Coronavirus und Telemedizin

Falls es vorher noch nicht klar gewesen war, ist es das spätestens jetzt. Die Coronavirus-Pandemie und die daraus resultierenden Ausgangssperren auf der ganzen Welt haben die Relevanz der Digitalisierung nochmals verdeutlicht. 

Arbeiten von zu Hause aus, virtuelle Meetings und Vorlesungen, Online-Shopping, Videoanrufe, um Familie und Freunde zu sehen... eine Vielzahl digitaler Dienste ermöglicht es Unternehmen, Einrichtungen und Personen, den Betrieb bzw. Alltag auch während der ausgedehnten globalen Krise am Laufen zu halten. 

Jetzt, wo Covid-19 im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, werden Patienten mit chronischen Krankheiten oder mäßigen Beschwerden Opfer von Kollateralschäden. Da die medizinischen Fachkräfte und Systeme unter starker Belastung stehen, kämpfen diese Patienten länderübergreifend um ihre Versorgung. 

Der Einstieg in die Telemedizin – das Angebot von Gesundheitsdiensten und -informationen mit Hilfe digitaler Kommunikationstechnologien – hat das Potenzial, das Gesundheitssystem zu entlasten. 

Neben der Beratung und Unterstützung von Patienten kann die Telemedizin dazu beitragen, die Verbreitung des Virus zu reduzieren, indem sie die Zahl von Praxis- und Krankenhausbesuchen und damit die Ansteckungsgefahr reduziert. 

Was ist Telemedizin?

Die Telemedizin ermöglicht Patienten und auch medizinischem Personal Zugang zu Beratung, Betreuung, (Termin-)Erinnerungen, Aufklärung, Intervention, Überwachung und Fernzugriff auf Dokumente mit digitaler Hilfe. 

Neben klinischen Diensten wie Ferndiagnose und -überwachung kann Telemedizin auch nicht-klinische Dienste wie Aus- und Weiterbildung einschließen. 

Das Konzept gibt es bereits seit zwei Jahrzehnten, und seine Akzeptanz nimmt langsam zu, da sich die Internet-Infrastruktur verbessert und die Menschen mit digitaler Kommunikation immer vertrauter werden. 

Gesundheit in den Zeiten von Covid-19

Bei der Allianz haben mehrere Einheiten Telemedizin und ähnliche Dienste in ihr Angebot aufgenommen. Allen voran steht Medi24, eine in der Schweiz ansässige Telemedizin-Tochtergesellschaft von Allianz Partners. Medi24 wurde 1999 gegründet und verfügt über 25 Ärzte und 80 Krankenschwestern, die rund um die Uhr medizinische Dienstleistungen in Englisch, Deutsch, Italienisch und Französisch anbieten. Mehr als 4,6 Millionen Menschen haben über ihre Gesundheitsdienstleister Zugang zu Medi24. Darunter sind auch Versicherte der Allianz Private Krankenversicherung in Deutschland. Sie können den Dienst über die Funktion „Doc On Call“ in ihrer Krankenversicherungs-App aufrufen. 

Neben allgemeinen medizinischen Ratschlägen und Anleitungen zur Selbstversorgung bietet Medi24 auch Beratung zu schwerwiegenden Erkrankungen sowie Notfall- und Praxistelefonverbindungen für Arzt- und Krankenhausnetzwerke an. 

Als Produkt-Hub und Kompetenzzentrum für Telemedizin in der Allianz Gruppe hat Medi24 seit seiner Gründung 5,1 Millionen telemedizinische Beratungen abgewickelt. Täglich werden bis zu 6.000 Anrufe bearbeitet; 94 Prozent der Kunden berichten, dass sie mit dem Service zufrieden oder sehr zufrieden waren. 

Für Corona-Fragen hat Medi24 eine spezielle Hotline eingerichtet. Der Anrufer wird an einen telemedizinischen Fachberater weitergeleitet, der entscheidet, ob der Fall online von einem Arzt bearbeitet werden kann oder ein physisches Eingreifen erforderlich ist - oft reicht die Selbstbehandlung des Patienten aus. Ein digitaler „Symptom-Checker“ auf der Website lässt die Menschen besser abschätzen, ob sie tatsächlich infiziert sind. Bis zu 40.000 Nutzer haben den Checker in jüngster Vergangenheit besucht.

Medi24-CEO Lebrecht Gerber sagt: „Seit es uns gibt, haben wir schon sehr, sehr vielen Kunden geholfen. Aber Zeiten wie diese zeigen, dass die Menschen offen für Innovationen im Gesundheitswesen sind. Der neue Corona-Check, den wir zügig hinzugefügt haben, hat unser Leistungsversprechen noch verbessert und bewiesen, dass die Menschen bereit sind für digitale Dienste.“

Die Tochtergesellschaft erforscht den Einsatz von auf künstlicher Intelligenz basierenden Symptom-Checkern zur effizienteren Steuerung von Patienten, Wearables und Diagnostik-Tools, um die Bedürfnisse der Patienten besser zu verstehen und sie zu den nächstgelegenen Gesundheitseinrichtungen verweisen zu können. 

Im vergangenen Monat hat Medi24 über 70.000 Anrufe bearbeitet, 34 Prozent mehr als vor einem Jahr. Davon entfielen 30.000 Anrufe auf das Coronavirus. Das Unternehmen hat fast 40.000 digitale Covid-19-Bewertungen durchgeführt. Etwa 60 Prozent davon konnten durch die medizinische Beratung mit Empfehlung zur Selbstbehandlung gelöst werden. Damit blieben den Patienten etwa 40.000 Arztbesuche erspart.

Warum Telemedizin 

Die Telemedizin bietet viele Vorteile sowohl für Patienten als auch für medizinisches Personal. Der Medizinsektor steht heute vor vielen Herausforderungen: demografische Veränderungen wie eine alternde Bevölkerung in vielen Regionen, eine begrenzte Verfügbarkeit von Ärzten in ländlichen Gebieten, überfüllte Wartezimmer, steigende Gesundheitskosten und die Nachfrage der Patienten nach mehr Komfort und digitalen Angeboten.

Die Telemedizin ermöglicht es den Patienten, Dienstleistungen direkt vom Wohnzimmer aus statt aus dem Wartezimmer zu nutzen, sie ermöglicht den Zugang zu medizinischer Versorgung rund um die Uhr und bietet zudem medizinische Soforthilfe in Form von elektronischen Rezepten. Die Sprachbarriere kann auch für Menschen wie Expats und Reisende überwunden werden, die möglicherweise in der Fremde Hilfe benötigen. 

Mit der zunehmenden Isolation durch aktuelle Ausgangsbeschränkungen rückt auch die psychische Gesundheit mehr in den Mittelpunkt. Wer von der Situation emotional bzw. psychisch belastet ist, kann über Telemedizin einfach und rechtzeitig mit Fachleuten sprechen. 

Globaler Bedarf

Allianz Partners ist dabei, Telemedizin und telemedizinische Dienste in ihre weltweiten Aktivitäten zu integrieren. Beispielsweise bietet Allianz Partners in Frankreich, Spanien und Italien einen Telekonsultationsdienst an, bei dem Patienten über eine App zu einem gewünschten Zeitpunkt mit Ärzten in Verbindung treten können. Neben der Erstdiagnose stellen die Ärzte Rezepte aus und überweisen bei Bedarf an Spezialisten. 

Die Ärztin Yael Ichay, die das Telekonsultationsprogramm von Allianz Partners in Frankreich leitet, stellt fest, dass solche Sitzungen im März, als das Virus sich sprunghaft verbreitet hatte, im Vergleich zum Vormonat um das sechsfache angestiegen waren. „Fast 30 Prozent der Fälle betrafen das Coronavirus“, fügt sie hinzu. Die meisten Anrufe kamen aus Frankreich, aber einige auch aus den USA und Großbritannien. „Abgesehen davon, dass es in dieser entscheidenden Zeit nicht leicht ist, Ärzte zu finden, sehen die Patienten auch die Vorteile des 24/7-Service. Einige werden ihn wohl auch nach dem Ende der Krise weiter nutzen“, sagt sie. 

Allianz Partners hat sich mit dem bekannten Albert-Einstein-Krankenhaus in Brasilien für Telekonsultationen zusammengeschlossen, in Australien greift man hingegen für solche Dienstleistungen auf den Anbieter Doctors On Demand zurück. 

Ähnliche Initiativen werden auf der ganzen Welt, von Europa bis zum asiatisch-pazifischen Raum, untersucht. 

„Telemedizin kann den Zugang zu medizinischer Versorgung für Millionen, ja sogar Milliarden von Menschen verbessern“, sagt Milan Kingreen, der als Head of Digital Access to Care Initiative bei Medi24 die Telemedizin bei Allianz Partners internationalisiert. „Diese Pandemie hat gezeigt, dass die Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt – ob reich oder arm – anfällig für plötzliche Schocks sind. Eine breitere Akzeptanz solcher Konzepte könnte einen großen Beitrag dazu leisten, neue Wege zur Gesundheitsversorgung zu eröffnen, insbesondere in Regionen mit begrenzten Ressourcen“. 

Im gleichen Bereich gibt noch weitere Initiativen innerhalb der Allianz Gruppe. Allianz X, die digitale Investitionseinheit der Gruppe, hat in die führende US-amerikanische Telemedizin-Plattform American Well sowie in die Gesundheitsdienstleister BIMA und Halodoc investiert. „Einige unserer Portfoliounternehmen beweisen, dass Telemedizin ein enormes Potenzial zur Bewältigung und Milderung solcher Krisen bietet“, sagt Nazim Cetin, CEO Allianz X. „AmWell hat beispielsweise ein US-weites Programm gestartet, um sicherzustellen, dass die Telemedizin als erste Verteidigungslinie gegen Covid-19 eingesetzt wird. Ebenso hat sich BIMA mit der pakistanischen Regierung zusammengetan, um der Öffentlichkeit kostenlose Telegesundheitsdienste im Zusammenhang mit Coronaviren zur Verfügung zu stellen“.

Dass immer mehr Menschen Zugang zur digitalen Gesundheitsfürsorge finden, lässt die Möglichkeiten in diesem Bereich wachsen. Die Allianz Digital Health (ADH), die von Birgit König geleitet wird, hat sich zum Ziel gesetzt, Krankenversicherer weltweit, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Allianz, zu modernisieren und zu digitalisieren. Derzeit arbeitet die ADH mit der App Vivy an der Entwicklung einer globalen Gesundheitsplattform, die die einzelnen Lösungen aus den verschiedenen Einheiten der Gruppe zusammenführen soll. 

Jede Krise, mit der die Welt konfrontiert war, hat in vielen Fällen das Verhalten zum Besseren verändert. Welche Verhaltensweisen sich durch die Coronavirus-Pandemie ändern werden, wird sich zeigen, wenn die Krankheitswelle abgeklungen ist - hoffentlich früher als befürchtet. 

Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 100 Millionen Privat- und Unternehmenskunden in mehr als 70 Ländern. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit größten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von über 766 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors 1,7 Billionen Euro für Dritte. Mit unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir der führende Versicherer im Dow Jones Sustainability Index. 2019 erwirtschafteten über 147.000 Mitarbeiter für die Gruppe einen Umsatz von 142 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 11,9 Milliarden Euro.

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.

Pressekontakte

 

Flavia Genillard
Allianz SE

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
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