Zeit zum Gegensteuern?

Nun da sich die Aktienmärkte wieder auf einem ähnlichen Niveau wie vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers befinden – womit wir nicht vor Jahresende gerechnet hatten – drängt sich mehr und mehr die Frage auf, wer denn wohl für die Aktienmarkt-Rally verantwortlich ist.

Nach allgemeiner Auffassung sind es auf jeden Fall nicht die Versicherer. Sie haben zumindest noch bis vor Kurzem ihre Aktienmarktengagements zurückgefahren. Und auch Pensionsfonds oder Mischfonds schreckten vor größeren Investitionen am Aktienmarkt zurück. Privatanleger haben zumindest einen Teil der Rally verschlafen, sind jedoch im zweiten Quartal wieder an den Markt zurückgekehrt, was sich anhand der Nettozuflüsse in aktienbasierte Fonds zeigt. Wer steckt also hinter den Kurssteigerungen? Hedge-Fonds und Banken? Hedge-Fonds sind recht früh wieder Long-Positionen am Aktienmarkt eingegangen. Doch vor allem Banken haben hohe Gewinne aus Aktienanlagen und im Aktienhandel erzielt. Ihnen steht Zentralbankgeld im Überfluss zur Verfügung. Dieses ist zu günstigen Konditionen erhältlich und wird nur in geringem Maße für Unternehmenskredite verwendet, da hier die Nachfrage niedrig ist oder die Risiken zu hoch sind.

Die erste Phase einer Aktienmarktrally im Anschluss an eine Rezession wird also wieder einmal durch Liquidität und niedrige Zinsen getragen. Geldmarktzinsen und Anleiherenditen (insbesondere für kürzere Laufzeiten) sind niedrig, da die Zentralbanken wiederholt betont haben, dass bis zu einer stärkeren und sich selbst tragenden Konjunkturerholung nicht mit einem Ende ihrer expansiven Politik zu rechnen sei. In der derzeitigen Zentralbankpolitik liegt auch die Erklärung für die offenbar weit auseinanderklaffenden Erwartungen am Aktienmarkt und Rentenmarkt.

Dr. Michael Heise

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