Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Verbindlichkeiten:
Die Kreditaufnahme bleibt verhalten
Der 2024 eingeleitete geldpolitische Lockerungszyklus führte zu keiner nennenswerten Belebung der Kreditaufnahme privater Haushalte. Im Jahr 2025 beschleunigte sich das Schuldenwachstum der weltweiten Privathaushalte leicht von 3,1 % im Vorjahr auf 3,4 %, blieb damit jedoch deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 4,5 %.
Diese verhaltene Reaktion ist nicht sonderlich überraschend: Die langfristigen Zinsen sind nicht im gleichen Maße wie die Leitzinsen gesunken, sodass Hypotheken und andere langfristige Kredite relativ teuer blieben. Insgesamt erreichten die Schulden der globalen Privathaushalte Ende 2025 ein neues Rekordhoch von 56,9 Billionen Euro (Abbildung 15).
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Anstieg der privaten Schulden nach Ländern/Regionen, in %
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Die sehr unterschiedlich hohen langfristigen Zuwachsraten bei der privaten Verschuldung haben zu erheblichen Verschiebungen in der globalen Schuldenlandschaft geführt (Abbildung 17). Der Anteil der nordamerikanischen Haushalte am weltweiten Schuldenberg ist von 47,4 % im Jahr 2005 auf 35,9 % im Jahr 2025 gesunken. Unterdessen hat sich der Anteil der westeuropäischen Haushalte von 33,6 % auf 23,9 % verringert, während sich Japans Anteil von 8,4 % auf 4,2 % halbiert hat. Zusammen entfielen auf diese drei traditionellen Schuldenzentren nur noch 64 % der weltweiten Verbindlichkeiten, gegenüber knapp 90 % vor zwei Jahrzehnten.
Der gegenteilige Trend ist in Asien zu beobachten, insbesondere in China, dessen Anteil an der globalen Verschuldung der privaten Haushalte trotz der derzeit schwachen Entwicklung von 1,7 % auf 18,3 % gestiegen ist. Inzwischen entfallen fast 60 % der gesamten privaten Schulden in Asien (einschließlich Japan) auf chinesische Haushalte. Auch wenn Chinas nahezu stagnierende Kreditaufnahme einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Expansion markiert, ist die langfristige Entwicklung der Verschuldung somit durch eine Verlagerung von West nach Ost gekennzeichnet.
Private Verbindlichkeiten, regionale Aufteilung 2005 und 2025, in Euro zum Wechselkurs Ende 2025, in %
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Egoistische Rentner, überforderte Jüngere?
Die Debatte darüber, welche finanzielle Belastung der demografische Wandel für die jüngeren Generationen darstellt, ist häufig auffallend einseitig. Angesichts der alternden Bevölkerung stehen die steigenden Kosten für die staatliche Rentenversicherung, das Gesundheitswesen und die Pflege zu Recht im Fokus. Doch die generationenübergreifende Vermögensbilanz hat auch eine andere, bislang deutlich weniger beachtete Seite: In den kommenden Jahrzehnten werden die jüngeren Generationen ein außergewöhnlich großes privates Vermögen erben, das von den heutigen älteren Generationen aufgebaut wurde.
In den USA hielten Haushalte, deren Angehörige kurz vor dem Ruhestand standen oder bereits im Ruhestand waren, im Jahr 2025 rund 86 % des gesamten Bruttogeldvermögens und 80 % des Nettogeldvermögens⁵. Das gesamte Nettofinanzvermögen der Altersgruppen 55–69 und 70+ belief sich auf rund 80 Billionen Euro, was 305 % des US-BIP entspricht. Einschließlich Immobilien und langlebiger Konsumgüter belief sich ihr Nettovermögen auf insgesamt rund 109 Billionen Euro. Die vermögendste Altersgruppe war die der 55- bis 69-Jährigen mit einem Bruttogeldvermögen von 49,2 Billionen Euro sowie Immobilien und langlebigen Konsumgütern im Wert von 16,6 Billionen Euro. An zweiter Stelle folgten Haushalte mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren und mehr, deren Finanzvermögen und Sachwerte zusammen 49,6 Billionen Euro wert waren (Abbildung 18).
Quelle: Board of Governors of the Federal Reserve System
6Siehe Deutsche Bundesbank (2025): Vermögen und Finanzen privater Haushalte in Deutschland: Ergebnisse der Vermögensbefragung 2023, in: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, April 2025, Nr. 4, Vol. 77, S. 31-80 und Tabellenanhang
7Siehe Statistisches Bundesamt (2026): Mikrozensus – Haushalte und Familien. Endergebnisse 2024, tab. 12211-05.
Quelle: Deutsche Bundesbank
Einschließlich Immobilien belief sich das durchschnittliche Nettovermögen der deutschen Haushalte im Jahr 2023 auf 324.000 Euro und lag damit leicht über dem Durchschnitt des Euroraums von 312.000 Euro⁸. Seinen Höchststand erreichte das durchschnittliche Haushaltsvermögen bei Haushalten, deren Referenzperson zwischen 55 und 64 Jahre alt war, mit 440.100 Euro. In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen blieb es mit 411.400 Euro auf hohem Niveau, bevor es bei Haushalten ab 75 Jahren auf 343.700 Euro zurückging. Im Gegensatz dazu verfügten Haushalte, deren Haushaltsvorstand zwischen 16 und 34 Jahre alt war, über ein durchschnittliches Nettovermögen von lediglich 106.900 Euro.
Diese Unterschiede spiegeln weitgehend den typischen Lebenszyklus der Vermögensbildung wider: Der Aufbau von Vermögen erfolgt während des Erwerbslebens, bevor dieses im Ruhestand wieder schrittweise abgebaut wird. In den meisten EU-Ländern lässt sich dasselbe Muster beobachten, wenngleich das Tempo des Vermögensabbaus im Alter je nach Großzügigkeit und Finanzierungsstruktur der öffentlichen Rentensysteme deutlich variiert (Abbildung 20).
Quelle: Deutsche Bundesbank
Diese Zahlen sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. In Erhebungen zum Vermögen der privaten Haushalte werden Finanzvermögen tendenziell zu niedrig angesetzt, während die allerreichsten Haushalte oft unterrepräsentiert sind. In Deutschland beispielsweise beläuft sich das durchschnittliche Bruttogeldvermögen laut der PHF-Erhebung auf 87.400 Euro pro Haushalt, während es auf der Grundlage der aggregierten Haushaltsbilanz bei 117.890 Euro liegt. Umfragebasierte Schätzungen künftiger Erbschaften sollten daher eher als Richtwerte denn als genaue Angaben betrachtet werden.
Zudem stellt das Vermögen, das jüngere Generationen in den kommenden Jahrzehnten möglicherweise erben werden, eher eine Obergrenze als eine garantierte Vermögensübertragung dar. Der Wohlstand ist sehr ungleich verteilt: In Deutschland besitzen die reichsten zehn Prozent ganze 53,7 % des gesamten Nettovermögens⁹. Schätzungen des DIW zufolge werden jährlich rund 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt, wobei etwa die Hälfte dieser Vermögensübertragungen den wohlhabendsten zehn Prozent der Begünstigten zufließt10. Gleichzeitig dürften steigende Gesundheits- und Pflegekosten in Verbindung mit weniger großzügigen Rentensystemen einen wachsenden Anteil des Vermögens der privaten Haushalte aufzehren, bevor dieses übertragen werden kann. Die bevorstehende Erbschaftswelle dürfte daher zwar beträchtlich, aber äußerst ungleichmäßig ausfallen und könnte das bestehende Wohlstandsgefälle innerhalb der jüngeren Generationen weiter verstärken.
Das gleiche gilt für die USA. Nehmen wir eine alleinstehende Rentnerin, die monatlich durchschnittlich 2.000 Euro entnehmen möchte, um ihre Lebenshaltungs-, Gesundheits- und Pflegekosten zu decken. Unter der Annahme einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3,0 %, einer jährlichen Rendite von 5,0 % und einer Rentenphase von 17,4 Jahren – der durchschnittlichen verbleibenden Lebenserwartung einer 70-jährigen Frau gemäß den neuesten Bevölkerungsstatistiken der Vereinten Nationen – wären dafür im Alter von 70 Jahren rund 368.700 Euro an Ersparnissen erforderlich. Das entspricht etwa 46 % des berechneten durchschnittlichen Nettovermögens von 802.800 Euro für die Altersgruppe der über 70-Jährigen. Ein erheblicher Teil des angesammelten Vermögens muss daher zur Finanzierung des eigenen Ruhestands eingesetzt werden, anstatt vererbt zu werden.
Zusammen mit der äußerst ungleichen Verteilung des Vermögens der US-Haushalte erklärt dies, warum die Schätzungen zum „großen Vermögenstransfer“ so stark variieren – von rund 36 Billionen US-Dollar bis zu mehr als 100 Billionen US-Dollar in den kommenden Jahrzehnten.11 Die Gesamtvermögensbestände bieten daher lediglich einen groben Anhaltspunkt für das Vermögen, das letztlich an jüngere Generationen übertragen wird.
Dennoch bleibt die grundlegende Schlussfolgerung bestehen: In der generationenübergreifenden Debatte sollten beide Seiten der Medaille berücksichtigt werden. Jüngere Generationen werden angesichts der alternden Gesellschaft mit steigenden Belastungen des öffentlichen Sektors konfrontiert sein, zugleich aber auch von einer der größten privaten Vermögensübertragungen der Geschichte profitieren. Das eine gleicht das andere nicht aus. Wer jedoch über die künftigen Belastungen durch Rente, Gesundheit und Pflege spricht, ohne zugleich die parallel stattfindende Übertragung von Privatvermögen zu berücksichtigen, zeichnet ein unvollständiges Bild der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Generationen.
⁹ SECB (2026), ebd., Tabelle J4 Net wealth inequality indicators.
10 Das DIW schätzte im Jahr 2021, dass jährlich 400 Milliarden Euro an die jüngere Generation vererbt werden könnten, wovon 50 % an die reichsten zehn Prozent übertragen würden. Siehe Baresel, Kira et al. (2021). Hälfte aller Erbschaften und Schenkungen geht an die reichsten zehn Prozent aller Begünstigten, https://www.diw.de/de/diw_01.c.809832.de/publikationen/wochenberichte/2021_05_1/haelfte_aller_erbschaften_und_schenkungen_geht_an_die_ reichsten_zehn_prozent_aller_beguenstigten.html
11 Siehe zum Beispiel Frank, Robert (2026): How big is the great wealth transfer? It could be over $100 trillion or $36 trillion, CNBC, veröffentlicht am 17. Juli 2026, https://www.cnbc.com/2026/07/17/great-wealth-transfer-estimates.html
Haushalte bauen Schulden ab – Regierungen nicht
Die Schuldenquote der privaten Haushalte (Verbindlichkeiten im Verhältnis zum BIP) ging 2025 auf 60,9 % zurück und lag damit knapp 10 Prozentpunkte unter dem Niveau von 2005 und fast 13 Prozentpunkte unter dem Höchststand von 2009 (Abbildung 21). Das bedeutet nicht, dass sich die Haushalte nicht mehr verschuldet haben: Die Verbindlichkeiten sind weiter gestiegen, aber nicht so schnell wie die nominale Wirtschaftsleistung. Dennoch ist der Kontrast zum öffentlichen Sektor frappierend. Während die Staatsverschuldung weiter gestiegen ist, haben die privaten Haushalte einen Großteil des vergangenen Jahrzehnts damit verbracht, ihre Bilanzen zu stärken.
Doch nicht überall wurden Schulden abgebaut. Seit 2005 ist die Verschuldungsquote in Nordamerika um 20,4 Prozentpunkte und in Westeuropa um 6,3 Prozentpunkte gesunken, während sie in Japan weitgehend stabil geblieben ist. Australien und Neuseeland heben sich von diesem Trend ab: Ihre kombinierte Schuldenquote stieg um 12,2 Prozentpunkte auf 113,8 %, bleibt damit jedoch unter ihrem Höchststand aus dem Jahr 2020. Hinter dem Rückgang der weltweiten Schuldenquote verbirgt sich somit eine erhebliche Verlagerung der Verschuldung privater Haushalte von den traditionellen Industrieländern hin zu den Schwellenländern – wenn auch mit bedeutenden Ausnahmen.
China verzeichnete den bei weitem stärksten Anstieg. Die Schuldenquote der chinesischen Privathaushalte stieg zwischen 2005 und 2025 um 42,1 Prozentpunkte auf 59,4 % des BIP. Damit spiegelte sie den außergewöhnlichen Kredit- und Immobilienboom in den dazwischenliegenden Jahren wider. Allerdings hat sich die Quote seit 2020 kaum verändert, was verdeutlicht, wie abrupt dieser Boom zu Ende gegangen ist. Mittlerweile liegt die Schuldenquote der chinesischen Privathaushalte nur noch etwa 10 Prozentpunkte unter der der US-Haushalte, doch die beiden Länder haben gegensätzliche Wege eingeschlagen: Die amerikanischen Haushalte haben ihren Schuldenabbau erheblich vorangetrieben, während China von einer raschen Anhäufung von Schulden zu einer vorsichtigen Bilanzpolitik übergegangen ist.
In anderen Schwellenmärkten fiel der Anstieg weniger dramatisch aus. In Lateinamerika und Osteuropa ist die Verschuldungsquote der privaten Haushalte seit 2005 um 10,7 Prozentpunkte auf 27,8 % beziehungsweise 6,1 Prozentpunkte auf 21,8 % gestiegen – ein nach internationalen Maßstäben jeweils moderates Niveau. Auch Asien (ohne Japan und China) zeigt sich vergleichsweise stabil: Die Gesamtquote stieg dort lediglich um 2,2 Prozentpunkte auf 55,1 %. Dieser regionale Durchschnittswert täuscht jedoch. Er spiegelt zum Teil das wachsende Gewicht ärmerer, weniger verschuldeter Volkswirtschaften sowie den erheblichen Schuldenabbau in Singapur wider, das seine Schuldenquote um 26,4 Prozentpunkte auf 51,6 % gesenkt hat.
Auf Länderebene verlaufen die Trennlinien quer durch die Kluft zwischen Industrieländern und Schwellenländern. Die Schweiz und Australien verzeichneten zuletzt Schuldenquoten von 125,1 % beziehungsweise 119,4 % des BIP, während Kanada bei 103,3 % und die Niederlande bei 97,2 % lagen. Auch einige asiatische Volkswirtschaften weisen hohe Schuldenquoten auf: In Taiwan und Südkorea lagen diese zuletzt bei rund 92 %, in Thailand und Malaysia bei etwa 87 % beziehungsweise 85 %. Diese Werte sind mit denen vergleichbar, die in mehreren westlichen Volkswirtschaften vor der globalen Finanzkrise verzeichnet wurden. Im Jahr 2006 beliefen sich die Schulden der privaten Haushalte in den USA auf 98,4 % des BIP, in Spanien auf 84,2 % und in Irland auf 95,0 %. Eine hohe Verschuldung ist für sich genommen noch kein Anzeichen für eine bevorstehende Krise, macht die Haushalte und den Konsum jedoch anfälliger für Einkommens-, Zins- und Immobilienschocks. Die entscheidende Trennlinie verläuft daher nicht zwischen entwickelten und aufstrebenden Märkten, sondern zwischen Immobilien- und Finanzsystemen, die in hohem Maße von der Verschuldung der privaten Haushalte abhängen, und solchen, bei denen dies nicht der Fall ist.
Private Verbindlichkeiten in Relation zum BIP nach Ländern/Regionen, in %
Zusammen führten das starke Vermögenswachstum und das relativ schwache Schuldenwachstum im Jahr 2025 zu einem deutlichen Anstieg des Nettogeldvermögens (Vermögenswerte minus Verbindlichkeiten). Mit +10,1 % entsprach dieser in etwa dem Wachstum des Vorjahres (+10,2 %). Insgesamt belief sich das globale Nettogeldvermögen Ende 2025 auf rekordhohe 211,5 Billionen Euro. Damit hat es sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt und gegenüber 2005 mehr als verdreifacht.
China verzeichnete mit 15,3 % den stärksten Vermögenszuwachs. Ausschlaggebend waren ein kräftiges Wachstum des Bruttogeldvermögens und eine nahezu stagnierende Verschuldung der privaten Haushalte. Lateinamerika folgte mit +11,3 %, während Osteuropa und Asien ohne China und Japan jeweils ein Wachstum von 11,0 % verzeichneten. Auch in Nordamerika sowie in Australien und Neuseeland legte das Nettogeldvermögen zweistellig zu (jeweils +10,4 %). Japan verzeichnete einen starken Anstieg um 7,4 %, während Westeuropa mit einem bescheideneren Vermögenszuwachs von 5,2 % erneut das Schlusslicht bildete. In fast allen Regionen wuchs das Nettofinanzvermögen schneller als im Durchschnitt der letzten 20 Jahre (Abbildung 22). Lateinamerika bildete die einzige Ausnahme, obwohl das dortige Vermögenswachstum mit +11,3 % weitgehend dem langfristigen Durchschnitt entsprach.
Die Zahlen machen eine weniger offensichtliche Triebfeder der Vermögensbildung sichtbar: Ein schwaches Kreditwachstum mag zwar die Aktivitäten auf dem Wohnungsmarkt und die Investitionen der privaten Haushalte bremsen. Es stärkt aber auch die Bilanzen der privaten Haushalte, wenn die Finanzvermögen weiter wachsen. Im Jahr 2025 führte diese „Deleveraging-Dividende“ dazu, dass das globale Nettogeldvermögen schneller wuchs als das Bruttogeldvermögen. Außerdem untermauerte es die Dominanz Nordamerikas:
Die Region hielt 51,3 % des globalen Nettofinanzvermögens, verglichen mit 48,1 % des Bruttofinanzvermögens. Die im Verhältnis zum enormen Vermögensbestand geringe Verschuldung verschafft Nordamerika einen zusätzlichen Vermögensvorteil.
Nettogeldvermögen, durchschnittliches jährliches Wachstum (CAGR) 2006-2025 und Veränderung 2025/2024 in %
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Bereinigt um Bevölkerungswachstum und Inflation bleibt China der unangefochtene langfristige Spitzenreiter (Abbildung 23). Das reale Pro-Kopf-Nettofinanzvermögen des Landes hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als versiebenfacht. An diese Wachstumsdynamik kommt keine andere Region auch nur annähernd heran. Selbst die anderen Schwellenmarktregionen verzeichneten kaum mehr als eine Verdopplung ihres Nettofinanzvermögens. Unter den Industrieländern blieb Westeuropa weiterhin hinter Japan zurück. Hier hat nicht die Verschuldung, sondern vor allem das schwache Vermögenswachstum den Vermögensaufbau gebremst.
Beim Vergleich des Brutto- und Nettofinanzvermögens zeigt sich ein weiteres Muster. In China blieb das jährliche Wachstum des Nettofinanzvermögens in den vergangenen zwei Jahrzehnten um rund 0,7 Prozentpunkte hinter dem des Bruttofinanzvermögens zurück. Grund dafür war der rasante Anstieg der Verschuldung privater Haushalte. Auch in Osteuropa zeigt sich eine geringere Kluft. Dies ist jedoch kein durchgängiges Muster in den Schwellenländern: In Lateinamerika und im übrigen Asien wuchsen die Brutto- und Nettovermögen nahezu im Gleichschritt. In den Industrieländern ist das Verhältnis umgekehrt. Da die Verschuldung der privaten Haushalte insgesamt langsamer zunahm als das Vermögen, stieg das Nettofinanzvermögen stärker als das Bruttofinanzvermögen. Besonders ausgeprägt war dieser Unterschied in Nordamerika, wo das Nettogeldvermögen pro Jahr um rund 0,7 Prozentpunkte schneller zulegte als das Bruttogeldvermögen.
Abb. 23: China weiter an der Spitze – mit deutlichem Abstand
Nettogeldvermögen pro Kopf, nominales und reales durchschnittliches jährliches Wachstum 2006-2025 in %
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research
Die Pro-Kopf-Rankings der 25 reichsten Länder nach dem Netto- und Bruttofinanzvermögen Ende 2025 zeigen, wie sehr Schulden die Einstufung verändern können (Abbildung 24). Besonders hervorzuheben ist, dass die USA vor der Schweiz den ersten Platz belegen. Zwar verfügt die Schweiz weiterhin über das höchste Bruttogeldvermögen, zugleich sind die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte mit rund 130.080 Euro pro Kopf aber mehr als doppelt so hoch wie in den USA, wo sie bei 52.730 Euro liegen.
Taiwan und Schweden tauschen den fünften und sechsten Platz. Australien rutscht von Platz 8 im Brutto-Ranking auf Platz 11 im Netto-Ranking ab, während Irland vom 14. auf den 15. Platz zurückfällt, Großbritannien vom 15. auf den 18. Platz und Norwegen vom 12. auf den 22. Platz. Im Gegensatz dazu verbessert sich Deutschland von Platz 13 auf Platz 12, Italien von Platz 16 auf Platz 13, Japan von 18 auf 14 und Spanien von 22 auf 21. Die Niederlande belegen in beiden Ranglisten weiterhin den neunten Platz. Der Vergleich zeigt, dass das Bruttovermögen nur die halbe Wahrheit erzählt: Entscheidend ist letztlich, wie viel nach Abzug der Verbindlichkeiten verbleibt.
Nettogeldvermögen pro Kopf, in Euro (zum Wechselkurs Ende 2025)
Quellen: Eurostat, nationale Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden, Finanzverbände und statistische Ämter, IWF, LSEG, Allianz Research