Economic ResearchPublikationenSpezialthemenDes Brexit Zähmung

Des Brexit Zähmung

Service & Kontakte

Dr. Lorenz Weimann

Allianz SE
Tel. +49.69.24431-3737
Fax +49.69.24431-6791

E-Mail senden

Wir informieren Sie zeitnah über News und Termine der Allianz Gruppe.

Abonnieren

Folgen Sie uns auf Twitter.

Mehr

  • Kontakt

  • Newsletter

  • Social Media

Mit der Versendung des Rücktrittsantrags der britischen Regierung an den Europäischen Rat am 29. März begann die in Artikel 50 beschriebene Laufzeit für die zweijährige Verhandlungsfrist. Infolgedessen rechnen wir mit der Ratifizierung des EU-Austrittsvertrags in der Zeit von Herbst 2018 bis März 2019. Die Trennungsgespräche werden sich im Wesentlichen auf die noch offenen Verpflichtungen Großbritanniens und das Ende seiner Mitgliedschaft in mehreren EU-Institutionen sowie die Rechte von im Vereinigten Königreich wohnhaften EU-Bürgern bzw. in der EU angesiedelten Briten konzentrieren.

Allianz SE
Munich, 29.03.2017

Die britische Wirtschaft wird auch während der Verhandlungsperiode ihre Widerstandskraft behalten, allerdings dürften sich die Konsumausgaben aufgrund gestiegener Inflation und einer Abschwächung bei den Lohnzuwächsen verringern. Bei den Investitionen wird man möglicherweise erst einmal abwarten. Insgesamt gehen wir von einem verlangsamten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von + 1,4 % in 2017 verglichen mit + 1,8 % in 2016 und + 1,0 % in 2018 aus.

Der Zeitraum von zwei Jahren für eine Einigung sowohl bei der Austrittsverhandlung als auch dem Handelsabkommen ist unrealistisch. Wir nehmen  an, dass beide Parteien eine Übergangsregelung (Wahrscheinlichkeit von 80 %) für das Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien treffen werden, die die Lücke zwischen dem Ende der Brexit-Verhandlungen und dem finalen Freihandelsabkommen schließen soll. Die endgültige  Vereinbarung könnte 2021 nach den Parlamentswahlen im ersten Halbjahr 2020 getroffen werden. Unser Ausgangsszenario ist ein beschränktes Freihandelsabkommen, bei dem ausgewählte Bereiche von Zöllen befreit wären, während sie in anderen erhoben würden. Das jährliche BIP-Wachstum könnte sich 2021 auf + 0,3 % verlangsamen.

In Großbritannien würden sich die Auswirkungen bei den Haushalten, Unternehmen, Märkten und dem politischen Entscheidungsprozess bemerkbar machen.

Außerhalb Großbritanniens werden Investoren und Exporteure, die Geschäftsverbindungen mit GB unterhalten, die negativen Folgen des Währungsverfalls (durchschnittlich - 5 %) zu spüren bekommen, was die Binnennachfrage verlangsamen und die Zahl der Insolvenzen erhöhen dürfte (+ 5 % in 2017 und + 6 % in 2018). Wenn man sich die Handels- und Investitionsbeziehungen ansieht, sind vermutlich die Niederlande (- 1,8 Prozentpunkte vom BIP-Wachstum kumuliert in der Zeit von 2017 bis 2021 beim Ausgangszenario), Irland (-1,2 Prozentpunkte) und Belgien (-1,0 Prozentpunkte) die am stärksten betroffenen EU-Länder. Insgesamt rechnen wir mit geringfügigen Konsequenzen für das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone (- 0,4 Prozentpunkte).

Die schwindende Attraktivität der Londoner City könnte in absteigender Reihenfolge Luxemburg, Irland, den Niederlanden und Deutschland zugutekommen.

Auch ein harter Schnitt wäre immer noch denkbar, aber sehr unwahrscheinlich (Wahrscheinlichkeit 20 %). Dies könnte sich entweder darauf zurückführen lassen, dass es im Jahr 2019 noch keine Übergangsregelung gibt oder dass 2021 eine Situation wie in der WTO herrscht. In beiden Fällen würde die Störung der Handelsströme erhebliche Beeinträchtigungen für Großbritannien und die EU mit sich bringen. Alles in allem sänke das Bruttoinlandsprodukt 2019 um - 1,2 % und würde bis 2021 in der Rezession verharren. Für Exporteure in Großbritannien könnten sich die Verluste auf 30 Mrd. bei Waren und 36 Mrd. GBP bei Dienstleistungen belaufen. In der restlichen Welt könnten 2019 besonders hohe Aufwendungen für deutsche (~ 8 Mrd. EUR), niederländische (~ 4 Mrd. EUR) und französische Exporteure (~ 3 Mrd. EUR) anfallen, wenn das Pfund weitere 20 % an Wert verliert und Zölle anfallen.

Langfristig bedeutet der Brexit auch bei Abschluss eines beschränkten Freihandelsabkommens ein durchschnittliches Wachstum des britischen Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich 1,3 %, womit es unter dem Mittel von 2,0 % in der Zeit vor dem Brexit läge. Stärkerer, aber einseitiger Handel sowie währungs- und finanzpolitische Impulse hätten nur begrenzte positive Auswirkungen.