EWU

Grünes Licht für EZB-Exit von der Kreditseite

Die ultra-lockere Geldpolitik ist nicht nur unpassend angesichts der günstigen Konjunkturentwicklung im Euroraum, auch die heutigen Ergebnisse des Bank Lending Survey sprechen für eine Normalisierung der Geldpolitik. Da sich der Euro-Wechselkurs und EWU-Rentenmarkt schon gegenüber kleinen Anpassungen der EZB-Kommunikation sensitiv zeigen, wird der Rat weiter auf einen behutsamen Kurswechsel bedacht sein und es sind an diesem Donnerstag keine großen Änderungen zu erwarten.

Die heute veröffentlichten Ergebnisse des Bank Lending Survey zeugen durchweg von guten Bedingungen für die Kreditvergabe: Für Unternehmen haben die Banken ihre Kreditstandards im zweiten Quartal weiter gelockert (sie bleiben deutlich unter dem historischen Durchschnitt), für das laufende Quartal wird eine erneute Lockerung erwartet. Die Kreditnachfrage der Unternehmen ist weiter gestiegen und die Banken rechnen mit einem fortgesetzten Anstieg. Auch für private Haushalte wurden die Kreditvergabestandards zur Baufinanzierung in Q2 erneut gelockert, für Q3 wird mit einem Anhalten dieser Entwicklung gerechnet. Die Nachfrage nach privaten Baukrediten hat zugenommen und dies dürfte nach Einschätzung der Banken im laufenden Quartal nochmals der Fall sein.

Damit gehen von der Kreditseite positive Signale für einen baldigen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik aus. Im Lichte der guten Konjunktur im Euroraum ist der Exit ohnehin überfällig. Allerdings sind der EUR/USD-Wechselkurs und die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen seit EZB-Präsident Draghis Äußerungen in Sintra deutlich angestiegen. Nach unseren Berechnungen beträgt der renditesenkende Effekt des Anleihekaufprogramms auf die deutschen Langfristzinsen etwa 80 Basispunkte. Alleine deshalb ist mit einer weiteren Aufwärtsbewegung der Renditen zu rechnen. Diese wird aber erstens dadurch abgefedert, dass die EZB ihre Präsenz im Markt auf keinen Fall abrupt zurückfahren wird und zweitens durch die Kommunikation der Zentralbank.

Die Gratwanderung des EZB-Rats besteht darin, einerseits Entscheidungen nicht zu lange aufzuschieben (um nicht „behind the curve“ zu sein), andererseits gilt es aber die Erwartungen so zu steuern (und nicht zu überraschen), dass keine  Finanzmarktturbulenzen auftreten. Es ist wahrscheinlich, dass die EZB an diesem Donnerstag ihre Lockerungsneigung bezüglich QE aufgibt (wie laut Protokoll schon in der letzten Ratssitzung erwogen). Doch das zentrale Anliegen wird sein, die Erwartungen auf die September-Sitzung zu lenken. Mit den neuen Projektionen erwarten wir dann die Ankündigung, dass die monatlichen Anleihekäufe ab Januar auf 40 oder sogar 30 Mrd. EUR reduziert werden. Bezüglich des weiteren Tapering-Rhythmus wird sich die EZB unseres Erachtens möglichst lange Flexibilität bewahren, wir rechnen aber damit, dass das Tapering Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein wird

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