3 Fragen, 3 Antworten: Versicherung von Geschäftsrisiken

„Die Zeiten der 1980er-Jahre-Hacker sind passé“

16 Millionen gestohlene E-Mailadressen und Passwörter in Deutschland, 40 Millionen Kreditkartendaten in den USA, 100 Millionen in Südkorea – das allein in jüngster Zeit. Schon der „Allianz Risk Barometer“ erkannte Hackerangriffe, IT-Probleme und den Verlust von Reputation als die großen neuen Herausforderungen bei den Geschäftsrisiken. An der Spitze der Liste, die aus einer Umfrage von Risikoexperten der Allianz hervorgeht, stehen nach wie vor Betriebsunterbrechungen und Naturkatastrophen. Warum das so ist beantworten uns drei unterschiedliche Experten von Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), dem Industrieversicherer der Allianz.
 

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„Cyber risks“ sind die Newcomer in den Top Fünfzehn der Gefahren für das Geschäft. Sollte man nicht meinen, eine kompetente IT-Abteilung hat die Angriffe durch Hacker im Griff?
 

José Fidalgo (Head of Risk Consulting Liability Germany, AGCS): Es wäre schön, wenn wir hier nur von Hackern sprechen würden. Aber das Bild vom Hacker, das wir vor Augen haben, ist noch zu sehr von Filmen wie „War Games“ aus den 80er Jahren geprägt: Da sitzt nicht ein Jungspund an seinem Spielecomputer, der durch eine zufällige Entdeckung in ein Unternehmen oder in das Pentagon eindringt. Es handelt sich hierbei um Kriminelle, die in ihrem fragwürdigen Bereich perfekt organisiert sind und hochprofessionell arbeiten. Dazu kommt, dass Fremdattacken wie diese nur ein Drittel der Gefahren ausmachen. Eine weitere Gefahr bergen Störungen in der hauseigenen Infrastruktur, dazu kommen dann noch leichtsinnige Mitarbeiter oder Kollegen, die in Sachen IT-Sicherheit nicht ausreichend geschult sind.
 

„Ein Viertel des Unternehmenswertes ist reine Reputation!“
 

Risiken und Einbußen in Sachen Reputation stehen mittlerweile ebenfalls auf der Liste der größten Gefahren. Wie können Sie denn den Leumund eines Unternehmens versichern?
 

Michael Bruch, Head of R&D Risk Consulting, AGCS: Die Reputation eines Unternehmens macht im Schnitt ein Viertel des Unternehmenswertes aus. Die Hebelwirkung auf die Preise, die das Unternehmen am Markt für seine Produkte verlangen kann, schwingt hier ebenso mit wie die direkte Auswirkung eines Reputationsverlustes auf den Aktienkurs. Nur eine Versicherung reicht hier nicht aus. Das Unternehmen muss zusätzlich das Management von Reputationsrisiken in der eigenen Aufbau- und Ablauforganisation verankern. Wie ein Unternehmen mit Umweltaspekten, der gesellschaftlichen Verantwortung und guter Unternehmensführung – sogenannten Environmental, Social and Governance (ESG) Aspekten – umgeht, hat einen großen Einfluss auf die Reputation eines Unternehmens. Diese Themen brauchen Gehör auf der obersten Management-Ebene.
 

Die Lieferkette steht nach wie vor im Mittelpunkt, wenn Geschäftsrisiken untersucht werden. Warum bleibt dieses Thema so wichtig?
 

Paul Carter (Global Head of Risk Consulting, AGCS): Eine konstante Versorgung der Produktion mit neuen Rohmaterialien steht im Mittelpunkt eines jeden Herstellers. Die Lieferkette hängt von außerordentlich vielen Faktoren ab. Diese reichen von Problemen der Zulieferer bei Naturkatastrophen über IT-Probleme bis hin zu Unruhen in einzelnen Ländern. Ein Fehler bei einem betriebskritischen Zulieferer reicht aus, um die hauseigene Produktion lahmzulegen. Kleine Pannen können hier einen großen Strich durch die Rechnung machen. Hier gilt genauso wie bei Naturkatastrophen: Eine angemessene Planung von möglichen Geschäftsausfällen ist das A und O.

Michael Bruch: "Wie ein Unternehmen mit Umweltaspekten, der gesellschaftlichen Verantwortung und guter Unternehmensführung – sogenannten Environmental, Social and Governance (ESG) Aspekten – umgeht, hat einen großen Einfluss auf die Reputation eines Unternehmens."
Michael Bruch: "Wie ein Unternehmen mit Umweltaspekten, der gesellschaftlichen Verantwortung und guter Unternehmensführung – sogenannten Environmental, Social and Governance (ESG) Aspekten – umgeht, hat einen großen Einfluss auf die Reputation eines Unternehmens."

Vorbehalt bei Zukunftsaussagen

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

 

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