EWU

Zwei vor dem Komma nur vorübergehend, doch die EZB sollte umschalten

Der aktuelle Preisanstieg ist zwar durch Sondereffekte bedingt, wir sehen höhere Inflationsraten im Euroraum aber als nachhaltig an. Die Diskussion um „tapering“ bzw. „recalibration“ lässt sich kaum noch verschieben. Eine baldige Anhebung des Einlagensatzes in den weniger negativen Bereich ist wünschenswert.

Die Inflationsrate des Euroraums ist der heutigen Schnellschätzung für Februar zufolge auf 2,0% gestiegen. Im Januar verzeichnete keines der EWU-Länder mehr Inflationsraten unter Null. Dabei spielen hauptsächlich Energiepreise und die Komponente unverarbeiteter Lebensmittel eine Rolle. Die Kerninflation (ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel) verharrte bei 0,9% Vorjahresabstand. Unseres Erachtens ist bei der Gesamtinflationsrate nun zwar die Spitze erreicht und ab Mai dürfte der Preisanstieg im Vorjahresvergleich tendenziell etwas geringer ausfallen. Doch mit unserer Prognose von 1,7% Teuerungsrate im Euroraum  für dieses und für nächstes Jahr sehen wir das EZB-Ziel als annähernd erreicht an – auf jeden Fall gibt es keinerlei Grund mehr, den aktuellen geldpolitischen Kurs beizubehalten,  der zur Deflationsbekämpfung diente.

In der EZB-Pressekonferenz am kommenden Donnerstag wird die Projektion für die diesjährige EWU-Inflationsrate von bisher 1,3% spürbar angehoben werden. Zu wünschen wäre, dass die EZB sich zugleich in ihrer Kommunikation die Flexibilität schafft, ihre Anleihekäufe gegebenenfalls schneller als derzeit geplant zurückzuführen. Unsicherheit verbunden mit dem europäischen Wahlkalender hin oder her – die Diskussion über „tapering“ bzw. „recalibration“ sollte nicht länger vertagt werden (auch angesichts der Vorlaufzeit für das tatsächliche Handeln). Außerdem wäre eine baldige Anhebung des Einlagensatzes in den weniger negativen Bereich ein wichtiges Signal an die Banken. Ein solcher Schritt stünde nach unserer Meinung nicht im Widerspruch zu den Äußerungen von EZB-Vertretern, erst aus QE auszusteigen, bevor Leitzinserhöhungen in Frage kommen. Denn der zentrale Leitzins könnte in einem ersten Schritt noch bei Null bleiben und selbst dessen „technische Anhebung“, um den Einlagensatz auf Null zu bringen, wäre etwas anderes als der Beginn eines Leitzinserhöhungszyklus.

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Claudia Broyer

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