Rekord bei Tourismuseinnahmen in Deutschland

Die Fußballweltmeisterschaft 2006 hat in Deutschland für einen Tourismusboom gesorgt. Die Einnahmen aus dem Tourismus sind im Vergleich zum Vorjahr um gut 10 Prozent auf 26 Mrd. Euro gestiegen. Durch den 2007 wegfallenden WM-Effekt in Höhe von rund 1,5 Mrd. Euro werden die Einnahmen aus dem Besuch ausländischer Privat- und Geschäftsreisender in Deutschland jedoch voraussichtlich nicht an das Niveau des abgelaufenen Jahres herankommen.

Die Deutschen werden für Reisen ins Ausland 2007 voraussichtlich rund 62 Mrd. Euro (+2,5 Prozent) ausgeben. Die Mehrwertsteuererhöhung schöpft Kaufkraft ab und schmälert damit auch die Reisebudgets. Dennoch dürfte der Zuwachs wie auch in den Jahren zuvor über dem Anstieg der Konsumausgaben liegen. „Im laufenden Jahr werden unverändert Fernreisen nach Asien gefragt sein. Bei den Reisezielen Türkei und Ägypten sollte es zu einer Erholung kommen, was voraussichtlich wiederum Italien und Spanien belasten wird.

Rund zwei Drittel des Zuwachses bei den Einnahmen durch ausländische Touristen und Geschäftsreisende in Deutschland im Jahr 2006 sind auf die WM zurückzuführen. In den letzten drei Jahren hat Deutschland insgesamt eine Zunahme bei den ausländischen Touristeneinnahmen von mehr als einem Viertel erzielt. Dies belegt – trotz des Sonderfaktors Fußball-WM – die große Attraktivität Deutschlands als Reiseland. Vor allem das Geschäftsreisesegment gewinnt. In keinem anderen europäischen Land finden so viele Kongresse und Tagungen statt. Weltweit liegt Deutschland in diesem Segment auf Rang zwei. Darüber hinaus ist die Bundesrepublik das wichtigste Messeland der Welt. Zunehmend entdecken osteuropäische Länder – allen voran Polen und Tschechien – Deutschland als Reiseziel. Spitzenreiter bei den deutschen Einnahmen waren aber 2006 einmal mehr die westeuropäischen Nachbarländer. 

Die Deutschen haben auch im Jahr 2006 ihren Titel als Reiseweltmeister vor den US-Amerikanern verteidigt. Insgesamt nahmen die Ausgaben Deutscher für Auslandsreisen um etwa 3,5 Prozent auf einen neuen Rekordwert von rund 60,5 Mrd. Euro zu. Damit werden circa 11 Prozent der globalen Reiseausgaben von Deutschen getätigt.

Bei den beliebtesten Auslandsreisezielen der Deutschen lagen im abgelaufenen Jahr Österreich und Spanien gleichauf. Spanien profitierte vom vorjährigen Trend, nicht in islamische Länder zu reisen. Auch Italien konnte deutlich zulegen. Dagegen mussten 2006 die Türkei und Ägypten als Aufsteiger der letzten Jahre zum Teil deutliche Einbußen hinnehmen.

Die deutschen Reiseveranstalter erzielten im Touristikjahr 2005/2006 ein Umsatzwachstum von 1 Prozent (2004/2005: 4 bis 5 Prozent). Nach der tiefen Krise zwischen 2001 und 2003, als der Umsatz um 20 Prozent einbrach, hat die Urlaubsindustrie damit nun wieder drei Wachstumsjahre hinter sich. Das Ziel der Branche, an die Umsatzzahlen des Rekordjahres 2001 anzuknüpfen, wurde aber verfehlt. Zunehmend geht dem organisierten Reisegewerbe aufgrund der Möglichkeiten des Internets und des wachsenden Angebots an Billigfliegern ein immer größerer Teil des „Reisekuchens“ verloren.

Noch schlechter als den Reiseveranstaltern erging es im zurückliegenden Reisejahr dem stationären Vertrieb. Die Reisebüros erzielten 2005/2006 nur ein Umsatzwachstum von einem halben Prozent. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2000 ist der gesamte Umsatz im stationären Vertrieb um 17 Prozent zurückgegangen. Im Reisejahr 2005/2006 meldeten 800 Reisebüros Insolvenz, allein in den beiden letzten Jahren summierte sich die Zahl der Geschäftsaufgaben auf 2.000. In den vergangenen sieben Jahren ist die Zahl der Haupterwerbsreisebüros um ein Viertel zurückgegangen.

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