Emerging Markets

Graduelle Abwertung des Yuan keine Hiobsbotschaft

Die Sorge um eine weitere Abwertung der chinesischen Währung Yuan treibt die internationalen Finanzmärkte seit Wochen um. Sie würde chinesische Exporte noch wettbewerbsfähiger machen und könnte den Deflationsdruck auf den Weltmärkten verstärken. Allerdings kompensiert die jüngste Abwertung die signifikante Aufwertung der vorangegangenen Jahre bei weitem nicht. Seit Beginn der graduellen Lockerung des Wechselkursregimes gegenüber dem US-Dollar im Sommer 2005 wertete die chinesische Währung bis Anfang 2014 um 37% auf. Der handelsgewichtete Außenwert des Yuan legte im gleichen Zeitraum um knapp 29% zu. Hohe Leistungsbilanzüberschüsse, kräftige Kapitalzuflüsse aus dem Ausland und regelmäßige Interventionen der chinesischen Notenbank, um eine noch stärkere Aufwertung zu verhindern, führten bis Anfang 2014 zu einem massiven Anstieg der Devisenreserven auf annähernd 4.000 Mrd. US-Dollar (Mitte 2005: 711 Mrd. US-Dollar).

In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Vorzeichen jedoch gedreht: Der Yuan steht inzwischen nicht mehr unter Aufwertungs- sondern unter Abwertungsdruck. Vor allem die Angst vor einer ausgeprägten Wachstumsschwäche der chinesischen Wirtschaft sowie fehlende Transparenz und schwache Kommunikation der Wechselkurspolitik durch die Notenbank haben erhebliche Kapitalabflüsse durch In- und Ausländer ausgelöst. Nun verkauft die chinesische Notenbank Devisen um die Abwertung des Yuan zu begrenzen. Seit der letzten Flexibilisierung des Wech-selkurssystems im August 2015, die den Markt-kräften eine größere Rolle bei der Bestimmung des Wechselkurses geben sollte, hat der Yuan rund 5% an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Gleiches gilt für seinen Außenwert gegenüber wichtigen Handelswährungen. Die Abwertung wäre sicher noch stärker gewesen, wenn die Notenbank nicht in großem Umfang Dollar auf den Markt geworfen hätte. Allein im Jahre 2015 sind die Devisenreserven um mehr als 500 Mrd. US-Dollar gesunken.

Bislang hält die People´s Bank of China an ihrer im Dezember 2015 präzisierten Strategie fest, dass sie den Wechselkurs des Yuan gegenüber einem Währungskorb und nicht allein gegenüber dem US-Dollar steuert. Sie gibt dabei kein explizites Wechselkursziel vor, sondern behält sich eine gewisse Flexibilität und die Möglichkeit einer weiteren Abwertung vor. Die Alternative, einen festen Wechselkurs vorzugeben, und darauf zu hoffen, dass die Kapitalabflüsse dann aufhören, wäre in der aktuellen Situation erhöhter Unsicherheit kaum glaubwürdig. Die chinesische Notenbank müsste dann bereit sein, einen noch rapideren Schwund ihrer Devisenreserven hinzunehmen, falls die Märkte der Festkursbindung nicht vertrauen. Dann könnten die Devisenreserven der Notenbank rasch auf kritische Niveaus fallen. In einer derartigen Stresssituation den Wechselkurs dann schlussendlich doch freigeben zu müssen, könnte schockartige Marktreaktionen nach sich ziehen und wäre auch im Hinblick auf die verlorenen Devisenreserven die teuerste Option.

Die wahrscheinlichere und volkswirtschaftlich vorteilhaftere Strategie ist es, dass die chinesische Notenbank ihre Interventionen stärker begrenzt und damit eine weitere graduelle Abwertung des Yuan zulässt. Bei allzu schnellem Verlust an Devisenreserven, sind auch weitere Kapitalverkehrskontrollen oder Schritte zu höheren Bankenmarktzinsen als wahrscheinlich anzusehen.

Der Yuan könnte nach unserer Einschätzung in einem solchen Szenario in absehbarer Zeit auf rund 7 Yuan zum US-Dollar fallen. Für China wäre dies mit einigen Vorteilen verbunden: Die durch die Abwertung gestiegene Wettbewerbsfähigkeit dürfte den Export stimulieren. Auch dürfte die Inflation leicht anziehen, was vor dem Hintergrund von Inflationsraten von deutlich unter dem offiziellen Ziel von 3% durchaus erwünscht ist. Und nicht zuletzt stünde ein flexiblerer Wechselkurs auch im Einklang mit dem Ziel der chinesischen Führung, die Internationalisierung des Yuan weiter voranzutreiben.

Für die Weltwirtschaft wäre eine graduelle Yuan Abschwächung nach Jahren der Aufwertung verkraftbar und kein Einstieg Chinas in einen Währungskrieg. Der Export Amerikas oder Europas nach China würde zwar weiter an Dynamik verlieren und der Druck auf die Preise im Rest der Welt noch zunehmen. Aber dies ist auch aus Sicht der Handelspartner einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft vorzuziehen. Zwar kann eine harte Landung nicht allein durch eine Währungsabwertung verhindert werden, sondern bedarf auch Reformen wie die der staateigenen Betriebe und Maßnahmen zur Verhinderung einer noch größeren Kreditblase. Eine Wechselkursflexibilisierung dürfte aber sicherlich zumindest helfen. Sie stimuliert höheres nominales Wachstum und schafft inländische Arbeitsplätze. Eine graduelle Abwertung sollte daher für die Finanzmärkte keine Hiobsbotschaft sein.

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Dr. Michael Heise

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