Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Finanzvermögen: 2025 mit neuem Rekord
Trotz zunehmender handelspolitischer Unsicherheit und anhaltender geopolitischer Spannungen blieb das globale Wachstum auch 2025 robust. Das im April verkündete US-Zollpaket sorgte für Turbulenzen an den Märkten und belastete den Welthandel. Dank des robusten privaten Konsums und des KI-bedingten Investitionsbooms hielt sich die US-Wirtschaft jedoch vergleichsweise gut. Europa hatte weiterhin mit strukturellen Schwächen zu kämpfen, auch wenn Deutschland nach zwei Rezessionsjahren wieder ein geringfügiges Wachstum verzeichnete. In China erwiesen sich die schwache Binnennachfrage und die anhaltende Korrektur im Immobiliensektor erneut als größte Bremsfaktoren.
Die Inflation hat weiter nachgelassen, allerdings nicht überall gleich schnell. In den USA liegt sie weiterhin über dem Zielwert. Der verringerte Preisdruck eröffnete den Zentralbanken Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte ihren Einlagensatz um 100 Basispunkte auf 2,0 %. Die US-Notenbank (Fed) begann erst im September mit Zinssenkungen und reduzierte den Leitzins insgesamt um 75 Basispunkte auf eine Spanne von 3,50 % bis 3,75 %. Die langfristigen Zinsen verharrten jedoch auf hohem Niveau, da Anleger angesichts anhaltender Inflationsrisiken, hoher Haushaltsdefizite und zunehmender Staatsverschuldung höhere Renditen verlangten.
Die Finanzmärkte zeigten sich von den Turbulenzen letztlich unbeeindruckt und hatten ein erneut starkes Jahr.
Nach dem heftigen, durch die Zollankündigungen im April bedingten Kurseinbruch erholten sich die Märkte deutlich. Dazu trugen nachlassende Handelsspannungen, sinkende Leitzinsen und die anhaltende Begeisterung für künstliche Intelligenz (KI) bei. Am US-Aktienmarkt sorgten KI-Investitionen und positive Gewinnerwartungen weiter für Auftrieb, während die europäischen Märkte von einer Rotation in Länder und Sektoren profitierten, die zuvor unterdurchschnittlich performt hatten. In der Summe konnten die globalen Aktienmärkte an die starke Entwicklung der beiden Vorjahre anknüpfen und das Jahr 2025 mit deutlichen Kursgewinnen abschließen.
Vor diesem Hintergrund setzte sich das dynamische Wachstum des Geldvermögens der weltweiten Privathaushalte fort. Mit einem Plus von 8,6 % wuchs es so schnell wie im Vorjahr und erreichte mit 268,4 Billionen Euro einen neuen Rekordwert (Abbildung 1). Im Verhältnis zur weltweiten Wirtschaftstätigkeit belief sich das Geldvermögen Ende 2025 auf 288 % des BIP. Damit lag es jedoch weiterhin unter dem Höchststand von 306 % aus dem Jahr 2021.
Inflationsbereinigt fällt der Vermögenszuwachs deutlich geringer aus: Seit 2019 ist das weltweite Geldvermögen nominal um fast 50 % gewachsen, real jedoch nur um 23 %. Ende 2025 lag es damit lediglich 5 % über dem Niveau von 2021. Der diesjährige Rekordwert ist somit teilweise auf Preissteigerungen und weniger auf einen tatsächlichen Wohlstandszuwachs zurückzuführen.
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Die USA halten ihre Spitzenstellung
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
¹ Was das Geldvermögen angeht, ist Nordamerika weitgehend gleichbedeutend mit den USA: Im Jahr 2025 entfielen weniger als 6 % des gesamten Geldvermögens der Region auf Kanada. Die USA hielten 45,3 % des weltweiten Geldvermögens, verglichen mit 46,7 % im Jahr 2005.
Nordamerikas Widerstandsfähigkeit beruht auf einer starken Kombination aus wirtschaftlicher Größe und Leistungsfähigkeit. Von 2006 bis 2025 wuchs das Geldvermögen der nordamerikanischen Haushalte mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 5,9 % und damit nahezu im Gleichschritt mit dem globalen Geldvermögen (+6,0 %). Dagegen blieben Westeuropa und Japan mit einem durchschnittlichen jährlichen Vermögenszuwachs von lediglich 3,7 % beziehungsweise 2,0 % um 2,3 beziehungsweise 4,0 Prozentpunkte hinter dem globalen Wachstum zurück.
Im Jahr 2025 wuchs das Geldvermögen der nordamerikanischen Haushalte mit einer Rate von 9,2 % schneller als das gesamte weltweite Geldvermögen, das sich um 8,6 % erhöhte (Abbildung 3). Angeführt von Osteuropa, China und Lateinamerika mit Vermögenszuwächsen von jeweils rund 11 % verzeichneten die Schwellenländer ein noch stärkeres Wachstum. Westeuropa blieb mit 4,5 % deutlich zurück, während Japan ein Wachstum von 6,5 % verzeichnete.
* CAGR: Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Die Inflation hingegen wirkt sich deutlich stärker aus als das Bevölkerungswachstum und neutralisiert weltweit mehr als die Hälfte des nominalen Wachstums. Nordamerika bildet da keine Ausnahme: Das reale Pro-Kopf-Vermögen ist dort in den vergangenen 20 Jahren um 2,4 % pro Jahr gewachsen, während das nominale Wachstum bei 5,0 % lag. Die Realwachstumsrate von 2,4 % entspricht jedoch exakt dem globalen Durchschnitt und übertrifft den westeuropäischen Wert von 1,2 % deutlich. Lediglich in Japan und China fällt der inflationsbedingte Verlust geringer aus als in Nordamerika. Mit 1,4 % liegt Japans reales Pro-Kopf-Vermögenswachstum knapp über dem westeuropäischen Niveau, aber unter dem amerikanischen Wert. Auf zwei Jahrzehnte hochgerechnet ergibt sich daraus ein Anstieg der Kaufkraft des nordamerikanischen Geldvermögens um den Faktor 1,6 – was dem globalen Multiplikator entspricht und über dem in Westeuropa und Japan verzeichneten Wert von 1,3 liegt. China stellt in dieser Hinsicht weiterhin eine deutliche Ausnahme dar: Das reale Pro-Kopf-Vermögen ist dort in den letzten 20 Jahren um bemerkenswerte 11,9 % pro Jahr gewachsen, während sich die Kaufkraft über denselben Zeitraum nahezu verzehnfacht hat.
Aufgrund seiner enormen Vermögensbasis bleibt Nordamerika nominal betrachtet der wichtigste Treiber des globalen Finanzvermögenswachstums – unabhängig von Inflations- und Pro-Kopf-Bereinigungen. Im Jahr 2025 entfielen 51,4 % des Anstiegs des weltweiten Geldvermögens auf die Region.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten entfielen 47,5 % des gesamten Vermögenszuwachses auf Nordamerika, verglichen mit 20,1 % für China und 14,3 % für Westeuropa. Die weltweite Vermögensbildung wird weiterhin klar von den USA dominiert.
Die überdurchschnittliche Entwicklung Nordamerikas beim Wachstum des Geldvermögens privater Haushalte ist ein vergleichsweise neues Phänomen. In den Jahren nach der globalen Finanzkrise wuchs das Geldvermögen in den USA häufig langsamer als im weltweiten Durchschnitt. Der Wandel setzte etwa 2017 ein, als die zunehmenden Handelsspannungen zwischen den USA und China das Ende einer immer weiter fortschreitenden Globalisierung und immer stärkeren Einbindung der Schwellenländer in die globale Arbeitsteilung einläuteten.
Dieses veränderte Umfeld spiegelt sich auch in der kleiner werdenden Wachstumslücke zwischen Schwellen- und Industrieländern wider (Abbildung 5). In den zehn Jahren bis 2017 war das Geldvermögen in den Schwellenländern im jährlichen Durchschnitt um mehr als 13 Prozentpunkte schneller gewachsen als in den Industrieländern. In den Jahren 2024 und 2025 betrug ihr Vorsprung dagegen nur noch rund 3 Prozentpunkte. Die Schwellenländer verzeichnen zwar weiter ein stärkeres Vermögenswachstum als die Industrieländer. Ihre Wachstumsraten reichen jedoch nicht mehr aus, um das rasante Aufholtempo der frühen 2000er Jahre aufrechtzuerhalten. In einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft schrumpft die globale Wohlstandslücke nicht mehr so schnell wie zuvor.
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Die Dominanz der USA zeigt sich auch im Pro-Kopf-Bruttogeldvermögen, zumindest wenn man die Durchschnittswerte betrachtet: Danach liegt nur die Schweiz vor den USA. Alle anderen Länder folgen mit deutlichem Abstand (Abbildung 6).
Während die beiden Spitzenplätze seit Jahren in fester Hand sind, gab es unter den Top 10 zuletzt einige Veränderungen. So gehörten Schweden, Taiwan, Australien und Neuseeland diesem illustren Kreis vor zwei Jahrzehnten noch nicht an – dafür waren Belgien, Großbritannien, Italien und Japan damals noch mit von der Partie.
Die Niederlande bleiben das bestplatzierte Land der Eurozone, rangieren inzwischen jedoch nur noch auf Platz 9 – gegenüber Platz 4 im Jahr 2005. Deutschland belegte wie im Vorjahr den 13. Platz, hat sich seit 2015 jedoch um sechs Plätze verbessert – was zum Teil auf eine erhebliche Datenrevision zurückzuführen ist. Unter den anderen Ländern des Euroraums konnten nur Irland, Malta, Kroatien und die Baltischen Staaten ihre Rankings in diesem Zeitraum verbessern. Und China? Es liegt jetzt auf Platz 32 und hat sich gegenüber 2005 acht Plätze gutgemacht.
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Die Kaufkraft-Krise – Die anhaltenden und wiederkehrenden Folgen des Inflationsschocks
Die Inflation mag inzwischen zwar deutlich unter ihrem postpandemischen Höchststand liegen – die Lebenshaltungskostenkrise ist jedoch noch nicht überwunden. In den USA nennen 47 %² der registrierten Wähler die Lebenshaltungskosten als den wichtigsten Faktor für ihre Wahlentscheidung bei den Zwischenwahlen 2026 – ein Zeichen dafür, dass sich die gesunkene Gesamtinflation noch nicht in einer nachhaltigen Erholung der Kaufkraft der Haushalte niedergeschlagen hat.
Tatsächlich hat sich der zuvor positive Trend ins Gegenteil verkehrt. Nach dem pandemiebedingten Inflationsschock waren die Löhne zunächst wieder stärker gestiegen als die Preise, sodass sich die Realeinkommen sowohl in den USA als auch in Europa erholen konnten. Doch 2026 hat der erneute Anstieg der Energiepreise zusammen mit der hartnäckigen Inflation im Dienstleistungssektor einen Teil dieser Erholung zunichtegemacht: In den USA stieg die Inflation auf rund 3,4 %, in Europa auf 3,3 %. Der durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöste Energiepreisschock könnte den Inflationsdruck weiter verstärken.
Da das nominale Wachstum der Arbeitseinkommen nicht mit der Inflation Schritt halten konnte, sind die Realeinkommen erstmals seit dem Inflationsschock nach der Pandemie wieder gesunken.
Quellen: LSEG Datastream, Allianz Research
Die Belastung ist zudem äußerst ungleich verteilt. Einkommensschwächere Haushalte wenden einen größeren Teil ihres Budgets für lebensnotwendige Güter auf und haben entsprechend weniger Spielraum, ihr Konsumverhalten anzupassen. In Europa geben die Haushalte im untersten Einkommensquintil rund 61 % ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel, Wohnen und Energie aus. Im obersten Quintil beträgt dieser Anteil 45 %. In den USA wenden einkommensschwächere Haushalte rund 6 Prozentpunkte mehr für essenzielle Güter auf. Infolgedessen können sich die anders zusammengesetzten Warenkörbe einkommensschwächerer Haushalte in einer um etwa 1 bis 2 Prozentpunkte höheren effektiven Inflationsrate niederschlagen.
Der kumulierte Preisschock macht sich weiterhin schmerzhaft bemerkbar, da niedrigere Inflationsraten die früheren Preissteigerungen nicht ausgleichen: In den USA zum Beispiel liegen die Lebensmittelpreise immer noch rund 36 % über dem Niveau von 2019. Für Haushalte, die bereits einen Großteil ihres Einkommens für lebensnotwendige Güter aufwenden, wird es dadurch noch schwieriger, die während des Inflationsschocks verlorene Kaufkraft zurückzugewinnen.
Quellen: BLS, Eurostat, Allianz Research
Hohe Lebenshaltungskosten schmälern nicht nur den finanziellen Spielraum der privaten Haushalte, sondern können auch Wahlergebnisse beeinflussen. Historische Daten aus 365 Wahlen in 18 Industrieländern seit 1948 zeigen, dass eine um 10 Prozentpunkte über den Erwartungen liegende Inflation mit einem Anstieg des Stimmenanteils extremistischer, systemkritischer und populistischer Parteien um 15 % verbunden ist. Besonders ausgeprägt ist dieser Zusammenhang bei einem gleichzeitigen Rückgang der Reallöhne.³ Die Inflation bestimmt das Wahlverhalten zwar nicht allein – erhebliche und unerwartete Kaufkraftverluste können jedoch die politische Unzufriedenheit verstärken.
Maßnahmen zur Senkung der Inflation führen nicht automatisch zu niedrigeren Lebenshaltungskosten. Breit angelegte Preissubventionen können kurzfristig für Entlastung sorgen, sind jedoch mit hohen Kosten verbunden, häufig wenig zielgerichtet und können Anreize für eine Anpassung des Konsumverhaltens mindern. Stattdessen sollten gezielt die Haushalte unterstützt werden, die besonders stark von Preisschocks bei lebensnotwendigen Gütern betroffen sind, etwa durch direkte Transferleistungen oder steuerliche Entlastungen. Ergänzend dazu sollten strukturelle Maßnahmen die Ursachen hoher Lebenshaltungskosten adressieren, insbesondere durch die Ausweitung des Wohnungsangebots, die Senkung der Energiekosten und die Stärkung des Wettbewerbs bei essenziellen Dienstleistungen. Gleichzeitig sollten Lohn- und Sozialleistungssysteme verhindern, dass vorübergehende Preisschocks zu einer anhaltenden Inflation führen.
Die langfristige Herausforderung besteht darin, die Sparfähigkeit der Haushalte zu sichern. Wenn essenzielle Ausgaben immer mehr Einkommen aufzehren, bleibt häufig nur der Rückgriff auf Ersparnisse. So wird aus dem Kaufkraftverlust von heute das Wohlstandsgefälle von morgen. Ein besserer Zugang zu langfristigen Sparformen, kapitalgedeckten Renten und finanzieller Teilhabe kann dazu beitragen, dass ein Inflationsschock keine bleibenden Spuren in den Vermögen der privaten Haushalte hinterlässt.
Die Märkte leisten die Hauptarbeit
Das Finanzvermögen nimmt auf zwei Wegen zu: durch neue Ersparnisse der privaten Haushalte und durch Wertveränderungen bestehender Portfolios. Der zweite Kanal funktioniert in erster Linie über Wertpapiere, insbesondere Aktien. Daher bestimmt die Portfoliostruktur, inwieweit Haushalte von steigenden Kursen an den Finanzmärkten profitieren.
Im Jahr 2025 legten Wertpapiere, darunter Aktien, Anleihen und Investmentfonds, um 12,4 % zu, während Bankeinlagen um 5,7 % und Versicherungen und Altersvorsorge um 5,0 % stiegen (Abbildung 9). Damit lagen Wertpapiere das dritte Jahr in Folge an der Spitze der drei wichtigsten Vermögensklassen.
Durch den anhaltenden Aufwärtstrend an den Börsen waren die vergangenen drei Jahre für Anleger besonders erfreulich. Von 2023 bis 2025 wuchs das Wertpapiervermögen mit einem durchschnittlichen jährlichen Zugewinn von 12,1 % mehr als doppelt so schnell wie das der beiden anderen Vermögensklassen: Bankeinlagen (+5,2 %) und Versicherungenund Altersvorsorge (+5,9 %). Dieser Wachstumsvorteil bleibt auch langfristig bestehen, wenn auch weniger ausgeprägt, da es an den Kapitalmärkten immer wieder zu zwischenzeitlichen Rückschlägen kommt.
Über die vergangenen 20 Jahre wuchs das Wertpapiervermögen um durchschnittlich 6,9 % pro Jahr, verglichen mit einem Plus von 6,0 % für das Geldvermögen insgesamt. Die Botschaft ist klar: Für den langfristigen Vermögensaufbau wird ein Engagement am Kapitalmarkt immer wichtiger.
Wertpapiere sind die bei Weitem wichtigste Vermögensklasse. Ende 2025 machten sie rekordhohe 46,9 % des globalen Geldvermögens aus. Trotz zwischenzeitlicher Rückschläge an der Börse ist der Trend eindeutig: Seit 2005 ist der Anteil von Aktien, Investmentfonds und anderen Wertpapieren um 7,4 Prozentpunkte gestiegen. Der Anteil von Versicherungen und Altersvorsorge ist in ähnlichem Umfang auf 24,8 % gesunken – auch das ist ein neuer „Rekord“. Unterdessen hat sich der Anteil der Bankeinlagen leicht auf 26,0 % erhöht (Abbildung 10).
Diese globalen Zahlen verschleiern große Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern und Regionen und damit das Ausmaß, in dem Sparer von steigenden Wertpapierkursen profitieren. Nordamerikanische Sparer investieren am stärksten an den Kapitalmärkten. Im Schnitt machen Wertpapiere 60,7 % ihrer Portfolios aus. In den USA ist der Anteil mit 61,4 % sogar noch höher. Das war nicht immer so: Nach der globalen Finanzkrise fiel der Wertpapieranteil in Nordamerika auf unter 46 %.
Mit einem Anteil am gesamten Geldvermögen von 45,8 % haben Wertpapiere auch in Lateinamerika eine überproportionale Bedeutung. Diese Wertpapierbestände umfassen jedoch häufiger nicht börsennotierte Aktien als jene in Nordamerika. Brasilien sticht mit einem Wertpapieranteil von 62,1 % heraus. In Asien hingegen spielen Bankeinlagen allgemein eine deutlich größere Rolle: In China und Japan machen sie 54,6 % beziehungsweise 48,8 % des Geldvermögens aus. Es gibt jedoch wichtige Ausnahmen. In Australien sind viele Sparer über Rentenprodukte (sogenannte Superannuations) indirekt am Kapitalmarkt investiert und der Anteil von Versicherungen und Altersvorsorge an den Portfolios der privaten Haushalte beträgt 54,6 %.
Westeuropa zeichnet sich durch eine ausgewogenere Portfoliostruktur aus, wobei Wertpapiere hier eine deutlich geringere Rolle spielen als in Nordamerika. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Ländern: In Italien machen Wertpapiere 54,0 % des Geldvermögens aus, während in den Niederlanden Versicherungen und Altersvorsorge mit einem Anteil von 50,4 % dominieren.
Diese unterschiedlichen Portfoliostrukturen verdeutlichen die große Vielfalt des weltweiten Sparverhaltens. Sie helfen auch zu erklären, warum nordamerikanische Sparer – anders als Sparer in Japan und Europa – ihr Geldvermögen in den letzten Jahren weitgehend im Einklang mit den globalen Entwicklungen gesteigert haben. Trotz des bereits sehr hohen Wohlstands in Nordamerika hat das stärkere Kapitalmarktengagement hier ein anhaltendes Wachstum ermöglicht.
Die Portfoliostruktur spiegelt daher nicht nur die Sparpräferenzen wider, sondern ist vielmehr ein zunehmend wichtiger Faktor für den Vermögensaufbau.
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Nachlassende Sparbereitschaft
Die neuen Ersparnisse fielen 2025 geringer aus als im Vorjahr. Die Märkte konnten dies jedoch mehr als ausgleichen: Vier von fünf Euro an zusätzlichem Geldvermögen stammten aus Wertsteigerungen anstelle neuer Spargelder.
Im Jahr 2025 gingen die neuen Spargelder der globalen Privathaushalte um -5,4 % auf 4,1 Billionen Euro zurück (Abbildung 11). Damit reichten diese zwar noch lange nicht an die Spitzenwerte der Ausnahmejahre 2020 und 2021 heran, waren aber immer noch 56 % höher als im Jahr 2015.
Dabei waren von Region zu Region sehr unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten. In Nordamerika sanken die neuen Spargelder um 17,5 %. Hauptgrund dafür waren rückläufige Käufe von Wertpapieren sowie Versicherungs- und Altersvorsorgeprodukten in den USA. Dennoch entfielen mit 1,8 Billionen Euro rund 45 % der gesamten neuen Spargelder auf diese Region. Dagegen erhöhten sich die neuen Spargelder in Japan, Australien und der Eurozone um 34,6 %, 22,2 % beziehungsweise 13,3 %. Insgesamt erklären diese Neuanlagen nur rund ein Fünftel des Anstiegs des globalen Geldvermögens. Die restlichen vier Fünftel entfallen auf Wertsteigerungen.
Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung war die anhaltende Erholung der Bankeinlagen. Die Sparreserven schrumpften, doch der Liquiditätsbedarf stieg: Fast ein Drittel der neuen Spargelder floss in Bankeinlagen. Die Zuflüsse waren im Jahr 2023 praktisch versiegt, vor allem weil amerikanische Sparer mehr als 500 Milliarden Euro aus Bankeinlagen abzogen und in höher rentierliche Anlagen investierten. Nach einer Erholung im Vorjahr stiegen die weltweiten Zuflüsse in Bankeinlagen im Jahr 2025 um weitere 18,1 % auf 1,3 Billionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil der Bankeinlagen an den Neuanlagen neuer Spargelder dadurch von 25,4 % auf 31,7 %.
Im Jahr 2025 war der Anteil der Bankeinlagen an den Mittelzuflüssen zwar deutlich höher als in den beiden Vorjahren, aber immer noch weit vom Niveau der Vor-Corona-Jahre entfernt, als er im Schnitt bei über 40 % lag. Die Rückbesinnung auf Bankeinlagen dürfte daher auch weniger mit ihrer Attraktivität an sich zu tun haben als damit, dass die Opportunitätskosten des Parkens von Spargeldern auf Geldkonten in einem Umfeld sinkender Zinsen niedriger waren. Die Entwicklung in Japan bestätigt dies: Hier führte die späte Zinswende dazu, dass der Anteil der Bankeinlagen an den neuen Spargeldern auf ein Allzeittief von 25 % fiel. Besonders ausgeprägt war die Erholung in den USA, wo sich die Einlagenzuflüsse auf 321 Milliarden Euro mehr als verdreifachten. Japan schlug einen entgegengesetzten Kurs ein: Obwohl die Mittelzuflüsse in Bankeinlagen in absoluten Zahlen leicht zunahmen, sank ihr Anteil an den neuen Spargeldern von 28,4 % auf 23,4 %.
Nach den außergewöhnlichen Zuflüssen der Jahre vor 2024 erlitt das Wertpapiersparen im Jahr 2025 einen weiteren Rückschlag. Die Nettokäufe gingen um 20,5 % auf 1,8 Billionen Euro zurück, nachdem sie im Vorjahr bereits um 10,9 % gesunken waren. Dennoch blieben Wertpapiere mit einem Anteil von 42,4 % an den Gesamtzuflüssen – ein historisch hohes Niveau – die bevorzugte Anlageform für neue Ersparnisse vor allen anderen Vermögensklassen.
Nordamerikanische Sparer dominierten die Wertpapierkäufe erneut. Ihr Anteil sank jedoch von fast drei Vierteln im Jahr 2024 auf rund zwei Drittel im Jahr 2025. Allein auf die USA entfielen 59 % der weltweiten Wertpapierkäufe. Die abnehmende Beliebtheit des Wertpapiersparens war daher weitgehend ein amerikanisches Phänomen: Die Käufe in Nordamerika gingen um 29,4 % auf 1,2 Billionen Euro zurück, während die Zuflüsse in Westeuropa mit 333 Milliarden Euro weitgehend stabil blieben und in Japan auf 79 Milliarden Euro stiegen. Auch Osteuropa verzeichnete einen starken Anstieg, wenn auch von einem deutlich niedrigeren Ausgangsniveau aus. Das globale Interesse am Wertpapiersparen ist somit weiterhin intakt, konzentrierte sich zuletzt jedoch weniger stark auf den US-Markt.
Innerhalb der Vermögensklasse Wertpapiere verschoben sich die Präferenzen erneut. Private Haushalte waren Nettoverkäufer von Anleihen und anderen Zinspapieren, die weltweite Abflüsse von 63 Milliarden Euro verzeichneten, nachdem der Vermögensklasse im Jahr 2024 noch 183 Milliarden Euro zugeflossen waren. Ausschlaggebend für diese Trendwende waren amerikanische Sparer, die nach dem Boom bei den Anleihekäufen in den Jahren 2022 und 2023 Zinspapiere im Wert von 145 Milliarden Euro verkauften. Unter den untersuchten Ländern blieben italienische und japanische Privatanleger die größten Nettokäufer von Anleihen. Sie stockten ihre Anleiheportfolios um 24 Milliarden Euro beziehungsweise 31 Milliarden Euro auf. Allerdings zeigte der Trend in beiden Ländern in eine sehr unterschiedliche Richtung: In Japan stiegen die Anleihekäufe gegenüber dem Vorjahreswert von 29 Milliarden Euro leicht an, während sie sich in Italien gegenüber 55 Milliarden Euro mehr als halbierten. Unterdessen blieben Aktien sehr gefragt. Die weltweiten Aktienkäufe gingen 2025 gegenüber dem Vorjahr zwar um 11,3 % auf 830 Milliarden Euro zurück, lagen damit aber immer noch auf dem vierthöchsten je verzeichneten Stand. Auch hier spielten die USA eine zentrale Rolle: Mit 814 Milliarden Euro an Neuanlagen waren sie für praktisch das gesamte Netto-Kaufvolumen von Aktien verantwortlich. Ansonsten war die Entwicklung weitgehend ausgewogen: Westeuropäische Sparer investierten unter dem Strich fast keine neuen Spargelder in Aktien, während japanische Sparer erneut Nettoverkäufer waren. Investmentfonds verzeichneten Zuflüsse von 954 Milliarden Euro. Das war ein Rückgang um 11,1 %, aber immer noch der dritthöchste je verzeichnete Wert. Im Gegensatz zu direkten Aktienkäufen waren die Zuflüsse in Investmentfonds breiter verteilt: In Westeuropa stiegen die Zuflüsse in Investmentfonds um 10,7 % auf einen neuen Rekordwert von 298 Milliarden Euro, während sie in Nordamerika um 25,0 % auf 500 Milliarden Euro sanken. Die anhaltende Beliebtheit börsengehandelter Fonds (ETFs) dürfte die Zuflüsse gestützt haben.
Die Zuflüsse in Versicherungen und Altersvorsorge gingen um 10,1 % auf 928 Milliarden Euro zurück. Damit entfielen nur 22,4 % der neuen Spargelder auf diese Vermögensklasse. Der weltweite Rückgang war jedoch ausschließlich auf Nordamerika zurückzuführen, wo die Zuflüsse um 40,8 % auf 269 Milliarden Euro sanken. In Westeuropa erhöhten sich die Zuflüsse um 25,4 % auf 417 Milliarden Euro. Japan verzeichnete mit einem Plus von 151,9 % auf 49 Milliarden Euro eine noch deutlich stärkere Erholung, wenngleich ausgehend von einem niedrigen Ausgangsniveau. Dennoch gibt es einen klaren langfristigen Trend: In den zehn Jahren vor der Pandemie flossen durchschnittlich 44 % der neuen Spargelder in Versicherungen und Altervorsorge – nahezu doppelt so viel wie 2025.
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Nordamerikanische Sparer zeigen weiterhin eine klare Präferenz für Wertpapiere. Im Jahr 2025 investierten sie 63 % ihrer neuen Ersparnisse in diese Vermögensklasse, verglichen mit einem Anteil von lediglich 26 % in Westeuropa (Abbildung 12). Dieses stärkere Engagement am Kapitalmarkt hat die Wirkung ihrer Ersparnisse verstärkt, was sich über einen Zeitraum von zehn Jahren deutlich bemerkbar macht.
Während das Geldvermögen der westeuropäischen Haushalte in diesem Zeitraum nur um durchschnittlich 3,9 % pro Jahr gewachsen ist, haben es die nordamerikanischen Haushalte auf +6,9 % pro Jahr gebracht, obwohl die Sparanstrengungen in Westeuropa größer waren: Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre erreichten die von den Sparern mobilisierten neuen Gelder hier 2,4 % des Bestandsvermögens, während es in Nordamerika nur 2,1 % waren.
Den entscheidenden Unterschied machte der Beitrag der Wertgewinne: In Nordamerika trugen sie 71 % zum Wachstum des Geldvermögens bei – in Westeuropa waren es nur 36 %. Anders ausgedrückt: Nordamerikanische Haushalte erzielten mit geringeren zusätzlichen Ersparnissen einen stärkeren Vermögenszuwachs, weil ihre bestehenden Portfolios stärker von Wertsteigerungen profitierten.
Der Vergleich mit Deutschland ist aufschlussreich: Die deutschen Sparer haben in den vergangenen zehn Jahren ein relativ hohes Vermögenswachstum erzielt (+6,0 % pro Jahr). Allerdings trugen neue Spargelder hier mit 3,9 % pro Jahr fast doppelt so viel zum bestehenden Geldvermögen bei wie in Nordamerika. Der Beitrag von Wertzuwächsen war mit 33 % weniger als halb so groß wie in Nordamerika. Deutschland erreichte ein ähnliches Wachstum mit deutlich größeren Sparanstrengungen; Nordamerika profitierte von einem deutlich stärkeren Marktmultiplikator.
Für Europa ergibt sich daraus ein klares Bild: Nicht ein Mangel an Ersparnissen ist das Problem, sondern deren geringere Wirksamkeit beim Vermögensaufbau.
Eine stärkere Umschichtung in Kapitalmarktanlagen könnte die langfristigen Renditen steigern, ohne dass die privaten Haushalte mehr sparen müssten. Entscheidend ist daher nicht allein die Höhe der Ersparnisse in Europa, sondern auch, wie effizient diese in Vermögenszuwächse umgewandelt werden.
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Wer profitiert von der KI-Dividende?
Künstliche Intelligenz könnte sowohl die Dynamik der Vermögensbildung als auch ihre Verteilung grundlegend verändern und damit die traditionelle Verknüpfung von Arbeit, Einkommen und Vermögensaufbau zunehmend auflösen. Die Entwicklung von KI-Modellen und der Aufbau der erforderlichen Rechen-, Daten- und Energieinfrastruktur sind mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden, während sich erfolgreiche Anwendungen zu geringen Grenzkosten replizieren lassen. Das begünstigt Skaleneffekte und ermöglicht Produktionssteigerungen ohne ein entsprechendes Beschäftigungswachstum. Auch kann KI Arbeitskräfte produktiver und effizienter machen und zu höheren Löhnen und niedrigeren Preisen führen. In welchem Umfang diese positiven Effekte der breiten Bevölkerung zugutekommen, hängt maßgeblich von den politischen Rahmenbedingungen ab, die über den Wettbewerb, die Verhandlungsmacht der Beschäftigten und den Zugang zu Kapitalbeteiligungen bestimmen.
Die Verschiebung der Wertschöpfung von der Arbeit zum Kapital ist nichts Neues. KI könnte diesen Prozess jedoch erheblich beschleunigen. Aktuelle Daten aus den USA verdeutlichen die Verteilungsstrukturen, auf die KI trifft: Im zweiten Quartal 2026 beliefen sich die auf das Jahr hochgerechneten Unternehmensgewinne vor Steuern auf 4,8 Billionen US-Dollar. Damit machten sie 18 % des Volkseinkommens aus – der höchste Anteil seit der Nachkriegszeit (Abbildung 13). Unterdessen ist der Anteil der Arbeitnehmerentgelte auf 60 % gesunken – den niedrigsten Stand seit den 1950er Jahren. Auch Inflation, Outsourcing und konjunkturelle Einflüsse tragen zu dieser Entwicklung bei, die daher nicht primär der KI zugeschrieben werden kann. Sie verdeutlicht jedoch eine bereits bestehende Verschiebung zugunsten des Kapitals, die sich durch den Einsatz von KI weiter verstärken könnte, falls Produktivitätsgewinne vorwiegend in höheren Gewinnmargen statt in steigenden Löhnen zum Ausdruck kommen.
Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis über FRED
Für die meisten Haushalte ist das Arbeitseinkommen nach wie vor die erste Sprosse auf der Vermögensleiter. Löhne bieten die Möglichkeit zum Sparen, während der Besitz von Produktionsvermögen Zugang zu Kapitalerträgen und Zinseszinsen eröffnet. Wenn KI die Kapitalrenditen steigert, während sich die Verdienstaussichten für manche Arbeitnehmer verschlechtern, könnte es schwieriger werden, diese Vermögensleiter zu erklimmen. In den USA besitzen die obersten zehn Prozent rund 87 % der Unternehmensaktien und Anteile an Investmentfonds. KI könnte somit das Gesamtvermögen deutlich steigern, ohne dass die privaten Haushalte in gleichem Umfang am Wohlstandszuwachs teilhaben. Die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt dürften erheblich sein, jedoch je nach Bereich stark variieren und mit großen Unsicherheiten behaftet bleiben. Laut Prognosen von Allianz Research wird KI in den nächsten drei Jahren voraussichtlich jeden vierten Arbeitsplatz in den großen Volkswirtschaften betreffen. Dabei entfällt der größte Anteil mit 10 % auf die Umstrukturierung von Arbeitsplätzen. Rund 8 % der Arbeitsplätze dürften verdrängt werden, während 5 % der bestehenden Berufsbilder erweitert werden dürften. Insgesamt wären damit 52,5 Millionen Arbeitsplätze in den USA betroffen und 21,8 Millionen in den wichtigsten europäischen Volkswirtschaften, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Neue Berufe dürften einen Teil der Verluste ausgleichen, vermutlich aber nicht sofort: Unternehmen können Technologien schneller einsetzen, als Arbeitnehmer sich umschulen lassen oder in andere Berufe wechseln können. Diese Übergangslücke könnte dazu führen, dass der Wegfall von Arbeitsplätzen vorübergehend schneller voranschreitet als die Schaffung neuer Stellen.
KI könnte auch die Vermögensunterschiede zwischen den Ländern verändern. Durch KI lässt sich Fachwissen zu geringeren Kosten und für breitere Bevölkerungskreise verfügbar machen, was insbesondere in Ländern mit einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften erhebliche Produktivitätszuwächse ermöglichen könnte. Länder müssen keine eigenen bahnbrechenden KI-Anwendungen entwickeln, um von deren Einsatz zu profitieren. Allerdings konzentriert sich das Eigentum an KI-Modellen, Plattformen, Halbleitern und der zugrunde liegenden Infrastruktur auf wenige Akteure. Dadurch könnte ein Teil der Erträge aus einer erfolgreichen KI-Einführung an ausländische Technologieanbieter abfließen. Volkswirtschaften, die eine breite Nutzung von KI mit dem Eigentum an den zugrunde liegenden Technologien und Unternehmen verbinden – wie etwa die USA – sind besser aufgestellt, um von Produktivitätssteigerungen und daraus resultierenden Kapitalerträgen zu profitieren. Private Haushalte können jedoch ebenfalls über breit diversifizierte Anlagen in ausländische Unternehmen an diesen Entwicklungen partizipieren. Nationale Technologieführerschaft ist somit nicht die einzige Möglichkeit, um von den durch KI generierten Erträgen zu profitieren.
Die Politik muss beide Aspekte des Wandels adressieren: den Schutz des Arbeitseinkommens und die Ausweitung der Teilhabe an Kapitalerträgen. Drei Prioritäten stehen im Fokus. Erstens sollten sich Aus- und Weiterbildung auf Kompetenzen konzentrieren, die die KI ergänzen, wobei übertragbare Sozialleistungen, eine Absicherung der Einkommen und die berufliche Mobilität gefördert werden sollten. Dies kann helfen, den Zeitraum zwischen dem Verlust eines Arbeitsplatzes und dem Übergang in eine neue Beschäftigung zu verkürzen. Zweitens sollten Steuersysteme keine unangemessenen Anreize für den Einsatz von Maschinen anstelle menschlicher Arbeit setzen. Im Vergleich zu Arbeit, die einkommensteuer- und sozialabgabenpflichtig ist, kann die effektive Abgabenlast bei der automatisierten Produktion geringer ausfallen. Eine Steuer auf KI-Token, bei der die eingesetzte Rechenleistung als Äquivalent maschineller Arbeit behandelt wird, wäre eine Möglichkeit, um einer zu schnellen Substitution von Arbeitskräften entgegenzuwirken und zugleich die Steuerbasis zu sichern, während sich die Wertschöpfung zunehmend zum Kapital verschiebt. Die Verwendung dieser Einnahmen für Weiterbildungsmaßnahmen, Lohnversicherungen oder zur Stärkung der öffentlichen Einnahmen könnte ebenfalls dazu beitragen, breiteren Bevölkerungsschichten eine Teilhabe an den durch KI erzielten Gewinnen zu ermöglichen. Drittens sollte die Politik den Zugang zu Kapitalerträgen ausweiten, etwa durch eine breitere Altersvorsorge, staatlich geförderte langfristige Sparmodelle, Gewinnbeteiligungen für Beschäftigte und kollektive Anlagevehikel. Regierungen könnten darüber hinaus Bürgervermögensfonds auflegen, die durch KI-bezogene Einnahmen finanziert werden und für die Bevölkerung in produktive Vermögenswerte investieren. Eine ausgeprägtere Finanzkompetenz würde Haushalten helfen, mehr Eigenverantwortung für ihre finanzielle Zukunft zu übernehmen und fundierte Entscheidungen über Sparen, Geldanlagen und den Umgang mit Risiken zu treffen. In ihrer Gesamtheit könnten diese Maßnahmen dazu beitragen, dass dauerhaft mehr Menschen am technologischen Fortschritt teilhaben.
Wenn die KI die Wertschöpfung weiter in Richtung Kapital verschiebt, wird eine breitere Verteilung des Eigentums immer wichtiger, um technologischen Fortschritt in einen möglichst breit verteilten Wohlstand umzuwandeln. Eine breite Teilhabe an den Gewinnen ist nicht nur für den Wohlstand von entscheidender Bedeutung, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt und die anhaltende Unterstützung des technologischen Fortschritts durch die Öffentlichkeit. Eine KI-Transformation, von der nur wenige wirklich profitieren, während sie für viele tiefgreifende Umwälzungen mit sich bringt, wäre letztlich weder wirtschaftlich noch politisch tragfähig.
Ausblick
Was das weltweite Finanzvermögen angeht, dürfte 2026 ein weiteres starkes Jahr werden. Die Finanzmärkte haben sich bislang als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen, gestützt durch die anhaltende Begeisterung für KI und solide Unternehmensgewinne. Angesichts der zentralen Rolle, die Wertpapiere in den Portfolios der privaten Haushalte spielen, dürften diese Zugewinne erneut den wichtigsten Impuls für das Vermögenswachstum liefern. Wir gehen davon aus, dass das globale Geldvermögen im Jahr 2026 mit rund 9 % schneller wachsen wird als im Vorjahr (+8,6 %) und erneut deutlich schneller als im langfristigen Durchschnitt (+6,0 %).
Haupttreiber dieser Dynamik dürften die Märkte und nicht neue Ersparnisse sein. Der Anstieg der Energiepreise seit dem Ausbruch des Krieges im Nahen Osten schmälert die realen verfügbaren Einkommen und die Sparfähigkeit der privaten Haushalte. Eine erhöhte Unsicherheit könnte zu vorsorglichem Sparen führen und diesen Druck teilweise ausgleichen. Allerdings dürften zusätzliche Mittel eher in liquide Einlagen als in längerfristige Anlagen fließen. Neue Ersparnisse dürften daher nur für eine begrenzte zusätzliche Dynamik sorgen, während die Kaufkraftgewinne aufgrund der wieder anziehenden Inflation deutlich hinter dem nominalen Vermögenswachstum zurückbleiben dürften.
Das wirtschaftliche Umfeld bleibt unsicher. KI-Investitionen sorgen für wichtige Wachstumsimpulse, doch geopolitische Konflikte, die Fragmentierung des Handels und höhere Energiekosten belasten die Gesamtwirtschaft. Da eine rasche Lösung des Konflikts im Nahen Osten nicht in Sicht ist, wird ein erneuter Inflationsdruck zumindest dafür sorgen, dass die Geldpolitik restriktiv bleibt, und höchstwahrscheinlich bis ins Jahr 2027 hinein zu einer weiteren Straffung führen. Angesichts eines moderaten Wirtschaftswachstums und höheren Zinsniveaus hängen weitere Kursgewinne zunehmend davon ab, dass die Unternehmensgewinne die bereits hohen Erwartungen erfüllen.
Hier erweist sich KI sowohl als entscheidender Treiber als auch als größtes Risiko für den Vermögensausblick. Sollten sich die enormen Investitionen in Rechenkapazität, Infrastruktur und Anwendungen in höherer Produktivität und steigenden Unternehmensgewinnen niederschlagen, könnte die Rally an den Märkten weiter andauern. Allerdings könnten die Märkte einen Teil der erwarteten künftigen Kursgewinne bereits vorweggenommen haben. In einem Negativszenario, in dem die Gewinne hinter den Erwartungen zurückbleiben und sich die Prognosen als zu optimistisch erweisen, könnte ein Rückgang des S&P 500 um 25 % das Vermögen der US-Haushalte um rund 27 Billionen US-Dollar reduzieren – dies entspräche nahezu 14 % des gesamten Netovermögens der US-Haushalte.
In Verbindung mit geringeren KI-Investitionen könnte der daraus resultierende Vertrauensverlust und Konsumrückgang die US-Wirtschaft in eine Rezession führen (siehe Kasten 3: US-Haushalte im Zentrum einer KI-bedingten Aktienmarktkorrektur).
Mittelfristig dürfte sich KI als wichtiger Treiber der weltweiten Vermögensbildung erweisen. Der Weg dorthin dürfte jedoch von stärkeren Schwankungen geprägt sein. Produktivitätssteigerungen könnten zu höheren Wachstumsraten, Unternehmensgewinnen und Anlagerenditen führen. Gleichzeitig könnte KI eine deutliche Verlagerung der wirtschaftlichen Erträge von der Arbeit hin zum Kapital bewirken (siehe Kasten 2: Wer profitiert von der KI-Dividende?). Wie breit diese Wohlstandsdividende verteilt wird, wird nicht nur davon abhängen, welche Länder und Unternehmen KI entwickeln und einsetzen, sondern auch davon, wem die Produktionsmittel gehören und wie die politischen Rahmenbedingungen für die Beteiligung der Arbeitnehmer an den Gewinnen gestaltet werden. Gleichzeitig dürften die strukturellen Herausforderungen bestehen bleiben. Wirtschaftliche Fragmentierung, eine anhaltende Inflation, hohe Staatsschulden und unvorhersehbare politische Entscheidungen werden die Renditen dämpfen und die Volatilität erhöhen. Daher gehen wir davon aus, dass das globale Finanzvermögen in den nächsten Jahren um rund 5 % bis 6 % pro Jahr wächst. KI birgt großes Potenzial, doch es wird Zeit brauchen, bis die technologischen Möglichkeiten zu nachhaltigen und breit verteilten Wohlstandsgewinnen führen.
US-Haushalte im Zentrum einer KI-bedingten Aktienmarktkorrektur
Quellen: The Federal Reserve, Allianz Research
Zudem entfallen mehr als die Hälfte (55,6 %) der gesamten Ansprüche aus beitragsorientierten Pensionsplänen auf die reichsten zehn Prozent der Haushalte. Insgesamt halten die Haushalte im obersten Vermögensdezil 68,0 % des gesamten Nettovermögens der Privathaushalte. Zudem wird das US-BIP-Wachstum zunehmend von einkommensstarken Haushalten und der Dominanz von Mega-Cap-Unternehmen getragen, sodass immer weniger Haushalte und Branchen einen überproportionalen Beitrag zur wirtschaftlichen Dynamik leisten. Diese Konzentration erhöht die Anfälligkeit der Wirtschaft, da ihre Dynamik zunehmend von den Finanzmärkten und einkommensstarken Verbrauchern abhängt, während Haushalte mit geringerem Einkommen und kleinere Unternehmen kaum finanzielle Puffer haben. Jeder deutliche Konjunkturabschwung könnte den Konsum einkommensstarker Haushalte und das Vertrauen der Unternehmen rasch schwächen und dadurch die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen weiter verstärken.
Ein Platzen der KI-Aktienblase würde das Wachstum der US-Wirtschaft ausbremsen und das Rezessionsrisiko erhöhen. Zur Bewertung der Auswirkungen auf Wirtschaft und Wohlstand simulieren wir zwei Szenarien. Auch wenn wir die tiefgreifenden gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen von KI keineswegs unterschätzen, besteht das eigentliche Risiko darin, dass die Märkte quasi „über Nacht“ das Wachstum mehrerer Jahrzehnte eingepreist haben könnten. Dies macht die Bewertungen anfällig, falls sich die Verbreitung beziehungsweise Einführung von KI langsamer vollziehen sollte als erwartet. In einem ersten Szenario führt ein Rückgang der Unternehmensgewinne zu einer Korrektur des S&P 500 um 15 %. Da der Rückschlag nicht auf grundlegende Zweifel an der Tragfähigkeit des KI-Geschäftsmodells, sondern vielmehr auf überzogene Erwartungen zurückzuführen wäre, würde sich der Markt innerhalb von sechs bis neun Monaten rasch V-förmig erholen. Eine derartige Korrektur würde zu einem Rückgang des gesamten Nettovermögens der US-Haushalte um 5,8 % führen. Das jährliche BIP-Wachstum würde dadurch um insgesamt 0,6 Prozentpunkte gedämpft.
In einem Negativszenario führen zunehmende fundamentale Zweifel an der Wirtschaftlichkeit von KI zu einer Korrektur des S&P 500 um 25 %, wodurch das private Vermögen um rund 27 Billionen US-Dollar schrumpfen würde. Der damit verbundene Rückgang des Gesamtnettovermögens um 14 % würde eine längere Phase geringerer Zuversicht und gedämpfter Konsumausgaben nach sich ziehen. Der daraus resultierende Vermögens- und Vertrauensverlust sowie der Einbruch der KI-Investitionen würden die US-Wirtschaft trotz einer deutlich lockereren Geldpolitik in eine Rezession treiben. Da sich die Aktienmärkte in diesem Szenario erst nach bis zu zwei Jahren erholen würden, wäre die konjunkturelle Belastung erheblich. Das BIP-Wachstum der USA würde im Jahr 2027 im Vergleich zum Basisszenario um 2,0 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Die stärksten Auswirkungen wären bei den Investitionen zu erwarten, da das Platzen der Blase auch einen abrupten Einbruch der gesamten Unternehmensinvestitionen zur Folge hätte. Der private Konsum würde deutlich belastet, da die eingetrübte Stimmung und negative Vermögenseffekte die Haushalte dazu veranlassen würden, ihre Ausgaben einzuschränken.