Allianz Global Pension Report 2020: Der Silberne Schwan

Der Allianz Global Pension Report analysiert mit Hilfe des eigenen „Allianz Pension Index“ (API) Rentensysteme rund um den Globus. Der Index folgt einer einfachen Logik: Er beginnt mit der Analyse der demographischen und fiskalischen Grundvoraussetzungen und fährt dann fort, die beiden Hauptdimensionen eines jeden Rentensystems zu untersuchen: Nachhaltigkeit und Angemessenheit. Der Index ruht daher auf drei Sub-Indizes und berücksichtigt insgesamt 30 Parameter, die Werte zwischen 1 und 7 annehmen können, wobei 1 den besten Wert bezeichnet. Mit der gewichteten Summe aller Parameter weist der API jedem der analysierten 70 Länder einen Wert zwischen 1 und 7 zu und erlaubt so eine umfassende Einschätzung des jeweiligen Systems.

Die Dramatik des bevorstehenden demographischen Wandels lässt sich am besten anhand des Altersquotienten zeigen: bis zum Jahr 2050 wird er um 77% auf 25% steigen – und damit schneller als in den 70 Jahren davor. In vielen Entwicklungsländern wird sich der Altersquotient in den nächsten drei Jahrzehnten verdoppeln, in Europa und Amerika benötigte diese Entwicklung noch mehr als doppelt so lange. Das bekannteste Beispiel ist China, wo der Altersquotient von 17% auf 44% ansteigen dürfte. In den Industrieländern dagegen ist vor allem die absolute Höhe problematisch, in Westeuropa zum Beispiel wird er auf 51% klettern.

Diese Entwicklung wird im ersten Sub-Index des API aufgenommen, die die Ausgangs-bedingungen misst: finanziellen Spielraum und demographischen Wandel. Wenig überraschend schneiden hier viele Entwicklungsländer in Afrika und Asien relativ gut ab, da dort die Bevölkerung noch jung und öffentliche Defizite und Schulden eher niedrig sind. Auf der anderen Seite erzielen europäische Länder wie Portugal oder Italien die schlechtesten Werte: eine alte Bevölkerung trifft auf hohe Schulden. „Der zweite Sub-Index des API ist die Nachhaltigkeit und misst, wie Systeme auf den demographischen Wandel reagieren. Gibt es eingebaute Stabilisatoren oder fällt das System auseinander, wenn eine sinkende Zahl an Einzahlern einer immer größeren Zahl an Rentenempfängern gegenüber steht? Eine wichtige Stellgröße in diesem Zusammenhang ist das Rentenalter. 1950 konnte ein 65 Jahre alter Mann in Nordamerika oder Europa erwarten, bis zu seinem Tod noch etwa 12,5 Jahre im Ruhestand zu verbringen; heute liegt diese Zahl bereits bei 17,6 Jahren und bis zum Jahr 2050 wird sie auf 20,8 Jahre ansteigen. In der Konsequenz verschiebt sich damit das Verhältnis der Zeitspannen von Erwerbsleben und Ruhe-stand signifikant. Länder, die das Rentenalter oder Rentenleistungen an die Lebenswertwartung koppeln, wie beispielsweise die Niederlande, haben daher ein nachhaltigeres Rentensystem als solche Länder, in denen die weitere Erhöhung des Rentenalters ein politisches Tabu darstellt.

Der dritte Sub-Index des API analysiert die Angemessenheit des Rentensystems, also die Frage, ob das System einen angemessenen Lebensstandard im Alter sicherstellt. Wichtige Stellschrauben sind hier der Abdeckungsgrad – d.h. wie groß ist der Anteil der Erwerbsbevölkerung und der Menschen im Rentenalter, die vom System erfasst werden? – die Rentenhöhe – d.h. wieviel Rente (gemessen am Durchschnittseinkommen) bezieht ein durchschnittlicher Rentner? – und schließlich die Existenz einer zweiten, kapital-gedeckten Säule und weiterer Quellen für Alterseinkommen. Insgesamt ist der durchschnittliche Wert für Angemessenheit (3,7) leicht höher als der für Nachhaltigkeit (4,0), ein Hinweis darauf, dass viele Rentensysteme ein größeres Gewicht auf die Wohlfahrt der heutigen Rentnergeneration legen als auf die der zukünftigen Beitragszahler. Die Länder, die hier am besten abschneiden, sind entweder Länder, die immer noch großzügige staatliche Rentensysteme haben, zum Beispiel Österreich oder Italien, oder Länder mit einer starken zweiten und dritten Säule, wie die Niederlande und Neuseeland.

Werden die Werte aller drei Sub-Indizes zusammengenommen, ergibt sich der Gesamtwert des API: Schweden, Belgien und Dänemark sind dabei die drei Länder mit den relativ besten Rentensystemen weltweit.

Der Bericht ist nur auf Englisch verfügbar.

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Michaela Grimm
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Arne Holzhausen
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