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Je länger der Krieg gedauert hatte, desto schwieriger war es für die Allianz geworden, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten: Die Schäden stiegen rapide an. Arbeitskräftemangel und ausgebombte Geschäftsräume lähmten die Arbeitsabläufe. Bei Kriegsende war ein Großteil der Vermögenswerte der Allianz vernichtet. Der Immobilienbesitz war durch Kriegsschäden, Beschlagnahme und Verstaatlichung dezimiert. Die Prämienzahlungen erlahmten weitgehend.

Versicherungsgesellschaften hatten bis 1945 immer größere Anteile ihrer verfügbaren Mittel in Reichsanleihen anlegen müssen. 1942 war diese Anlagequote auf 75 Prozent festgelegt worden. Mit dem Ende des Krieges waren solche Papiere wertlos geworden. Bilanztechnisch war die Allianz im Mai 1945 im Prinzip bankrott.

Trotzdem begannen einzelne Mitarbeiter noch im selben Monat wieder mit der Arbeit: Sie räumten auf, sicherten Material, machten erste Bestandsaufnahmen und bereiteten Anträge vor, um von den lokalen Behörden Betriebsgenehmigungen zu erhalten.
Reichsanleihe: Schuldverschreibung zur Finanzierung von Ausgaben des Staates
  • Sowjetische Truppen befreien Auschwitz
  • Kriegskonferenz der Alliierten in Jalta
  • Adolf Hitler begeht in Berlin Selbstmord
  • Bedingungslose Kapitulation der deutschen Truppen
  • Die alliierten Militärbefehlshaber übernehmen die Regierungsgewalt in Deutschland
  • Deutschland wird in vier Besatzungszonen aufgeteilt
  • Beginn der Verstaatlichung der Versicherungswirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone
  • In Polen, Ostdeutschland, der Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Jugoslawien und Rumänien werden kommunistische Regimes etabliert
  • Die Direktive Nr. 24 des Alliierten Kontrollrats regelt den Prozess der Entnazifizierung
Nach der Befreiung Deutschlands im Mai 1945 starteten die Alliierten ein Programm der Entnazifizierung. Der Sinn dieses Projektes bestand darin, das nationalsozialistische Gedankengut aus dem politischen, wirtschaftlichen und geistig-kulturellen Leben zu beseitigen. Zunächst wurden die NSDAP und ihre Untergliederungen verboten, NS-Gesetze aufgehoben und die äußeren Zeichen und Symbole des Nationalsozialismus entfernt.

Den Schwerpunkt des Programms bildete die systematische Überprüfung aller Mitglieder der NSDAP: Die Parteimitgliedschaft wurde als Kriterium für ihre Entlassung aus Leitungspositionen der Wirtschaft und öffentlichen Ämtern definiert.

Auch eine Reihe von Managern der Allianz mussten sich der Entnazifizierung stellen. Von den etwa 240 verbliebenen Berliner Mitarbeitern der Allianz wurden im Rahmen der Entnazifizierung 31 Personen entlassen.

Ein Gesetz der amerikanischen Militärregierung teilte die Verantwortlichen in fünf Gruppen ein:
1. Hauptschuldige, 2. Belastete, 3. Minderbelastete, 4. Mitläufer, 5. Entlastete.

Bis 1949 wurden so über sechs Millionen Deutsche überprüft. Die Entnazifizierungsbehörden fällten etwa 1,2 Millionen Urteile: mehr als eine Million Überprüfte wurden als Mitläufer eingestuft. Dem standen knapp 2.000 "Hauptschuldige" und etwa 25.000 als "belastet" beurteilte Personen gegenüber.
Meldebogen Kurt Schmitts zur Erfassung von Informationen für das Entnazifizierungsverfahren
Meldebogen Kurt Schmitts zur Erfassung von Informationen für das Entnazifizierungsverfahren
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei war die Partei Adolf Hitlers. Sie wurde 1920 gegründet und nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten die einzige zugelassene Partei in Deutschland. Zentrale Kennzeichen ihrer Ideologie waren Rassismus und Antisemitismus, Demokratiefeindlichkeit und ein aggressiver Expansionsdrang. Sie wuchs von einer Splitterpartei bis zur Massenpartei mit 8,5 Millionen Mitgliedern.
  • Urteilsverkündung im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher
In der amerikanischen Besatzungszone wurde die Entnazifizierung zunächst mit großem Aufwand und Engagement umgesetzt. 1946 übertrug die Militärregierung die Überprüfung der Beschuldigten an deutsche Prüfungsausschüsse. Die Spruchkammern verhängten Sühnemaßnahmen wie Freiheitsstrafen, Beschränkungen der beruflichen Tätigkeit oder Geldbußen. Vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs beendete die amerikanische Militärverwaltung die Entnazifizierung jedoch im Frühjahr 1948.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Untersuchungen gegen viele schwer belastete Personen noch nicht abgeschlossen. Je länger sich die Verfahren hinzogen, desto größer wurde für die Beschuldigten die Chance, ein mildes Urteil zu erhalten.

Der Kalte Krieg und das Primat des Wiederaufbaus ließen die juristische und politische Aufarbeitung der individuellen Schuld der Deutschen zweitrangig erscheinen. Die politische und moralische Wirksamkeit des Programms ist umstritten: "Mitläuferfabrik" nannten Kritiker das trotz seiner Unzulänglichkeiten und Versäumnisse bis dahin historisch einzigartige Projekt.
Karikatur zur Entnazifizierung (1948) (Haus d. Geschichte d. Bundesrepublik Deutschland, Bonn)
Karikatur zur Entnazifizierung (1948) (Haus d. Geschichte d. Bundesrepublik Deutschland, Bonn)
Im September 1945 wurde die Entnazifizierung auch auf das Spitzenpersonal der Wirtschaft ausgedehnt. Davon betroffen waren auch mehrere Direktoren und Mitglieder des Vorstands der Allianz sowie Kurt Schmitt, der ehemalige Generaldirektor und langjährige Aufsichtsrat der Allianz.

Im Sommer 1945 wurde Kurt Schmitt von den amerikanischen Militärbehörden aller seiner Ämter enthoben und mit Berufsverbot belegt. Das Entnazifizierungsverfahren zog sich über die folgenden vier Jahre hin, während derer Kurt Schmitt nicht arbeiten durfte. Er war in dieser Zeit zweimal in Straflagern inhaftiert und der Zugriff auf sein Vermögen war beschränkt. 1946 wurde Schmitt zunächst in die oberste Strafkategorie als "Hauptschuldiger" eingeordnet. 1949 wurde Schmitt als "entlastet" frei gesprochen. Wegen Formfehlern hob das Kassationsgericht dieses Urteil wieder auf und Kurt Schmitt wurde schließlich in die niedrigste Strafkategorie als "Mitläufer" eingestuft. Er musste eine Geldstrafe sowie die Kosten des Gerichtsverfahrens bezahlen.
Kurt Schmitt mit seinem Verteidiger vor der Spruchkammer Starnberg (1947) - Ullstein Bild
Kurt Schmitt mit seinem Verteidiger vor der Spruchkammer Starnberg (1947) - Ullstein Bild
  • 1913 Eintritt bei der Allianz
  • 1917 Mitglied des Vorstands
  • 1921 bis 1933 Vorstandsvorsitzender der Allianz
  • 1933 bis 1935 Reichswirtschaftsminister
  • 1935 bis 1945 Aufsichtsratsmitglied der Allianz
  • 1938 bis 1945 Vorstandsvorsitzender der Münchener Rück
  • 1945 bis 1949 Entnazifizierungsverfahren
  • Die Direktive Nr. 24 des Alliierten Kontrollrats regelt den Prozess der Entnazifizierung

Anja Rechenberg
Spokesperson Corporate Responsibility

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