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In der Schifffahrt ist menschliches Versagen ganz klar der größte Risikofaktor und für 75 Prozent der Haftpflichtschäden verantwortlich. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, dass autonome Schiffe die Seefahrt sicherer machen. Projekte gibt es genug. Ein Blick auf die möglichen Implikationen der unbemannten Schifffahrt...

 

Allianz SE
München, 24.08.2017

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Im Straßenverkehr werden bereits autonome Autos getestet. Pilottests mit unbemannten Schiffen könnten schon bald folgen. Rolls-Royce, ein Vorreiter im Bau autonomer Schiffe, geht davon aus, dass die ersten ferngesteuerten Schiffe ab 2020 in Küstennähe und ab 2025 in internationalen Gewässern verkehren könnten.

Die ersten vollständig autonom fahrenden, unbemannten Hochseeschiffe könnten 2035 in See stechen. In Japan entwickeln Reedereien gemeinsam mit Schiffsbauern autonom fahrende Frachtschiffe, die ebenfalls 2025 in Betrieb genommen werden könnten. In der Ostsee will das 2016 gegründete One Sea Konsortium bereits in drei Jahren die Grundlagen für komplett ferngesteuerte Schiffe geschaffen haben. Bis 2025 soll hier ein autonomer gewerblicher Schiffsverkehr Realität werden. Eines der ehrgeizigsten Zeitziele hat sich das britisch-norwegische Konsortium von Automated Ships und Kongsberg Maritime gesetzt: Hronn, das erste vollautomatische Offshore-Versorgungsschiff, soll 2018 in Betrieb genommen werden.

Die hinter diesen Schiffen stehende Technologie entwickelt sich rasant weiter. Schiffe, die von Land aus ferngesteuert werden oder autonom fahren, könnten ihren eigenen Status und die Umgebung um sie herum überwachen und auf Basis dieser Informationen gegebenenfalls autonom Entscheidungen treffen. Tatsächlich reicht der potenzielle Automatisierungsgrad weit über die Anwendung an Bord hinaus bis in alle Teile der Frachttransportkette. „Autonome Technologie könnte den Frachttransport genauso revolutionieren wie die Einführung der Container vor rund 50 Jahren“, sagt Captain Andrew Kinsey, Senior Marine Risk Consultant bei AGCS.

Vorteile autonomer Schiffe

Autonom fahrende Schiffe bieten viele potenzielle Vorzüge. Bei Unfällen auf See spielt menschliches Versagen häufig eine wesentliche Rolle. Tatsächlich ist es für schätzungsweise 75 bis 96 Prozent der Unfälle verantwortlich. Darüber hinaus zeigt eine AGCS-Untersuchung von knapp 15.000 Seehaftpflichtschäden, dass diese dem Wert nach zu 75 Prozent auf menschliches Versagen zurückzuführen sind.

Das entspricht einem Gesamtschadenwert von 1,6 Mrd. USD. Vor diesem Hintergrund liegt die Annahme nahe, Schiffe ohne Besatzung könnten sicherer sein. Gleichzeitig ließen sich so auch die „menschlichen Risiken”, wie Unfälle und Todesfälle, deutlich reduzieren oder gar komplett ausschalten. Hinzu kommen die potenziellen Effizienz- und Produktionssteigerungen durch den Verzicht auf eine Besatzung und geringere Kraftstoffkosten. Aktuell steht der von einem globalen Abschwung gezeichnete Schifffahrtsmarkt vor mehreren Herausforderungen. Je nach Art des Schiffes können die Besatzungskosten rund 10 bis 30 Prozent der betrieblichen Ausgaben (OPEX) eines Schiffseigentümers ausmachen. Mit dem Verzicht auf Kabinen und Support-Systeme für die Besatzung hätte ein unbemanntes Schiff auch mehr Frachtraum.

Die Einführung spezieller Routen für vollautomatische Schiffe könnte die Logistik vereinfachen und den Frachttransport planbarer machen. Es wird sogar die Meinung vertreten, eine Automatisierung der Schifffahrt könne die Zahl der Piratenangriffe reduzieren, da kein Lösegeld mehr für Besatzungsmitglieder erpresst werden könnte. Allerdings entwickelt sich auch die Piraterie weiter: So werden beispielsweise Cybersicherheitslücken dazu genutzt, um an bestimmte Frachtgüter heranzukommen. Die Bedrohung umbemannter Schiffe im Hinblick auf die Cybersicherheit könnte in Zukunft also noch zunehmen.

Verzögerungen durch regulatorische Hürden

Die autonome Schifffahrt dürfte erst nach und nach Realität werden, da es zunächst viele rechtliche und regulatorische Fragen zu klären gilt. Bei der Abfassung des geltenden Seerechts und heute gültiger Seefahrtsabkommen dachte noch niemand an autonom fahrende Schiffe. Nach geltendem Seerecht muss ein Schiff eine Besatzung und einen Kapitän an Bord haben.

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat vor kurzem bekanntgegeben, dass sie die Anwendung aktueller internationaler Vorschriften auf autonome Schiffe prüfen werde. „Bei allen Unbekannten und offenen Regulierungsfragen ist der Beginn des Zeitalters der autonomen Schifffahrt nur eine Frage des Wann und Wie. Möglicherweise werden der wirtschaftliche Druck, unter dem die Schifffahrtsindustrie derzeit steht, und die Notwendigkeit, effizienter zu werden, Entwicklungen in der Automatisierung der Schifffahrt sogar beschleunigen“, so Kinsey.

Herausforderungen für das Risikomanagement

Sicherheitserwägungen sind ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung der Automatisierung. Eine Herausforderung für die Konstrukteure besteht darin, Nutzer, Stakeholder, Aufsichtsbehörden und Versicherer davon zu überzeugen, dass diese Systeme zu 100 Prozent verlässlich sind. Von entscheidender Bedeutung wird die reibungslose und fehlerfreie Kommunikation zwischen den autonomen Schiffen auf See und dem sogenannten Shore Control Center (SCC) an Land sein, von wo aus die Schiffe gesteuert werden.

Autonom fahrende Schiffe bringen natürlich gewisse unbekannte Risiken mit sich. Die Schifffahrtsindustrie hat aber durchaus Erfahrung in diesem Bereich. In einigen Fällen sind unbemannte Schiffe überhaupt nichts Neues – in der Forschung und im Verteidigungssektor zum Beispiel kommen sie bereits seit vielen Jahren zum Einsatz. Allerdings handelt es sich dabei um wesentlich kleinere Schiffe als die, die nun geplant sind. „Das Thema autonomer Schiffsbetrieb hat uns auch in der Vergangenheit bereits beschäftigt, als die ersten unbemannten Maschinenräume in Betrieb genommen wurden“, ergänzt Kinsey. „In diesem Fall fuhren die Schiffe mit Besatzung, und die Alarmsignale aus dem Maschinenraum wurden erfasst bzw. analysiert.“ „Vollautomatisch fahrende Schiffe mögen technisch machbar sein. Ob sie sich auf globaler Ebene tatsächlich durchsetzen werden, hängt jedoch auch davon ab, ob es gelingt, Herausforderungen wie die Hafenanfahrt und Fahrten auf stark befahrenen Routen oder den Betrieb bei Sturm zu meistern. Dass Schiffe in Notsituationen ohne eine Crew klarkommen, ist schwer vorstellbar“, sagt Chris Turberville, Head of Marine Hull & Liabilities, UK, AGCS. Denkbar ist der Einsatz automatisierter oder von Land aus ferngesteuerter Schiffe in Küstennähe.

Bei längeren oder schwierigeren Routen dagegen dürfte die Automatisierung dem Modell der Luftfahrtindustrie folgen, meint Turberville. In den Flugzeugen hat sich die Automatisierung durchgesetzt, trotzdem spielen die Piloten weiter eine wichtige Rolle an Bord – nicht nur, weil sie im Notfall oder in bestimmten Phasen wie Abflug und Landung die Kontrolle übernehmen. „Es bleibt abzuwarten, ob Computer genauso wie Menschen in der Lage sind, in bestimmten Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und ich bin noch nicht überzeugt, dass wir die nötige Technologie haben, um Schiffe auf schwierigen Routen wie durch den Suez-Kanal oder den Ärmelkanal zu steuern“, ergänzt Captain Rahul Khanna, Head of Marine Risk Consulting bei AGCS. „Autonome Technologien können die Sicherheit verbessern, aber ein kritischer Faktor wird sein, ob es einen ausreichenden Backup gibt, wenn etwas schiefläuft. Manche behaupten, dass die ersten autonomen Schiffe bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre in Betrieb genommen werden könnten. Vermutlich wird es aber länger dauern, bis die Regelwerke entsprechend angepasst worden sind. Auch wenn autonome Schiffe schon bald einfache und kürzere Routen in einem begrenzten Gebiet befahren können, wird es sicherlich dauern, bis sich diese Praxis auf breiter Basis durchsetzen wird.”

- Greg Dobie

  Autonome Schifffahrt: Ausblick, Chancen, Risiken

Ausblick

  • Lokal ferngesteuertes Schiff 2020
  • Ferngesteuertes unbemanntes Küstenschiff 2025
  • Ferngesteuertes unbemanntes Seeschiff 2030
  • Autonomes unbemanntes Seeschiff 2035

Mögliche Vorteile

  • Produktivität steigern, Logistik erleichtern und Sicherheit erhöhen
  • Menschliches Fehlverhalten ist die Hauptursache für Vorfälle in der Seefahrt. Automatisierung sollte sicherer sein
  • Effizienz steigern - Einsparungen bei Besatzung und Treibstoffkosten. Platzsparend, um zusätzliche Ladung aufzunehmen
  • Bessere Zugänglichkeit von ferngesteuerten, potenziell gefährlichen Bereichen
  • Automatisierte Schifffahrtswege könnten die Zuverlässigkeit im Schiffsverkehr erhöhen
  • Minderung von Piraterie-Vorfällen

Herausforderungen und Risiken

  • Regulatorische Rahmenbedingungen könnten sich als schwieriger erweisen als die Entwicklung der Technologie
  • Internationale Zusammenarbeit erforderlich
  • Sicherheitsüberlegungen - mögliche Fragen rund um Zusammenstöße zwischen bemannten und unbemannten Schiffen
  • Keine menschliche Intervention bei Notfällen und Umweltfragen möglich
  • Frachtmanagement und Sicherheitskontrollen ohne Besatzungsunterstützung. Keine Eindämmung eines möglichen Feuers ohne Besatzung möglich
  • Cyber-Risiko erhöht sich

Auswirkungen auf die Versicherung

  • Ausgeklügelte Technik in unbemannten Schiffen könnte zu einem erhöhten Versicherungswert führen
  • Bedrohung für Crew auf See signifikant reduziert
  • Potenzielle Erhöhung der Produkthaftungsprobleme

  Technologie und Sicherheit: VDR-Analytik – die Telematik der Meere

Die Technologie wird in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle in der Verbesserung der Sicherheit und Leistung der Schifffahrtsindustrie spielen. Autonome Schiffe sind womöglich sicherer als herkömmliche, doch ein breiter Einsatz in der kommerziellen Schifffahrt wird noch mehrere Jahrzehnte auf sich warten lassen.

Der Schwerpunkt wird zunächst auf kleineren Schiffen liegen, die in Küstennähe verkehren, etwa auf kleinen Inselfähren, Schleppdampfern, Frachtkähnen und Versorgungsschiffen. Derweil profitiert die Schifffahrtsindustrie längst von sicherheitstechnischen Verbesserungen – von elektronischen Navigationsinstrumenten bis zur ferngesteuerten Überwachung von Maschinen und gar des Wohls der Besatzung. „Die Schifffahrt kann von technologischen Neuerungen enorm profitieren. Etwa in der Hinsicht, dass kritische Situationen rechtzeitig erkannt werden und entsprechend eingegriffen wird, bevor es zu einem gravierenden Zwischenfall kommt“, so Turberville. „So können sowohl menschliches Versagen als auch Maschinenausfälle reduziert werden.“

In der Autoindustrie zum Beispiel wird die Telematik bereits erfolgreich eingesetzt, um das Fahrverhalten zu verbessern. Auch die Schifffahrtsindustrie könnte davon profitieren. AGCS arbeitet seit kurzem gemeinsam mit Schiffseigentümern daran, die Sicherheit durch Voyage Data Recorder (VDR)-Analysen zu verbessern.

Durch die Analyse der VDR-Ergebnisse lässt sich riskantes Verhalten identifizieren und beeinflussen. In Unfalluntersuchungen kommen VDR-Informationen bereits zum Einsatz. Aber auch Analysen des Tagesbetriebs können sehr lehrreich sein und in Schulungen genutzt werden. Letztlich könnten sich VDR-Analysen als Branchenstandard etablieren, bessere Risikomanagement-Entscheidungen ermöglichen und sich gegebenenfalls auch in den Versicherungsprämien niederschlagen.

Dieser Artikel wurde zuerst im AGCS Global Risk Dialogue veröffentlicht, einem Magazin mit Expertenmeinungen und News rund um das Thema Unternehmensrisiken von Allianz Global Corporate & Specialty.

  Weitere Informationen

  Vorbehalt bei Zukunftsaussagen

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

 

  Pressekontakt

Heidi Polke
Allianz Global Corporate & Specialty
Tel.: +49 89 3800 14303
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