Europa schützen: Versicherbar und lebenswert in Zeiten des Klimawandels

Von Matthias Trüstedt
Group Head of Global P&C

Die Notwendigkeit für stärkere Klimaanpassung und effektivere Präventionsmaßnahmen ist heute dringender denn je, um die zunehmenden Schäden durch Naturkatastrophen zu bewältigen – und Europa sowohl versicherbar als auch bewohnbar zu halten. 

Während Naturkatastrophen in Nordamerika und Asien – wie die Waldbrände in Kalifornien (2025) oder die Erdbeben in der Türkei und Syrien (2023) – große mediale Aufmerksamkeit erhalten haben, ist Europa der Kontinent, der sich weltweit am schnellsten erwärmt. Die jährlichen wirtschaftlichen Verluste durch Naturkatastrophen haben sich zwischen 2020 und 2023 mehr als verfünffacht und belaufen sich durchschnittlich auf etwa 45 Milliarden Euro, was Europa zu einem globalen „Klimahotspot“ macht.

Die Zunahme von Häufigkeit und Schwere von Schäden durch Naturkatastrophen (NatCat) ist ein zentraler Fokus für Versicherer. Die Allianz hat sich auf Exzellenz in der Analyse und im Management von NatCat-Risiken spezialisiert und arbeitet kontinuierlich daran, Resilienz zu fördern und Prävention voranzutreiben.

  • Kostenloses Online-Tool zur Risikobewertung: Dieses Tool liefert wertvolle Informationen zu klimabedingten Wohnrisiken sowie praktische Optionen für Prävention und Resilienz – basierend auf der Eingabe Ihrer Wohnadresse. 
  • Gezielte Warnmeldungen: Kunden werden aktiv informiert, wenn lokal Stürme oder Hagel drohen, um sie bei der Sicherung ihres Eigentums zu unterstützen. 
  • Klimasicherer Wiederaufbau: Wir fördern den resilienten Wiederaufbau von beschädigten Gebäuden, indem wir zusätzliche Kosten übernehmen und Ratschläge zur Verbesserung der Gebäuderesilienz geben. 
  • Verbesserte Risikomodelle: Wir arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer Modelle, um Risiken besser zu verstehen und risikoadäquate Versicherungsprämien berechnen zu können.

Ein höheres Bewusstsein und die Unterstützung von Prävention und Resilienz auf Kundenseite werden jedoch nicht ausreichen, um Versicherungen für alle bezahlbar und tragfähig zu halten.

Öffentliche Behörden, Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes müssen gemeinsam mit Versicherern proaktiv handeln, um die wachsenden Auswirkungen von Naturkatastrophen zu bewältigen. Dies ist die einzige Möglichkeit, Risiken, Kosten und die Belastungen durch NatCat-Ereignisse effektiv zu reduzieren. Eine bloße Umverteilung von Risiken und Kosten wird bald unbezahlbar und damit nicht nachhaltig sein.

Ein beeindruckendes Beispiel für den Nutzen von Prävention ist die Thames Barrier in London. Diese rückziehbare Sturmflutbarriere wurde 1982 am Eingang der Themse errichtet, um Greater London vor außergewöhnlich hohen Gezeiten und Sturmfluten zu schützen. Die Baukosten würden heute etwa 2,4 Milliarden Pfund betragen. Bei einer einzigen großen Sturmflut verhindert die Barriere Überschwemmungen auf mehr als 100 Quadratkilometern Land, wodurch Krankenhäuser, Kraftwerke und die Londoner U-Bahn vor Schäden bewahrt werden. Der geschätzte Schaden, der pro Ereignis verhindert wird, liegt bei etwa 50 Milliarden Pfund!

Dieses Beispiel zeigt, warum der öffentliche Sektor die richtigen Rahmenbedingungen schaffen muss, um solche Projekte für den privaten Sektor investierbar zu machen – zum Wohle der gesamten Gesellschaft.

Ähnliche Projekte gibt es in der gesamten EU, doch der Fortschritt ist oft sehr langsam. In Deutschland bietet das Nationale Hochwasserschutzprogramm von 2013 eine gesetzliche Grundlage für Infrastrukturprojekte wie die Thames Barrier. Doch nach mehr als einem Jahrzehnt sind nur 5 % der geplanten Projekte abgeschlossen, während sich weitere 16 % in Planung oder Bau befinden.

In diesem Tempo wird Deutschland auch in 100 Jahren noch nicht fertig sein – doch der Klimawandel wartet nicht.

Investitionen in Prävention und Resilienz gehören zu den besten Geschäftsmöglichkeiten für Regierungen. Jeder investierte Euro vermeidet Schäden im Wert von vier bis zehn Euro – und das nicht nur einmal, sondern bei jedem großen NatCat-Ereignis. Die Allianz arbeitet mit Regierungen zusammen, um Expertise, Daten und Einblicke in den Entscheidungsprozess für öffentliche Infrastrukturinvestitionen bereitzustellen.

Um die Versicherungslücke weiter zu schließen, sollte der Schutz vor NatCat-Risiken automatisch in Gebäudeversicherungen integriert werden. Prämien sollten stets risikobasiert sein, um Fehlanreize zu vermeiden (z. B. den Bau neuer Häuser in Hochrisikogebieten) und Investitionen in Prävention und Resilienz sowohl für private Hausbesitzer als auch für staatliche Akteure wirtschaftlich attraktiv zu machen.

Regulatorische und rechtliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, um die Versicherungslücke zu schließen und bezahlbare Versicherungen aufrechtzuerhalten. Aktualisierungen von Bauvorschriften und Flächennutzungsplänen sind essenziell für die Klimaanpassung. Der Bau in Hochrisikogebieten sollte gesetzlich verboten werden, und bestehende Gebäude sollten mit bewährten Präventionsmaßnahmen (z. B. Hochwasserschutzwänden) nachgerüstet werden.

Nichts ist teurer und weniger nachhaltig als Untätigkeit oder unzureichende Maßnahmen. Deshalb müssen alle Beteiligten – der Staat, die Versicherten und natürlich wir als Versicherer – zusammenarbeiten, um zukünftige Schäden zu reduzieren und sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Nur so können wir Versicherungen bezahlbar und Europa bewohnbar halten.

Mit unserer Kampagne „Home, secure home?“ stellen wir Ihnen das Wissen und die Ressourcen bereit, um Ihr Zuhause und Ihre Gemeinschaft bei jedem Wetter zu schützen.

In vier speziellen Bereichen auf der Allianz-Website analysieren wir die häufigsten extremen Wetterereignisse, ihre Auswirkungen und, was noch wichtiger ist, wie Sie sich schützen können. Besuchen Sie uns hier.

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Der Allianz Konzern ist einer der weltweit führenden Versicherer und Vermögensverwalter, aktiv in fast 70 Ländern, mit rund 97 Millionen Kundinnen und Kunden*. Unsere Versicherungskunden nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Bereits zum siebten Mal in Folge wurde Allianz im Interbrand Ranking ‚Best Global Brands 2025' als weltweit führende Versicherungsmarke ausgezeichnet. Dieser Erfolg basiert auf einer technologiegestützten Kundenfokussierung – mit dem Ziel, unseren Kundinnen und Kunden Sicherheit, Schutz und Prävention zu bieten und die Resilienz von Menschen, Gemeinschaften und Gesellschaften zu stärken. Wir sind einer der weltweit größten Investoren und betreuen im Auftrag unserer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von etwa 764 Milliarden Euro**. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors etwa 2,0 Billionen Euro** für Dritte. Dank unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unseren Geschäftsprozessen und Investitionsentscheidungen haben wir ein ‚AAA‘ ESG Rating von MSCI (Stand: März 2026). 2025 erwirtschafteten unsere 156.000 motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Konzern einen Umsatz von 186,9 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 17,4 Milliarden Euro.

* Die Kundenanzahl spiegelt nur die Allianz Kundinnen und Kunden in konsolidierten Unternehmen wider, die zum Umfang der Kundenberichtserstattung gehören.

** Stand: 31. Dezember 2025.

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen: