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"Arisierung"

"Arisierung": Die Verdrängung der jüdischen Bevölkerung aus dem Wirtschaftsleben
Der rassisch-völkische Antisemitismus war ein wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie. Er wurde eine der Leitlinien der deutschen Politik.

Ziel dieser Politik war, die jüdische Bevölkerung aus der deutschen Gesellschaft auszustoßen. Bevor die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg dazu übergingen, die Juden Europas systematisch zu ermorden, hatten sie die wirtschaftliche Existenz der jüdischen Bürger durch Willkürakte und immer radikalere Diskriminierung zerstört.

Den Anfangspunkt bildete ein reichsweiter Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien am 1. April 1933. Im Verlauf der 1930er Jahre wurden die Maßnahmen immer brutaler: Jüdische Angestellte wurden aus dem öffentlichen Dienst entlassen, Bürgerrechte wurden ihnen aberkannt, jüdische Unternehmen wurden durch wilde Boykotte geschädigt und die Massenmedien radikalisierten mit  antisemitischer Hetze die öffentliche Meinung.
Antisemitisches Boykotttransparent in Glowitz (ca. 1933) - bpk
Antisemitisches Boykotttransparent in Glowitz (ca. 1933) - bpk
Die Abkürzung steht für den Begriff Sturmabteilung und bezeichnet eine 1920/21 entstandene paramilitärische Kampf- und Schlägertruppe der Nationalsozialisten, die zeitweise über vier Millionen Mitglieder hatte.
  • Adolf Hitler wird zum Reichskanzler ernannt
  • Die sog. Reichstagsbrandverordnung setzt die Grundrechte außer Kraft
  • Die SA organisiert einen reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte
  • Per Gesetz wird die Zwangspensionierung jüdischer Beamter verfügt
  • Verbot von Parteien und Gewerkschaften und Beschlagnahme ihres Besitzes
  • Gesetz über die "Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens" - eine Grundlage zur Einziehung des Eigentums von Emigranten
Die nationalsozialistische Wortschöpfung "Arisierung" beschreibt den Prozess der Verdrängung der Juden aus ihren beruflichen Stellungen und dem Erwerbsleben allgemein. Die "Arisierung" umfasste sowohl illegale als auch staatlich sanktionierte Maßnahmen wie Entlassungen, Berufsverbote, die Einschränkung gewerblicher Tätigkeit und die teils erzwungene Übertragung von Rechten und Eigentum an nichtjüdische Deutsche.

Bis 1937 fanden unsystematisch anmutende antisemitische Einzelaktionen statt, die bereits die Existenzgrundlagen der Mehrzahl der noch in Deutschland lebenden Juden bedrohten. 1938 spitzte sich die Situation radikal zu. Zunächst wurden alle jüdischen Vermögenswerte registriert und diese Informationen zur flächendeckenden pseudolegalen Übertragung jüdischer Unternehmen an nichtjüdische Eigentümer genutzt.

Nach der Pogromnacht wurde diese Vorgehensweise mittels zusätzlicher Gewalt und vieler neuer Rechtsvorschriften beschleunigt. Bereits zum Jahreswechsel 1938/1939 waren die meisten jüdischen Unternehmen in Deutschland und Österreich "arisiert" oder geschlossen. Hatten die jüdischen Eigentümer in den früheren Jahren zumindest Teile des Wertes ihres Besitzes beim "Verkauf" erlösen können, so gewann die "Arisierung" in der Situation des Jahres 1938 zunehmend den Charakter einer staatlich organisierten Enteignung.
Formular zur Registrierung des Vermögens der jüdischen Bürger (1938) (Landesarchiv Berlin)
Formular zur Registrierung des Vermögens der jüdischen Bürger (1938) (Landesarchiv Berlin)
  • Deutsche Truppen marschieren in Österreich ein - Annexion Österreichs
  • Verordnung über die amtliche Registrierung jüdischer Vermögenswerte
  • Deutsche Truppen besetzen das Sudetenland
  • Reichsweiter Pogrom - sogenannte Reichskristallnacht - gegen die jüdische Bevölkerung
  • Hermann Göring ordnet eine kollektive Strafabgabe für Schäden der Pogromnacht an. Die jüdische Bevölkerung muss eine Pauschalzahlung in Höhe von 1 Milliarde Reichsmark leisten
Julius und Else Basch waren Eigentümer eines Geschäftshauses in einer der Haupteinkaufsstraßen Münchens. Nach der Pogromnacht wurde Julius Basch, wie viele tausend andere jüdische Geschäftsleute in Deutschland, nach Dachau verschleppt. Auf Entlassung konnte in solchen Fällen nur hoffen, wer glaubhaft versicherte, umgehend aus Deutschland zu emigrieren. Damit waren erhebliche Kosten für die Auswanderung und für eine Vielzahl diskriminierender Abgaben und Sondersteuern verbunden.

Die Eheleute Basch beschlossen, zu ihrem Sohn in die USA auszuwandern. Das Geschäftshaus verkauften sie an die Vermögensverwertung München GmbH. Diese war von NSDAP-Funktionären gegründet worden und hatte die Funktion, Vermögenswerte und Unternehmen der jüdischen Münchener zu "arisieren". Julius Basch durfte bei dem Verkauf seine Interessen nicht selbst vertreten. Er stand unter Kuratel eines von der Partei bestimmten "Treuhänders“, der das Gebäude im Januar 1940 an die Allianz verkaufte. Der dabei festgelegte Preis blieb auch während des Restitutionsverfahrens in der Nachkriegszeit umstritten. Er lag einerseits über dem behördlich fixierten Einheitspreis aus dem Jahr 1935, jedoch deutlich unter einem Kaufangebot, das die Stadt München 1937 an Julius Basch gerichtet hatte.

1949 forderte der in den USA lebende Sohn des Ehepaars Basch die Rückerstattung des einstigen Besitzes seiner Eltern. Die Allianz einigte sich dabei mit ihm auf einen Vergleich. Sie leisteten in Ergänzung zu dem 1940 entrichteten Preis eine Zahlung von 1,1 Millionen DM.
Das Geschäftshaus Kaufingerstraße in München wurde 1940 durch Kauf "arisiert" und nach 1945 Gegenstand eines Wiedergutmachungsverfahrens - Stadtarchiv München
Das Geschäftshaus Kaufingerstraße in München wurde 1940 durch Kauf "arisiert" und nach 1945 Gegenstand eines Wiedergutmachungsverfahrens - Stadtarchiv München
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei war die Partei Adolf Hitlers. Sie wurde 1920 gegründet und nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten die einzige zugelassene Partei in Deutschland. Zentrale Kennzeichen ihrer Ideologie waren Rassismus und Antisemitismus, Demokratiefeindlichkeit und ein aggressiver Expansionsdrang. Sie wuchs von einer Splitterpartei bis zur Massenpartei mit 8,5 Millionen Mitgliedern.
Im November 1941 machte die Reichsregierung einen entscheidenden Schritt zur vollständigen Ausplünderung der Juden. Während in Deutschland die Deportationen begannen und die SS im besetzten Polen die ersten Vernichtungslager erbaute, wurde die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz erlassen. Diese bestimmte, dass sämtliche Vermögenswerte der Deportierten und Ermordeten dem NS-Staat verfielen.

1945 waren die Vermögenswerte der jüdischen Bevölkerung fast vollständig vernichtet oder unter den Profiteuren aufgeteilt. Der Staat, Einrichtungen der NSDAP, einzelne Parteifunktionäre, Unternehmen oder Privatleute hatten sich den einstigen Besitz der jüdischen Bevölkerung angeeignet.
Die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz (November 1941) bildete die rechtliche Grundlage für die Enteignung des Vermögens der deportierten Juden (Reichsgesetzblatt)
Die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz (November 1941) bildete die rechtliche Grundlage für die Enteignung des Vermögens der deportierten Juden (Reichsgesetzblatt)
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei war die Partei Adolf Hitlers. Sie wurde 1920 gegründet und nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten die einzige zugelassene Partei in Deutschland. Zentrale Kennzeichen ihrer Ideologie waren Rassismus und Antisemitismus, Demokratiefeindlichkeit und ein aggressiver Expansionsdrang. Sie wuchs von einer Splitterpartei bis zur Massenpartei mit 8,5 Millionen Mitgliedern.
Paramilitärische Kampftruppe der NSDAP. Die SS verstand sich selbst als Eliteformation. Unter ihrem Leiter Heinrich Himmler wurde sie zum zentralen Macht- und Terrorinstrument des NS-Regimes. Sie eignete sich Kompetenzen der Polizei an, übernahm die alleinige Zuständigkeit für das System der Konzentrationslager und wurde zur Schaltstelle für den Völkermord an den europäischen Juden. Bei den Nürnberger Prozessen wurde die SS als "verbrecherische Organisation" klassifiziert.
Das Reichsbürgergesetz war Teil der Nürnberger Gesetze von 1935. Es diskriminierte Juden als Staatsbürger mit eingeschränkten Rechten. Sie durften keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden, jüdische Beamte wurden zwangspensioniert und hatten keine politischen Mitwirkungsrechte mehr.

Das Gesetz wurde in den Folgejahren durch eine Vielzahl von Verordnungen ergänzt. So dekretierte z.B. die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz von 1941 die endgültige wirtschaftliche Ausplünderung der Juden durch den NS-Staat.
  • Deutscher Überfall auf die Sowjetunion ("Unternehmen Barbarossa")
  • Alle Juden ab dem Alter von 6 Jahren müssen auf ihrer Kleidung einen gelben Stern tragen
  • 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz: regelt die Enteignung jüdischen Besitzes bei der Deportation
  • Deutschland erklärt den USA den Krieg

Anja Rechenberg
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