Die beschlossenen Maßnahmen reichen nicht für 3 Billionen Euro

Der heutige zielgerichtete Langfristtender mit Bindung an Kreditvergabe wurde mit 129,84 Mrd. EUR in Anspruch genommen gegenüber 82,6 Mrd. EUR beim ersten Vierjahrestender. Der Nettoeffekt auf die EZB-Bilanzsumme bleibt abzuwarten. Nach unserer Ansicht wird der Druck auf die EZB zunehmen, weitere Maßnahmen anzukündigen, um der „Intention“ einer Bilanzsummenausweitung auf 3 Billionen Euro zu entsprechen.

Mithin wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB Staatsanleihekäufe im großen Stil tätigt. Unseres Erachtens spricht zu viel gegen einen solchen Schritt: Erstens ist Bilanzsteuerung für eine Notenbank kein Ziel an sich – zumal die  EZB-Bilanzsumme erheblich von der Liquiditätsnachfrage der Banken abhängt. Zweitens bestehen derzeit keine Deflationstendenzen, die ein solches Bondprogramm rechtfertigen könnten. Ohne die notwendigen Anpassungsprozesse in den Peripherieländern und den ökonomisch willkommenen Ölpreisrückgang läge die aktuelle Inflationsrate um knapp einen Prozentpunkt höher, als dies der Fall ist. Drittens ist das Renditeniveau bereits niedrig und massive Staatsanleihekäufe würden die Jagd nach Rendite sowie die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten weiter erhöhen, während Sparanreize für Altersvorsorge weiter vermindert würden. Die konjunkturelle Wirkung der Wertpapierkäufe liefe weitgehend über den Wechselkurskanal, was mit dem Risiko eines Überschießens der Euroabwertung einhergeht.

Sowohl bei den beschlossenen Maßnahmen als auch hinsichtlich weiteren Quantitative Easings ist zu bedenken, dass der negative Einlagensatz kontraproduktiv wirkt, da er Liquiditätshaltung der Banken unattraktiv macht. Insofern würde eine technische Leitzinsanhebung die Bilanzsummenausweitung erleichtern, dies dürfte aber nicht als geldpolitisches Signal missverstanden werden. Insgesamt bleibt zu hoffen, dass die Konjunkturerholung im Euroraum – getrieben von Ölpreis- und Wechselkursentwicklung – möglichst schnell in Fahrt kommt, um die  EZB von ihrer „Intention“ abzubringen, die Bilanzsumme auf Krisenniveau hochzuschrauben.

Dr. Michael Heise

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