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"Führungskräfte und Mitarbeiter müssen gemeinsam aktiv werden"

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Werner Zedelius, Mitglied des Vorstands der Allianz SE und zuständig für Personalthemen, und Rolf Zimmermann, Vorsitzender des SE Betriebsrats, erklären die Hintergründe für diese Vereinbarung und warum ein offener Umgang mit dem Thema in der gemeinsamen Verantwortung von Vorgesetzten und Mitarbeitern liegt.

Allianz SE
München, 05.05.2011

Warum ergreift die Allianz auf dem Gebiet "arbeitsbedingter Stress" jetzt die Initiative? Besteht hier akuter Handlungsbedarf?

Zedelius: Die Allianz ergreift hiermit eine Chance, die sich uns aus mehreren Gründen bietet: Seit unserer Umwandlung in die europäische Rechtsform einer SE im Jahre 2006 hat die europaweite Arbeitnehmervertretung durch den SE Betriebsrat eine neue Qualität bekommen. Und wir haben die Möglichkeit genutzt, grenzüberschreitend in Europa eine solche Übereinkunft zu treffen. Außerdem ist das Geschäft der Allianz traditionell ein "people business". Daher ist die Gesundheit, das Wohl und die Leistungsfähigkeit unserer Mitarbeiter traditionell ein zentrales Anliegen für uns.
Wenn ein einzelner Mitarbeiter Stress in seiner Arbeitsumwelt empfindet, kann das verschiedene Gründe haben, z.B. kann es an der Arbeitsorganisation, aber auch am Menschen selbst liegen. Es geht also letztlich um die Fragen, wie funktionieren Teams und was können wir zum Wohl des einzelnen Mitarbeiters und für die Leistungsfähigkeit der Teams tun.
Arbeitsbedingter Stress ist in allen Branchen in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und kein akutes oder Allianz spezifisches Problem. Dies ist eine langfristige Entwicklung, die wir grundlegend angehen wollen.

Zimmermann: Wir reagieren als Unternehmen und Arbeitnehmervertreter mit den neuen Leitlinien auf eine Herausforderung, die in den letzten Jahren an Bedeutung und Bedrohung zugenommen hat. Studien belegen, dass Stresserkrankungen, die häufig auch arbeitsplatzbedingt sind, seit 10 -12 Jahren drastisch gestiegen sind. Aber auch mancher Betriebsarzt könnte hierzu einiges berichten.
2006 haben wir den gemeinsamen Versuch gestartet, mit der Rechtsform SE auch einen europäischen Aufbruch zu verbinden und eine neue, europäische Identität zu schaffen. Bei der Frage, welche Themen die Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen berühren, sind wir schnell auf die Gesundheit gestoßen und haben sie als eine Kernherausforderung auf die Tagesordnung gesetzt. Denn sie ist unser höchstes Gut, das man sich nicht kaufen kann. Wir haben uns gefragt, wie kann man darauf reagieren, wenn jemand sagt "Meine Arbeit macht mich krank"? Dazu gibt es Unsicherheiten auf beiden Seiten. In manchen der Allianz Gesellschaften ist das Problem auch schon gesehen und adressiert worden. So existierte in England damals bereits eine stress policy, auf der wir aufbauen konnten. Aber auch in Deutschland gab es umfangreiche Aktivitäten auf diesem Gebiet.

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Rechts: Werner Zedelius, Mitglied des Vorstands der Allianz SE und zuständig für Personalthemen gemeinsam mit Rolf Zimmermann, Vorsitzender des SE Betriebsrats

Warum gelten diese Leitlinien nur in Europa, und nicht in allen 70 Ländern, in denen die Allianz aktiv ist?

Zimmermann: Wir haben als SE Betriebsrat nur eine rechtliche Grundlage für eine europaweite Interessensvertretung der Arbeitnehmer. Der Gesundheitsschutz ist aber bereits im Grundlagenvertrag für den SE Betriebsrat verankert und die Allianz will auf diesem Gebiet auch über die gesetzlichen Vorgaben hinaus gehen. Die Allianz könnte also die Leitlinien, die wir nun für Europa verabschiedet haben, durchaus auch an alle anderen Einheiten der Gruppe geben.

Zedelius: Unser Interesse am Wohl unserer Mitarbeiter ist natürlich nicht geographisch beschränkt. Aber durch die Zuständigkeit des SE Betriebsrats haben wir die Leitlinien einvernehmlich für die EU, den Europäischen Wirtschaftsraum und die Schweiz verabschiedet. Ich bin mir sicher, dass das von uns unterzeichnete Abkommen auch eine Signalwirkung über den Geltungsbereich hinaus haben wird. Wir werden es durch entsprechende Kommunikation in die gesamte Allianz Gruppe tragen. Denn wir wollen, dass sich unsere Führungskräfte, Manager und Mitarbeiter grundlegend mit dem Thema arbeitsbedingter Stress beschäftigen.

Welche besondere Verantwortung sehen Sie bei den Vorgesetzten, welche bei den Mitarbeitern?

Zimmermann: Als betroffener Mitarbeiter muss ich zunächst einmal den Gedanken an mich heranlassen, dass ich vielleicht ein Stressproblem habe. Das bedarf der notwendigen Selbstreflexion, dem kritischen Blick auf sich selbst. Habe ich das Gefühl, permanent überlastet zu sein, dann kann das verschiedene Gründe haben: Liegen sie vielleicht in meiner Privatsphäre oder sind sie doch durch meine Arbeit verursacht? In jedem Fall muss ich Probleme eigenverantwortlich ansprechen.
Unsere Vorgesetzten sind ebenfalls gefordert, denn sie müssen die notwendige Sensibilität haben, solche Probleme ebenfalls zu erkennen und dann auch noch richtig damit umzugehen. Sie müssen auch Mitarbeiter, die eine Stressphase erfolgreich überwunden haben, vor neuer Überlastung schützen. Aber so einfach ist das nicht, der Vorgesetzte hat einen Interessenskonflikt: Er hat eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, andererseits soll er als Mitglied des Allianz Managements Ziele erfüllen. Probleme müssen deshalb über alle Hierarchie-Ebenen kommuniziert werden, damit auch das nächst höhere Management-Team seine Erwartungen anpasst.
Hier gibt es noch großen Lernbedarf. Wir stehen beim Thema Stress am Anfang eines langfristigen Prozesses. Dieser muss so aufgesetzt werden, dass er die Chance gibt, Problempunkte zu identifizieren. Aber das können Mitarbeiter und Vorgesetzte nur gemeinsam, ansonsten ist er zum Scheitern verurteilt.

Zedelius: Entscheidend ist für mich die Kommunikation über etwaige Stresssituationen als gemeinsame Aufgabe, das kann keine Seite alleine lösen. Deshalb setzen wir auch das Signal für einen offenen Umgang mit arbeitsbedingtem Stress.
Der Vorgesetzte muss in der Lage sein, die Arbeitsvorgaben und Anforderungen an Mitarbeiter zu erklären. Was bedeutet etwa, etwas ist im Interesse unseres Kunden oder unserer Vertriebspartner? Was erwarten sie konkret von uns und was bedeutet das für unsere Arbeit? Außerdem muss eine Stigmatisierung verhindert werden, wenn ein Mitarbeiter eine Stressphase erfolgreich überwunden hat. Seine Aufstiegschancen und weiteren Entwicklungsperspektiven dürfen nicht belastet oder eingeschränkt werden.
Betroffene Mitarbeiter müssen sich selbst beobachten und auch die Offenheit haben, mit Kollegen oder Vorgesetzten Probleme lieber frühzeitig als zu spät anzusprechen. Das ist nur möglich, wenn das notwendige gegenseitige Vertrauen herrscht. Wir versuchen, die Mitarbeiter zu ermutigen, das vorhandene Angebot an Kursen, Beratungsmaßnahmen und auch Sport aktiv anzunehmen.
Beide Seiten sind schließlich wiederum gemeinsam dafür verantwortlich, vorbeugend aktiv zu werden. Denn je früher entsprechende Probleme erkannt und adressiert werden, desto mehr kann man hoffentlich die Symptome und Belastungen hieraus reduzieren.

Wo sehen Sie die Allianz in zwei Jahren? Da wollen Sie ja eine Bestandsaufnahme vornehmen.

Zedelius: Wir wollen die bereits bestehenden Initiativen und Angebote noch weiter ausbauen und intensivieren und das muss jetzt beginnen, vollkommen unabhängig von diesem Termin für die Bestandsaufnahme. Wir haben alle CEOs und Personalverantwortlichen über die Leitlinien informiert. Als nächstes erwarten wir, dass lokal und im Einklang mit den jeweils gesetzlichen Vorgaben entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Die Weiterentwicklung muss kontinuierlich erfolgen und lokal nachgehalten werden. Diese zwei Jahre sind nur ein Punkt, an dem wir den Fortschritt besonders konsequent nach halten werden.

Zimmermann: Ich würde mir wünschen, dass in allen Allianz Einheiten dieses Thema als eine gemeinsame Herausforderung für Interessenvertretung, Management und Mitarbeiter begriffen wird.
Und dass man auch in den Ländern, in denen es keine Arbeitnehmer-Interessenvertretung gibt, die Mitarbeiter mit einbezieht.
Die Verantwortlichen vor Ort müssen sich fragen, wie sie unter den gegebenen Umständen die Problemfälle am besten angehen. Ich wäre verblüfft, wenn wir bei der Bestandsaufnahme in zwei Jahren hier eine einheitliche Lösung hätten. Ich erwarte eher ein sehr buntes Bild, denn die jeweiligen Lösungen der lokalen Einheiten hängen ab von ihrer Größe, der bisherigen Entwicklung bei diesem Thema, sowie von lokaler Kultur und Tradition.
Dieses bunte Bild wollen wir dann als Gesamtbild an die Einheiten geben und damit eine Vergleichsmöglichkeit bieten, aber auch um Anregungen zu finden. Gibt es bei uns noch offene Fragen, auf die andere vielleicht schon eine Lösung gefunden haben?
Bei konkreten Fragen zur Umsetzung können wir als SE Betriebsrat aber schon heute unterstützen und bieten ausdrücklich unsere Mithilfe an.

 
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen hier zur Verfügung gestellt wird.
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