Jahresanfang waren die Aussichten, dass die globale Wirtschaft 2015 deutlich stärker wachsen würde als 2014, recht günstig. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE: „Durch den holprigen konjunkturellen Start ins Jahr hat sich dies inzwischen aber geändert. Nach unseren aktuellen Schätzungen steigt die globale Wertschöpfung 2015 um 2,6% und damit nur geringfügig stärker als 2014 (2,5%).“

Allianz SE
München, 02.06.2015
Die US-Wirtschaft, die zu alter Stärke zurückzukehren schien, hat im ersten Quartal 2015 stagniert. Große Schwellenländer zeigen Schwäche wie China oder befinden sich gar in der Rezession wie Brasilien und Russland. Wirtschaftliche Rahmendaten wie der Ölpreis haben sich in den letzten Monaten überraschend deutlich korrigiert. So ist der Ölpreis, der im Januar dieses Jahres einen Tiefpunkt hatte, seither wieder zügig angestiegen. Hohe Kaufkraftge-winne, die der niedrige Ölpreis den energieimportierenden Industrie- und Schwellenländern brachte, schmelzen zumindest teilweise wieder dahin. Der Euroraum, dessen Wachstum sich im ersten Quartal zwar leicht beschleunigte, verzeichnete in seiner größten Volkswirtschaft Deutschland aber eine geringere wirtschaftliche Dynamik.


Deutsche Wirtschaft: Aufschwung mit Schönheitsfehlern

Die deutsche Wirtschaft dürfte nach dem enttäuschenden Wachstum von nur 0,3% im ersten Quartal 2015 im weiteren Verlauf des Jahres wieder besser vorankommen. Die Verlangsa-mung im ersten Quartal ist im Wesentlichen auf einen deutlichen Lagerabbau zurückzufüh-ren, der sich im weiteren Jahresverlauf nicht wiederholen dürfte. Alle wichtigen Nachfrage-komponenten – Verbrauch, Ausrüstungen, Bauten und Ausfuhr – werden im Verlauf des Jah-res voraussichtlich aufwärtsgerichtet bleiben. Den mit Abstand größten Wachstumsbeitrag liefert 2015 der private Verbrauch. „Ein Wirtschaftswachstum von rund 2% im Jahresdurch-schnitt 2015 ist nach wie vor in Reichweite. Allerdings zeigen sich auch einige Kratzer im Lack“, sagte Michael Heise. Die Auswirkungen des Mindestlohns auf die Beschäftigung sind gesamtwirtschaftlich spürbar. Zudem entzieht der wieder stärkere Preisauftrieb infolge des anziehenden Ölpreises und der Lohnkostensteigerungen den Haushalten einen Teil der er-langten Kaufkraftgewinne. Auch dürfte die gestiegene Streikanfälligkeit kein Beitrag zur At-traktivität Deutschlands als Investitionsstandort sein. Alles in allem erwarten wir deshalb, dass sich die wirtschaftliche Dynamik im nächsten Jahr allmählich wieder etwas vermindert und die deutsche Wirtschaft 2016 nur noch mit 1,6% wächst.


Schwankungen an den Finanzmärkten werden anhalten

Das Ausmaß des Kursrückschlags am Rentenmarkt von April/Mai kann angesichts eines übertriebenen Bewertungsniveaus als normale Korrektur angesehen werden. Allerdings war das Tempo der Anpassung bedenklich und weist auf eine extreme Volatilität in den Märkten hin.

Die Volatilität an den Rentenmärkten dürfte sich auch auf die Aktienmärkte übertragen. Ent-scheidend für die Grundtendenz an den Aktienmärkten wird aber sein, wie sich die Konjunktur fortentwickelt. Und hier besteht für den Euroraum trotz der Probleme mit Griechenland durchaus Grund für Zuversicht. Die Gewinne der europäischen Kapitalgesellschaften sollten 2015 recht kräftig steigen. Drei Effekte kommen dabei zusammen: die konjunkturell bedingte Ausweitung der Absatzmengen, die Gewinnmargenausweitung durch die Verbesserung der „Terms-of-trade“ (Verhältnis der Exportpreise zu Importpreisen) und die wechselkursbedingt höhere Bewertung von außerhalb des Euroraums erzielten Gewinnen. Heise „Der liquiditäts-getriebene Aufschwung an den europäischen Aktienmärkten dürfte zumindest teilweise in einen konjunkturgetriebenen Aufschwung münden. Wir rechnen im Verlauf dieses Jahres durchaus noch mit einem Kurspotential der wichtigsten europäischen Aktienindizes von etwa 10%.“