Deutschlands Investitionslücke könnte seine größte Chance sein

Deutschland ist gut aufgestellt, um seinen derzeitigen Investitionsrückstand in einen kraftvollen neuen Wachstumszyklus zu verwandeln. Das zeigt eine Studie von Allianz Research, die im Vorfeld des "Invest in Germany Summit" der Bundesregierung veröffentlicht wurde. Der Studie zufolge fallen die langfristigen Stärken des Landes stärker ins Gewicht als die jüngsten Schwächen. Dies bestätigt die Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort. 

Deutschland vereint wirtschaftliche Stärke, Exportkraft, erstklassige Kreditwürdigkeit, Spitzenforschung und einen außergewöhnlich starken Mittelstand. Es ist weiterhin die größte Volkswirtschaft der EU und der drittgrößte Exporteur der Welt, das einzige G7-Land mit einem AAA-Rating aller drei großen Ratingagenturen und investiert 3,1 % seines BIP in Forschung und Entwicklung. Zum deutschen Mittelstand zählen rund 1.700 Hidden Champions, viele von ihnen Weltmarktführer, die etwa 25 % der deutschen Exporte erwirtschaften. Diese Kombination schafft eine solide Grundlage für eine Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum. 

Das größte Defizit lag bisher bei den Investitionen. Zwischen 2019 und 2025 gingen die Gesamtinvestitionen in Deutschland um 6,4 % zurück, während sie im übrigen Euroraum um 6,7 % und in den USA um 20,2 % stiegen. Daraus ergibt sich eine Investitionslücke von rund 390 Mrd. EUR gegenüber dem Euroraum und von bis zu 730 Mrd. EUR gegenüber den USA. Verantwortlich dafür sind hohe Energiekosten, die zweithöchste Steuer- und Abgabenbelastung der OECD, übermäßige Bürokratie und hohe Finanzierungskosten für Unternehmen. Erste Reformen haben bereits Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe für Infrastruktur, Verteidigung, Energie und Digitalisierung ermöglicht. Zudem haben die Jahre der Kapitalknappheit die potenziellen Renditen neuer Investitionen bereits erhöht. 

„Deutschland ist für Investoren ein äußerst attraktiver Standort: industrielle Stärke, stabile Institutionen, Skalierbarkeit, Spitzenforschung und hoch qualifizierte Fachkräfte“, sagte Andreas Wimmer, Mitglied des Vorstands der Allianz SE. „Die in den vergangenen Jahren entstandene Investitionslücke von bis zu 730 Mrd. EUR zeigt jedoch, dass Potenzial allein noch keine Investitionen schafft. Deutschland muss jetzt vereinfachen und beschleunigen: durch weniger Regulierung, schnellere Genehmigungsverfahren und attraktive öffentlich-private Partnerschaften, die dazu beitragen, die erheblichen privaten Kapitalreserven zu mobilisieren.

Die Allianz ist seit 1890 Teil der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Heute investieren wir rund 100 Mrd. EUR in Deutschland über eine große Bandbreite von Anlageklassen, unter anderem in Infrastruktur, Windparks und Stromnetze. Wenn Deutschland die notwendigen Reformen entschlossen angeht und verlässliche Rahmenbedingungen schafft, kann das Land die Jahre der Unterinvestition hinter sich lassen und einen neuen, starken Wachstumsschub auslösen.“

Deutsche Haushalte verfügen über ein Finanzvermögen von rund 9 Bio. EUR, darunter 3,4 Bio. EUR in Bargeld und Bankeinlagen. Diese Mittel in die Kapitalmärkte zu lenken, ist entscheidend. Würden nur 5 % des Finanzvermögens der privaten Haushalte aus Einlagen für produktive Investitionen eingesetzt, ließen sich rund 450 Mrd. EUR mobilisieren. Das staatlich geförderte private Altersvorsorgedepot, das im Januar 2027 starten soll, könnte zum Katalysator für eine neue Investitionskultur in Deutschland werden. 

„Um dieses Kapital für Investitionen zu gewinnen, muss Deutschland vier zentrale Voraussetzungen in den Mittelpunkt stellen: schnellere und einfachere Genehmigungs- und Vergabeverfahren, klare Standards für öffentlich-private Partnerschaften, Reformen der Altersvorsorge zur Stärkung langfristig orientierten Kapitals sowie standardisierte Investitionsstrukturen einschließlich Blended-Finance-Modellen, die stabilere Cashflows für risikoreichere Investitionen ermöglichen”, erklärte Ludovic Subran, Chefvolkswirt und Chief Investment Officer der Allianz SE.

Der im Dezember 2025 gestartete „Deutschlandfonds“ mit öffentlichen Garantien von rund 30 Mrd. EUR, der Investitionen von insgesamt rund 130 Mrd. EUR ermöglichen soll, ist ein gutes Beispiel dafür, wie staatliche Absicherungen privates Kapital für Investitionen mit höherem Risiko mobilisieren können.  

Die Allianz sieht in mehreren Bereichen erhebliche Investitionschancen. Für die Energiewende werden bis 2045 rund 1,3 Bio. EUR benötigt, etwa 30 % des BIP von 2025, und zwar für erneuerbare Energien, Netze, Speicher und Wasserstoff. Die digitale Infrastruktur einschließlich KI-Rechenzentren benötigt bis 2030 Investitionen von 275 bis 500 Mrd. EUR. Mehrjährige Wartezeiten beim Netzanschluss sind inzwischen das größte Hindernis. Der Verkehrssektor erhält zwischen 2025 und 2029 Bundesmittel in Höhe von 166 Mrd. EUR. Der Finanzierungsbedarf im Verteidigungsbereich dürfte sich über fünf Jahre auf rund 734 Mrd. EUR belaufen.

Die Allianz investiert bereits in erheblichem Umfang eigenes Anlagekapital in Deutschland. Mit rund 100 Mrd. EUR – das entspricht 12 % ihres globalen Anlageportfolios von 791 Mrd. EUR (Stand: 30. Juni 2026) – zählt sie zu den größten institutionellen Investoren des Landes. Das Portfolio umfasst Anleihen, Aktien, Immobilien und Infrastrukturinvestitionen, etwa in Übertragungsnetze, Windparks und Batteriespeicher. Darüber hinaus investieren die Allianz-Vermögensverwalter PIMCO und Allianz Global Investors für Drittkunden in erheblichem Umfang in Deutschland, unter anderem in große Energie- und Digitalinfrastrukturprojekte.

Melissa Eddy
Allianz Investment Management SE

Letzte Aktualisierung: 23. September 2026

Der Allianz Konzern ist einer der weltweit führenden Versicherer und Vermögensverwalter, aktiv in fast 70 Ländern, mit rund 97 Millionen Privat- und Firmenkundinnen und -kunden*. Unsere Kundinnen und Kunden profitieren von einem breiten Angebot an Privat- und Unternehmensversicherungen, darunter Sach-, Lebens- und Krankenversicherungen sowie Assistance-Dienstleistungen, Kreditversicherungen bis hin zur globalen Industrieversicherung. Bereits zum siebten Mal in Folge wurde Allianz im Interbrand Ranking ‚Best Global Brands 2025' als weltweit führende Versicherungsmarke ausgezeichnet. Dieser Erfolg basiert auf einer technologiegestützten Kundenfokussierung – wir bieten unseren Kundinnen und Kunden Sicherheit, Schutz und Prävention und stärken die Resilienz von Menschen, Gemeinschaften und Gesellschaften. Wir sind einer der weltweit größten Investoren und betreuen im Auftrag unserer Versicherungskundinnen und -kunden ein Investmentportfolio von etwa 791 Milliarden Euro**. Zudem verwalten unsere Asset Manager PIMCO und Allianz Global Investors etwa 2,2 Billionen Euro** für Dritte. Dank unserer systematischen Integration von ökologischen und sozialen Kriterien in unseren Geschäftsprozessen und Investitionsentscheidungen haben wir ein ‚AAA‘ ESG-Rating von MSCI (Stand: März 2026). 2025 erwirtschafteten unsere 156.000 motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Konzern einen Umsatz von 186,9 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 17,4 Milliarden Euro für unsere Aktionärinnen und Aktionäre.

* Stand: 31. Dezember 2025. Die Kundenanzahl spiegelt nur die Allianz Kundinnen und Kunden in konsolidierten Unternehmen wider, die zum Umfang der Kundenberichtserstattung gehören.

** Stand: 30. Juni 2026.

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
Element auswählen

Element auswählen

Element auswählen

Element auswählen

Element auswählen

556 Ergebnisse

Okt. 16, 2026 | Medienmitteilung, Strategie und Investitionen, Vermögensverwaltung

Deutschlands Investitionslücke könnte seine größte Chance sein

Deutschland hat eine Investitionslücke von bis zu 730 Mrd. EUR. Allianz Research zeigt, wie Reformen und privates Kapital nachhaltiges Wachstum fördern können.

Okt. 16, 2026 | Strategie und Investitionen, Stellungnahme, Vermögensverwaltung

Von Jahren der Unterinvestition in einen neuen, kraftvollen Wachstumszyklus

Andreas Wimmer erklärt, wie Deutschland seine Investitionslücke schließen und durch Reformen, private Investitionen und starke Partnerschaften neues Wachstum schaffen kann.

Okt. 08, 2026 | Kommerzielle Versicherung, Berichte & Studien

Business interruption claims

Dieser Bericht ist nur auf Englisch verfügbar. Er wird hier aufgenommen, um sicherzustellen, dass alle auf allianz.com veröffentlichten Inhalte auch für unsere deutschen Leser zugänglich sind. // This report includes analysis of 7,888 business interruption insurance industry claims valued at approximately €6.74bn over the five-year period.

Okt. 07, 2026 | Power of Unity, Berichte & Studien

Warum fühlen wir uns in einer vernetzten Welt allein? Einblicke in die Allianz Studie „Sense of Community“

Wie wird Zugehörigkeit in verschiedenen Ländern erlebt? Allianz hat fünf Länder untersucht und zeigt, welche Überzeugungen, Formen des sozialen Vertrauens und Rahmenbedingungen starke Gemeinschaften prägen.

Okt. 01, 2026 | Medienmitteilung, Unternehmensführung

Allianz bestätigt CEO-Ernennungen bei Allianz Partners und Allianz Direct

Philipp Kroetz, seit 2022 Chief Executive Officer (CEO) von Allianz Direct, wird zum 1. November 2026 CEO von Allianz Partners und tritt damit die Nachfolge von Tomas Kunzmann an, der zum 1. Januar 2027 in den Vorstand der Allianz SE aufsteigt. / Laurent Floquet, derzeit Chief Operating Officer bei Allianz Partners, wird CEO von Allianz Direct. / Die Ernennungen unterstreichen die strategische Stärke der Allianz im schnell wachsenden Markt für digitale und grenzüberschreitende Versicherungslösungen in den Bereichen Kfz, Wohnen, Reise, Assistance und Gesundheit.

556 Ergebnisse