Warum fühlen wir uns in einer vernetzten Welt allein? Einblicke in die Allianz Studie „Sense of Community“
Was ist die Allianz Sense of Community Studie?
Die Allianz Studie Sense of Community untersucht, wie Menschen Zugehörigkeit heute erleben, wodurch sie belastet wird und wie sie sich wieder aufbauen lässt. Im Auftrag der Allianz führte die Forschungsagentur STURMundDRANG eine Online-Ethnografie durch. Teilnehmende in den USA, Deutschland, Italien, Indonesien und Brasilien hielten dafür 2026 sieben Tage lang ihren Alltag in täglichen Videotagebüchern fest.
Die Studie ist Teil von „Power of Unity“, dem mehrjährigen Allianz Programm, das im November 2024 gestartet wurde, um dem Vertrauensverlust in gesellschaftliche Institutionen entgegenzuwirken. Während der Allianz Social Resilience Index gesellschaftliche Resilienz misst, fragt diese Studie danach, wie Menschen sie erleben. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie die Allianz wirtschaftliche Stabilität und Wohlstand zum Nutzen unserer Kundinnen und Kunden sowie der Gesellschaft fördern kann.
Was hat die Studie ergeben?
Die größte Bedrohung für Gemeinschaft ist nicht offene Polarisierung, sondern Rückzug. In allen fünf Märkten beschrieben Menschen, dass sie sich aus alltäglichen Kontakten zurückziehen, noch bevor es zu einem Konflikt kommt.
Die Studie bezeichnet diese verlorene Fähigkeit als social confidence: das Vertrauen in sich selbst, in andere und in das System, das Menschen benötigen, um sich auf gesellschaftliches Miteinander einzulassen, sich darin zurechtzufinden, es zu pflegen und gestörte Beziehungen wiederherzustellen. Social confidence ist demnach wie ein Muskel, der durch Training wächst, derzeit aber zunehmend verkümmert.
Der Wunsch nach Gemeinschaft ist jedoch nicht verschwunden. Die Teilnehmenden sehnten sich weiterhin nach Zugehörigkeit; verloren gegangen war vielmehr die Bereitschaft, entsprechend zu handeln. Die Studie beschreibt einen Teufelskreis: Vorsichtige, distanzierte Begegnungen erzeugen weniger Nähe. Das bestätigt die eigene Zurückhaltung, sodass Menschen sich noch weiter zurückziehen. Häufig suchen sie Zuflucht in maßgeschneiderten digitalen oder analogen Blasen. Wer sich nur mit Gleichgesinnten umgibt, die die eigenen Ansichten bestätigen, verlernt zunehmend, sich mit anderen Positionen auseinanderzusetzen. Dadurch verlieren Menschen nicht nur Vertrauen, sondern auch die Übung, die sie brauchen, um Debatten zu führen. Der soziale Muskel verkümmert weiter.
Alle Namen der Teilnehmenden sind Pseudonyme. Zum Schutz ihrer Privatsphäre werden Altersgruppen angegeben.
Was ist social confidence?
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| Dimension | Worum es geht | Was Menschen heute sagen |
| Vertrauen in sich selbst | Die Fähigkeit, sich einzubringen | „Ich bezweifle, dass ich die Energie, die Fähigkeiten und die emotionale Stärke habe, um teilzunehmen und etwas beizutragen.“ |
| Vertrauen in andere | Zwischenmenschliche Sicherheit | „Ich bezweifle, dass andere mir mit Wohlwollen, Anerkennung und Fairness begegnen.“ |
| Vertrauen in Systeme | Ob das Umfeld funktioniert | „Ich bezweifle, dass Rahmenbedingungen, Regeln, Institutionen und Strukturen eine sichere, sinnvolle und zugängliche Teilhabe ermöglichen.“ |
Warum ist es heute schwieriger dazuzugehören?
Welche Überzeugungen halten Menschen zurück?
Überzeugung 1. „Digital sind wir scheinbar stärker verbunden, doch wir fühlen uns dadurch einsamer.“
„Wir glauben, wir seien hypervernetzt ... doch in Wirklichkeit sind wir zunehmend allein.“ (Lorena, Italien, 30–39 Jahre)
Überzeugung 2. „Ich kann anderen nicht vertrauen. Sie urteilen über mich und reden hinter meinem Rücken.“
„Man muss sehr genau aufpassen, was man sagt, wie man es sagt und zu wem ...“ (Iris, Deutschland, 20–29 Jahre)
Überzeugung 3. „Fürsorge ist zu einer riskanten Abwägung geworden.“
„Sie melden sich nur bei mir, wenn sie etwas brauchen.“ (Rocco, Italien, 20–29 Jahre)
Überzeugung 4. „Mir fehlen die Menschen. Die kleinsten Zeichen von Menschlichkeit sind selten und dadurch besonders wertvoll geworden.“
„Wenn ich sehe, dass die Augen lächeln ... dann spüre ich etwas.“ (Hazar, Deutschland, 40–49 Jahre)
Überzeugung 5. „Sicher ist nur eine Gemeinschaft, in der alle gleich denken.“
„Was uns fehlt, ist, dass Menschen sich mit anderen zusammensetzen, die nicht in ihrer eigenen Blase leben.“ (Gael, Brasilien, 20–29 Jahre)
Die vierte Überzeugung eröffnet einen Ausweg. Dieselben Menschen, die ihren Rückzug beschreiben, wünschen sich alltägliche menschliche Begegnungen stärker als früher.
Was lässt eine Gemeinschaft gedeihen?
Die Studie nennt vier Bedingungen.
- Kontakte sind unkompliziert, lokal und wiederholbar. Durch Wiederholung werden aus Fremden vertraute Menschen.
- Menschen fühlen sich gesehen und nicht nur einbezogen. Kleine Zeichen der Anerkennung sind der erste Beleg dafür, dass Kontakt erwünscht ist.
- Unterschiede bedrohen die Zugehörigkeit nicht, weil Toleranz aktiv moderiert wird.
- Der Beitrag beruht auf Gegenseitigkeit, sodass alle von der Teilnahme profitieren.
Unterscheidet sich das Gemeinschaftsgefühl von Land zu Land?
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| Markt | Wie sich Zurückhaltung zeigt | Zentrale emotionale Logik |
| Deutschland | Meinungen werden schnell moralisch bewertet. Menschen achten darauf, was sie zu wem sagen, und ziehen sich aus aufgeladenen Themen zurück. | „Ich könnte es falsch ausdrücken.“ |
| USA | Zurückhaltung ist mit Identität, Politik und Medien verknüpft. Der nationale Diskurs wirkt polarisiert, das Leben vor Ort weniger. | „Ich muss wissen, dass dieser Raum sicher ist, bevor ich ich selbst sein kann.“ |
| Italien | Weniger offene Aggression, dafür mehr emotionaler Selbstschutz. Offenheit wird geschätzt, fühlt sich aber riskant an. | „Ich wünsche mir Offenheit, aber nicht um den Preis emotionaler Verletzlichkeit.“ |
| Indonesien | Das Streben nach Harmonie führt dazu, dass Konflikte eher verdrängt als offen angesprochen werden. Spannungen verlagern sich unter die Oberfläche. | „Ich bleibe höflich, ziehe mich aber zurück.“ |
| Brasilien | Gemeinschaften verstehen sich als offen, doch Unterschiede können bewertet oder ausgegrenzt werden. | „Wenn ich hier nicht akzeptiert werde, finde ich anderswo Zugehörigkeit.“ |
In jedem Markt gibt es weiterhin kulturelle Anknüpfungspunkte, die Gemeinschaft stiften: Vereinskultur und Grillabende in Deutschland, interessen- und zweckorientierte Gruppen in den USA, alltägliche Anerkennung in Italien, dirangkul, also das Aufgenommenwerden in eine Gruppe, in Indonesien sowie mutirão, das gemeinsame Lösen eines Problems, in Brasilien.
Ein hoher Wert bei der gesellschaftlichen Resilienz beseitigt die alltägliche Erfahrung von Zurückhaltung nicht. Deutschland belegt im Allianz Social Resilience Index Platz 8 von 171 Volkswirtschaften. Dennoch berichteten deutsche Teilnehmende, dass sie genau darauf achten, was sie zu wem sagen, und sich aus aufgeladenen Themen zurückziehen.
Wer hat womit am meisten zu kämpfen?
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| Gruppe | Was sie hindert | Was sie zurückbringt |
| Generation Z und Millennials | Vertrauen in sich selbst. Viele berichten, dass sie verlernt haben, ein persönliches Gespräch zu beginnen. | Eine möglichst niedrige Zugangshürde. |
| Generation X und Babyboomer | Vertrauen in Systeme. Rascher Wandel fühlt sich selbst am eigenen Wohnort wie ein Bruch an. | Fähigkeiten weitergeben und Institutionen, die langfristig Verantwortung übernehmen. |
| Frauen | Höhere Sensibilität für unmoderierte Spannungen und alltägliche Aggression im öffentlichen Raum. | Räume, die sichtbar von geschulten Moderatorinnen und Moderatoren begleitet werden. |
| Männer | Rückzug in die Isolation und Zurückhaltung gegenüber Formaten, bei denen Gespräche im Mittelpunkt stehen. | Eine gemeinsame Aufgabe oder ein praktisches Projekt. |
| Teilnehmende aus ländlichen Gebieten | Etablierte Kreise bestimmen den Zugang zu bestehenden Strukturen. | Eine vermittelnde Person, die Neuzugezogene einbindet. |
| Teilnehmende aus Städten | Reizüberflutung und Anonymität zugleich. | Den Bezirk auf die unmittelbare Nachbarschaft herunterbrechen. |
Welche Rolle kann die Allianz spielen?
Die Studie zieht eine klare Grenze: Es geht darum, die Voraussetzungen für Gemeinschaft zu schaffen, nicht darum, sie zu vereinnahmen. Nach Aussage der Teilnehmenden ist institutionelles Engagement glaubwürdig, wenn es bereits sichtbar wird, bevor Dienstleistungen angeboten werden, und wenn es Bestehendes unterstützt. Es sollte zudem lokal und greifbar bleiben, Eigenständigkeit wahren und sich im Alltag als nützlich erweisen, nicht erst in Notfällen.
Daraus ergibt sich für die Allianz ein Rollenwechsel: weg vom Schutz Einzelner nach einem Verlust, hin zur Stärkung von social confidence, bevor Menschen sich zurückziehen. Die Studie schlägt drei Handlungsfelder vor, eines für jede Dimension von social confidence.
- Menschen lokal verankern: niedrigschwelliger Zugang zu lokalen Räumen und gemeinsamen Ritualen, an denen man teilnehmen kann, ohne Geld ausgeben zu müssen.
- Gastgeberinnen und Gastgeber von Gemeinschaften stärken: Unterstützung für Organisierende, Moderierende und Ehrenamtliche, die Gemeinschaften zusammenhalten, damit lokale Verantwortliche mehr bewirken können und sich weniger allein fühlen.
- Vertrauen in gemeinsames Handeln stärken: Vorsorge im Alltag und praktisches gemeinsames Handeln, damit Menschen das Gefühl haben, die Zukunft mitgestalten zu können.
Was unternimmt die Allianz darüber hinaus?
Was kann ich in meiner eigenen Nachbarschaft tun?
- Regelmäßigkeit schaffen: Ein wiederkehrender Treffpunkt, der wenig Aufwand erfordert, bewirkt mehr als eine einmalige Großveranstaltung.
- Kosten als Zugangshürde beseitigen: Wählen Sie einen Ort, an dem niemand etwas kaufen muss, um bleiben zu können.
- Menschen mit Namen ansprechen: Begrüßt oder wiedererkannt zu werden, ist der erste Beleg dafür, dass Kontakt erwünscht ist.
- Eine Aufgabe anbieten, nicht nur ein Gespräch: Gemeinsames Tun eröffnet Menschen einen Weg zurück, denen Gespräche zu viel persönliche Offenheit abverlangen.
- Die gastgebende Person unterstützen: Gemeinschaften sind auf Organisierende, Moderierende und Ehrenamtliche angewiesen, die sich kontinuierlich engagieren.
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Über die Allianz
Letzte Aktualisierung: 23. September 2026
Der Allianz Konzern ist einer der weltweit führenden Versicherer und Vermögensverwalter, aktiv in fast 70 Ländern, mit rund 97 Millionen Privat- und Firmenkundinnen und -kunden*. Unsere Kundinnen und Kunden profitieren von einem breiten Angebot an Privat- und Unternehmensversicherungen, darunter Sach-, Lebens- und Krankenversicherungen sowie Assistance-Dienstleistungen, Kreditversicherungen bis hin zur globalen Industrieversicherung. Bereits zum siebten Mal in Folge wurde Allianz im Interbrand Ranking ‚Best Global Brands 2025' als weltweit führende Versicherungsmarke ausgezeichnet. Dieser Erfolg basiert auf einer technologiegestützten Kundenfokussierung – wir bieten unseren Kundinnen und Kunden Sicherheit, Schutz und Prävention und stärken die Resilienz von Menschen, Gemeinschaften und Gesellschaften. Wir sind einer der weltweit größten Investoren und betreuen im Auftrag unserer Versicherungskundinnen und -kunden ein Investmentportfolio von etwa 791 Milliarden Euro**. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors etwa 2,2 Billionen Euro** für Dritte. Dank unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unseren Geschäftsprozessen und Investitionsentscheidungen haben wir ein ‚AAA‘ ESG-Rating von MSCI (Stand: März 2026). 2025 erwirtschafteten unsere 156.000 motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Konzern einen Umsatz von 186,9 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 17,4 Milliarden Euro für unsere Aktionärinnen und Aktionäre.
* Stand: 31. Dezember 2025. Die Kundenanzahl spiegelt nur die Allianz Kundinnen und Kunden in konsolidierten Unternehmen wider, die zum Umfang der Kundenberichtserstattung gehören.
** Stand: 30. Juni 2026.