Blended Finance skalieren

Vom Maßanzug zur Konfektionskleidung: SCALED soll Milliarden für nachhaltige Entwicklung mobilisieren

Das Unternehmen setzt die  SCALED-Initiative (Scaling Capital for Sustainable Development) um, eine globale öffentlich-private Plattform. Diese bringt sechs Regierungen – Kanada, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Südafrika und das Vereinigte Königreich – sowie vier institutionelle Investoren – Allianz, AXA, La Caisse und Zurich – zusammen. Die OECD und die IDB-Gruppe unterstützen SCALED als Wissenspartner, während die GIZ das Sekretariat trägt. Die Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, Milliarden an privatem Kapital für nachhaltige Entwicklung in Schwellenländern zu mobilisieren. 

Martin Ewald [ME] , Geschäftsführer von SCALED Development, und Dr. Udo Riese [UR] , Leiter des Bereichs Nachhaltige Investitionen bei Allianz Investment Management, erläutern, warum die Plattform notwendig ist, was diese Partnerschaft auszeichnet und wie sich der Erfolg messen lässt.

Logo von Scaled. Kapitalbeschaffung für nachhaltige Entwicklung

ME: Nicht ganz. Kapital ist vorhanden. In den Schwellenländern besteht ein echter Investitionsbedarf: erneuerbare Energien, nachhaltige Infrastruktur, Verkehr und vieles mehr. Das Problem ist nicht Kapitalknappheit – es ist die Finanzierungsarchitektur.

„Blended Finance“ führt öffentliches und privates Kapital in einer Struktur zusammen. Öffentliche Geldgeber – Regierungen oder Entwicklungsbanken – stellen Kapital bereit, das Risiken abfedert, wodurch die Beteiligung für private Investoren sicherer wird. Theoretisch ist dies eine elegante Lösung.

In der Praxis wird jede Struktur in der Regel von Grund auf neu aufgebaut. Öffentliche Geldgeber bringen unterschiedliche Mandate, Berichtsvorschriften und Einschränkungen mit. Private Investoren bringen ihre eigenen Anforderungen hinsichtlich Risiko, Rendite und Abwicklung mit. Vermögensverwalter müssen all dies mit der Realität vor Ort in Einklang bringen. Das Ergebnis ist ein Prozess, der Jahre dauert – Jahre, in denen Menschen auf sauberes Wasser, zuverlässige Stromversorgung oder Hochwasserschutz warten. Das sind die wahren Kosten eines fragmentierten Systems.

UR: Für einen Versicherer wie die Allianz ist der Ausgangspunkt nicht verhandelbar: Wir investieren das Geld unserer Versicherungsnehmer. Das bedeutet strenge Anforderungen an Unternehmensführung, Rendite, Risiko und Transparenz.

Viele Investitionen in Schwellenländern entsprechen diesem Profil nicht. Währungsschwankungen, unsichere Rechtssysteme und schwer durchsetzbare Gesetze erschweren ihre Bewertung – selbst wenn die zugrunde liegenden Vermögenswerte solide sind. Eine Windkraftanlage in Kenia ist dieselbe wie eine in Großbritannien, und der Wind ist auch derselbe. Wie Martin sagte, liegt das Problem in der Investitionsarchitektur.

UR: Ja. SCALED wird nicht jede Herausforderung im Bereich der nachhaltigen Entwicklungsfinanzierung lösen und auch keine finanzierbaren Projekte schaffen, wo es keine gibt. Aber es zielt auf etwas Wesentliches ab: institutionelle Investoren in die Lage zu versetzen, Kapital schneller, effizienter und in größerem Umfang über standardisierte Blended-Finance-Strukturen einzusetzen, die sie tatsächlich nutzen können.

ME: Stellen Sie sich SCALED so vor, als würde der Markt von Maßanfertigungen zu hochwertiger Konfektionskleidung übergehen.

In meiner früheren Tätigkeit habe ich zwei Blended-Finance-Fonds aufgebaut – einen für globale Infrastruktur in Schwellenländern und einen für Private Equity und Risikokapital in Afrika. Trotz ähnlicher Ziele waren sie völlig unterschiedlich: unterschiedliche Rechtsstrukturen, unterschiedliche Kapitalarten, unterschiedliche Regierungen und Anforderungen. Die Erfahrungen aus dem einen ließen sich nicht unbedingt auf den anderen übertragen, und der Aufbau jedes einzelnen Fonds nahm Zeit in Anspruch. Das ist die Norm in diesem Markt.

SCALED entwickelt Blaupausen. In Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Partnern schafft das Unternehmen standardisierte Rahmenbedingungen, einheitliche Berichtsstrukturen und eine wiederverwendbare Finanzierungsarchitektur. Nicht jede Komponente lässt sich übertragen – Märkte und Manager unterscheiden sich –, aber wenn 70–80 % wiederverwendet werden können, sinken die Kosten und der Zeitaufwand für den Kapitaleinsatz drastisch.

Das ist es, was SCALED auszeichnet: Es ist eine institutionelle Lernmaschine. Jedes Mal, wenn wir einen Berichts-Konflikt lösen oder ein Strukturierungsproblem meistern, wird diese Lösung Teil der Plattform – und steht damit für das nächste Vehikel zur Verfügung, das möglicherweise von einem anderen Investmentpartner vor Ort verwaltet und mit Kapital ausgestattet wird. In privaten Märkten bleibt Wissen in der Regel in einzelnen Transaktionen oder Teams eingeschlossen. SCALED durchbricht diesen Kreislauf.

Entscheidend ist, dass SCALED kein Konkurrent von Vermögensverwaltern, öffentlichen Geldgebern oder Investoren ist. Es ist die verbindende Infrastruktur, die das System als Ganzes besser macht: Sie sorgt frühzeitig für die Abstimmung der Interessen, identifiziert, wo öffentliches und privates Kapital zusammengeführt werden können, und bringt die richtigen Investoren mit den richtigen Teams zusammen.

UR: Die Allianz ist einer der Partner aus der Privatwirtschaft und einer der Anteilseigner von SCALED. Dabei handelt es sich nicht um eine herkömmliche Finanzinvestition – es ist ein strategisches Engagement, um die Funktionsweise des Marktes mitzugestalten.

Die Logik hat ihren Ursprung bei der Allianz. Wir nutzen seit langem Fondsstrukturen, bei denen mehrere Vermögensverwalter innerhalb eines gemeinsamen rechtlichen und operativen Rahmens agieren. Das spart erheblich Zeit und Kosten. Die Frage war, ob dasselbe Prinzip auch bei der Blended Finance funktionieren könnte – und SCALED ist die Antwort darauf.

Allerdings kann dies nicht allein vom privaten Sektor geleitet werden. Öffentliches Kapital ist strukturell von zentraler Bedeutung für die Blended Finance, und die Glaubwürdigkeit von SCALED hängt von der Stärke und Ausgewogenheit seiner Mitglieder ab. Die Allianz bringt die Disziplin eines Investors, operative Erfahrung und ein Signal an den Markt mit, dass institutionelle Investoren es ernst meinen. Aber die Allianz ist eine Stimme unter vielen – und genau diese Ausgewogenheit macht SCALED glaubwürdig.

ME: Vor allem Vertrauen. Die gemeinsame Eigentümerstruktur – Regierungen und private Investoren sind Miteigentümer der Plattform – fördert eine Offenheit, die ein rein privates oder rein öffentliches Vehikel nicht nachbilden kann. Beide Seiten sprechen offen über ihre Bedürfnisse, weil beide mit eigenem Einsatz dabei sind.

UR: Außerdem führt dies zu konkreten Durchbrüchen. Zum ersten Mal stimmen die Regierungen in der Koalition ihre Anforderungen an das Nachrangkapital – also die öffentlichen Mittel, die erste Verluste auffangen und so die Investoren schützen – untereinander ab. Das ist ein kleiner, aber bedeutender technischer Schritt. Ein Fondsmanager kann nun bei mehreren öffentlichen Partnern nach dem gleichen Schema vorgehen, anstatt mit jedem von Grund auf neu zu verhandeln. Eine solche Abstimmung ist ohne eine gemeinsame institutionelle Heimat nicht möglich.

UR: Es ist keine Philanthropie. Diese Unterscheidung ist wichtig. Wir brauchen risikobereinigte Renditen, die den Einsatz des Kapitals unserer Versicherungsnehmer rechtfertigen. Die Allianz verfolgt zudem Nachhaltigkeitsziele. Um unser derzeitiges Engagement in den richtigen Kontext zu setzen: Die Allianz verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bereich Blended Finance, allerdings bisher ohne spürbare Wirkung — weder auf unser Portfolio noch auf die Welt da draußen.

Wenn SCALED funktioniert, eröffnet es Möglichkeiten, die zuvor unzugänglich waren – nicht, weil die zugrunde liegenden Vermögenswerte keinen Wert hatten, sondern weil die Strukturen drumherum zu langsam und zu individuell waren, um sie bewerten zu können. Bessere Strukturen ermöglichen einen besseren Zugang.

Der tiefere Punkt ist, dass kommerzielle Logik und Wirkungslogik nicht im Widerspruch zueinander stehen. Länder benötigen Kapital für Entwicklungs- und Klimaziele. Private Investoren benötigen Strukturen mit angemessenen Risiko-Rendite-Profilen. Nichts davon funktioniert ohne das andere. SCALED ist darauf ausgelegt, diese Interessen miteinander zu verknüpfen, und wenn es gelingt, kann es dazu beitragen zu beweisen, dass nachhaltige Entwicklungsfinanzierung als etablierte Anlageklasse funktionieren kann und keine Nische sein muss.

ME: Auf jeden Fall zu früh. Die Gründung ist ein Meilenstein, nicht die Ziellinie. Wenn SCALED in drei Jahren zu einer funktionierenden Institution geworden ist – nicht nur zu einer vielversprechenden Initiative –, mit mehreren aufgesetzten Vehikeln, einer echten Standardisierung und einem verlässlichen Weg zu zwei Fonds pro Jahr, dann können wir das Wort „Erfolg“ verwenden.

UR: Damit SCALED erfolgreich ist, würde ich drei Dinge im Blick behalten:

  • Geschwindigkeit: Das Kapital soll die Projekte Jahre früher erreichen – idealerweise durch eine Halbierung des derzeitigen Zeitrahmens von fünf Jahren.
  • Größe: Die Fondsgrößen steigen von 500 Millionen Euro auf 1–2 Milliarden Euro, wodurch die Wirkung substanziell statt nur marginal wird.
  • Breite: Mehr Regierungen, mehr Investoren, mehr Vermögensverwalter auf der Plattform – denn nur so lässt sich erkennen, dass das Modell für den Markt funktioniert und nicht nur für die Gründungspartner.

Aber der entscheidende Maßstab ist einfacher: Erhalten mehr Gemeinden schneller Zugang zu sauberer Energie, sauberem Wasser und widerstandsfähiger Infrastruktur, als dies ohne SCALED der Fall gewesen wäre? Wenn ja, dann köpfen wir den Champagner.

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Eckdaten SCALED Development (GmbH)
Gründung Juni 2026 auf der Hamburg Sustainability Conference
Zweck Entwicklung standardisierter, skalierbarer Blended-Finance-Vehikel zur Mobilisierung privaten Kapitals für nachhaltige Entwicklung
Gründungsgesellschafter Allianz, Zurich, KfW (im Auftrag Deutschlands) und FinDev Canada (im Auftrag Kanadas)
Erfolgskennzahlen Halbierung der Zeit bis zum Kapitaleinsatz (von durchschnittlich 5 auf 2,5 Jahre) und Verdopplung der Fondsgröße (von durchschnittlich 500 Millionen Euro auf mehr als 1 Milliarde Euro) innerhalb der nächsten drei Jahre
Porträt von Martin Ewald, Geschäftsführer von SCALED Development

Martin Ewald
Geschäftsführer von SCALED Development

Porträt von Dr. Udo Riese, Leiter des Bereichs Nachhaltige Investitionen bei Allianz Investment Management

Dr. Udo Riese
Leiter des Bereichs Nachhaltige Investitionen bei Allianz Investment Management

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* Stand: 31. Dezember 2025. Die Kundenanzahl spiegelt nur die Allianz Kundinnen und Kunden in konsolidierten Unternehmen wider, die zum Umfang der Kundenberichtserstattung gehören.

** Stand: 31. März 2026.

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

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Eckdaten SCALED Development (GmbH)
Gründung Juni 2026 auf der Hamburg Sustainability Conference
Zweck Entwicklung standardisierter, skalierbarer Blended-Finance-Vehikel zur Mobilisierung privaten Kapitals für nachhaltige Entwicklung
Gründungsgesellschafter Allianz, Zurich, KfW (im Auftrag Deutschlands) und FinDev Canada (im Auftrag Kanadas)
Erfolgskennzahlen Halbierung der Zeit bis zum Kapitaleinsatz (von durchschnittlich 5 auf 2,5 Jahre) und Verdopplung der Fondsgröße (von durchschnittlich 500 Millionen Euro auf mehr als 1 Milliarde Euro) innerhalb der nächsten drei Jahre