Keine Erholung zu Jahresbeginn

Unsere Rezessionssorgen um die italienische Wirtschaft haben sich bestätigt: Nach einem Rückgang von 0,1% Q/Q in Q3 2018 ist die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2018 nochmals leicht um 0,2% Q/Q gesunken. Neben externen Faktoren wie erhöhten politischen Risiken (insbesondere rund um den globalen Handel und Brexit) und einer abnehmenden globalen Konjunkturdynamik hat im Jahr 2018 vor allem die Unsicherheit über den fiskalpolitischen Kurs der italienischen Regierung und die damit einhergegangenen steigenden Zinssätze die Binnennachfrage belastet.

 

Auch 2019 dürfte die italienische Konjunktur unter Druck bleiben. Aus dem Ausland sind allenfalls moderate positive Impulse zu erwarten und die Binnen-nachfrage steht und fällt mit dem wirtschaftspolitischen Kurs der italienischen Regierung. Bezüglich letzterem gehen wir davon aus, dass der Streit um die italienische Haushaltspolitik im Laufe der kommenden Monate wieder aufflammen wird. Zwar hat die populistische Koalition in Rom im Budgetstreit mit der EU Ende 2018 eingelenkt – nicht zuletzt wegen erhöhtem Marktdruck – und mit einer Absenkung ihres Budgetziels für 2019 die Einleitung eines Defizitverfahrens abwenden können, doch dürfte dies kaum das Ende vom Lied sein. Schließlich wurde ein Großteil der Einsparungen im Haushalt 2019 nur durch die Verschiebung der Finanzierung von Schlüssel-Wahlversprechen ins Jahr 2020 realisiert. Um einer erneuten Konfrontation mit der EU aus dem Weg zu gehen, müsste die populistische Regierung diese jedoch schon bald mehr oder weniger gänzlich über Bord werfen, denn angesichts mauer Konjunkturentwicklung und unrealistischen Einnahmeprognosen etwa aus Privatisierungsvorhaben dürfte das Budgetziel von 2,04% der Wirtschaftsleistung kaum eingehalten werden. Wir prognostizieren ein Haushaltsdefizit von rund 3% des BIP für 2019. Spätestens im Herbst dürfte die EU Kommission im Zuge der Budget-planung für 2020 von Italien erneut eine fiskalpolitische Kurskorrektur fordern. Die angesichts erhöhter Unsicherheit zu erwartenden negativen Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft und den privaten Konsum dürften schwerer wiegen als etwaige positive Wachstumsimpulse ausgehend vom expansiven 2019er Budget. Eine nachhaltige Rückkehr der italienischen Wirtschaft auf Wachstumskurs ist angesichts der derzeitigen Wirtschaftspolitik, die weder die Sanierung der Staatsfinanzen noch die Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit oder ein höheres Produktivitätswachstum verfolgt, nicht gesichert. Wir halten an unserer Wachstumsprognose von 0,6% für 2019 fest.

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Katharina Utermöhl
Allianz SE