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"Trump-Effekt" beschert Sparern 27 Milliarden Euro

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Das widrige Zinsumfeld scheint den privaten Geldvermögen auf den ersten Blick nichts anhaben zu können: Auch im letzten Jahr kletterten sie mit einem Zuwachs von 4,6% auf ein neues Rekordhoch. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Der ungebrochene deutsche Spareifer – und der „Trump-Effekt“ an den Börsen, der im Schlussquartal für kräftige Bewertungsgewinne von EUR 27 Mrd. sorgte und damit einen halben Prozentpunkt zum Gesamtwachstum beitrug. Im Sparverhalten scheint zudem ein langsames Umdenken einzusetzen und sich ein gewisses Renditebewusstsein zu entwickeln: 2016 „verschenkten“ die deutschen Sparer mit ihrem liquiditätsorientierten Anlageverhalten Vermögensgewinne in Höhe von knapp EUR 30 Mrd.; in den Jahren zuvor summierte sich dieser „Verlust“ noch auf knapp EUR 50 Mrd. pro Jahr. Um die Abschaffung der Zinsen zu kompensieren, reicht dies jedoch noch nicht aus: Auch 2016 ging die Rendite der Geldvermögen weiter zurück.

Allianz SE
München, 13.04.2017
Allianz-

Obwohl die EZB im Kampf gegen die Deflation die Zinsen quasi abgeschafft hat, besitzen die Privathaushalte in Deutschland so hohe Ersparnisse wie nie zuvor: Bis zum Jahresende 2016 kletterte das in Form von Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapieren, Versicherungen und Pensionen gehaltene Vermögen auf den historischen Rekordstand von insgesamt EUR 5.586 Mrd., wie die deutsche Bundesbank heute mitteilte. Gegenüber dem Vorjahr verbuchte das private Geldvermögen einen robusten Zuwachs von 4,6%, der exakt dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre entsprach. In Pro-Kopf-Rechnung verfügten die Menschen hierzulande im Mittel über knapp EUR 67.500. Die stabile Vermögensentwicklung des vergangenen Jahres war aber nicht nur dem deutschen Spareifer geschuldet: Die mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten eingeläutete Rallye an den Aktienmärkten bescherte den Haushalten kräftige Bewertungsgewinne im Schlussquartal. Dieser „Trump-Effekt“ sorgte für Gewinne beim Aktien- und Investmentfondsvermögen von EUR 27 Mrd. und bewirkte einen zusätzlichen Wachstumsimpuls für das gesamte Geldvermögen von 0,5 Prozentpunkten.

Die als risikoavers bekannten Deutschen blieben 2016 ihrer auf Sicherheit ausgerichteten Anlagestrategie treu: Mit EUR 107 Mrd. floss mehr als die Hälfte der Ersparnisbildung auch im vergangenen Jahr zu den Banken oder wurde als Bargeld gehalten; so entfielen Ende 2016 über 39% des gesamten Vermögensstocks auf Bargeld und kaum verzinste Bankeinlagen, womit die Sparer in realer Rechnung sogar Wertverluste in Kauf nahmen. Knapp 38% ihres Vermögens hielten die Haushalte als Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen, die typischerweise als ähnlich risikoarme Vermögensklassen wahrgenommen werden.

Gleichzeitig scheint sich aber eine zarte Zuwendung zu Kapitalmarktprodukten abzuzeichnen. Insbesondere Investmentfonds erleben eine Renaissance im Portfolio: So erwarben die Deutschen allein im letzten Jahr per Saldo Fondsanteile im Wert von gut EUR 24 Mrd., nach insgesamt rund EUR 66 Mrd. in den drei Jahren zuvor. Darüber hinaus erhöhten die Sparer auch ihr Engagement in Aktien und sonstigen Anteilsrechten, die 2016 Zuflüsse von insgesamt EUR 18 Mrd. verzeichneten – immerhin rund EUR 3 Mrd. mehr als im Vorjahr. Eine deutliche Abkehr der Sparer von ihrer Vorliebe für liquide Anlagen ist aber (noch) nicht zu erkennen.

Denn trotz eines aufkeimenden Renditebewusstseins sind Wertpapiere mit einem Portfolioanteil von lediglich rund 22% nach wie vor eher untergewichtet. Die Abschaffung des Zinses konnten die Sparer auf diese Weise nur unzureichend kompensieren. Die Konsequenz: Seit 2012 ging die nominale Rendite des Geldvermögens kontinuierlich zurück, von 4,1% auf schätzungsweise 2,7% im letzten Jahr.

Dieser Verzicht auf Rendite kommt die Deutschen teuer zu stehen, wie eine einfache Simulationsrechnung zeigt. Die deutschen Haushalte haben in den letzten fünf Jahren im Mittel 38% ihres Geldvermögens mit (realem) Verlust bei Banken geparkt. Hätten die Deutschen nur 28% in Bankeinlagen gehalten und die so frei gewordenen 10% ihrer Mittel je zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds verteilt, wäre die Vermögensrendite in diesem Zeitraum um nahezu einen vollen Prozentpunkt höher ausgefallen. Die deutschen Haushalte hätten damit seit 2012 zusätzliche Vermögensgewinne von über 216 Mrd. Euro erzielen können. Immerhin sind diese „Verluste“ aber in den letzten Jahren zurückgegangen, von etwa EUR 60 Mrd. (2012) auf  noch rund EUR 30 Mrd. im letzten Jahr. Darin spiegelt sich sowohl eine etwas stärkere Renditeorientierung als auch eine – auf hohem Niveau – etwas nachlassende Aktienmarktperformance wider.

Bisher blieb die Vernachlässigung der Chancen auf dem Kapitalmarkt jedoch weitgehend unbemerkt und ohne Folgen – denn gleichzeitig verschwand auch die Inflation: In realer Rechnung lag die Vermögensrendite daher seit 2012 in der Regel zwischen 2% und 3%, vor dem Hintergrund boomender Aktienmärkte sicherlich nicht besonders hoch, aber im historischen Kontext auch nicht besonders schlecht. Mit der Rückkehr der Inflation geht diese „Glückssträhne“ der deutschen Sparer jedoch zu Ende, eine stärker renditeorientierte Geldanlage wird zur unausweichlich, wollen die Sparer verhindern, dass die Inflation ihre Sparleistungen auffrisst. 2017 wird in dieser Hinsicht zur echten Herausforderung für die Sparer.

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Kathrin Brandmeir

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Dr. Arne Holzhausen
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