Unwissenheit kostet Geld

Es ist eine einfache Gleichung: Kompetenz – besonders im Bereich Finanzen – spart Geld, Unwissenheit kostet. Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen herrscht im Bereich Finanzbildung jedoch großer Nachholbedarf.

 

Finanzkompetenz spart Geld. Umgekehrt gesagt: Jeder einzelne trägt die Kosten für seine finanzielle Unwissenheit, sagen etwa die Demografieforscherinnen Annamaria Lusardi (George Washington University School of Business) und Olivia Mitchell (University of Pennsylvania). Wer sich in Finanzangelegenheiten schlecht auskenne, nehme eher einen Kredit auf, spare weniger und bezahle tendenziell höhere Gebühren für Finanzprodukte. Viele gäben zu viel aus und würden die Konditionen ihrer Hypotheken und Kredite nicht kennen. Das kann letztlich zu Verschuldung führen. Dass ökonomische Grundbildung für die Teilhabe an der Gesellschaft unverzichtbar ist, proklamieren nicht nur Forscher. Seit der Finanzkrise haben eine Vielzahl an Regierungen nationale Strategien zur Verbesserung der ökonomischen Bildung ihrer Bürger ins Leben gerufen. Seit 2008 treibt auch die OECD die Thematik international mit dem Netzwerk „International Network on Financial Education“ verstärkt voran.
 
Diskutiert wird seither immer wieder die Frage, welche Maßnahmen zu ergreifen seien, um die ökonomische Grundbildung im Allgemeinen zu verbessern. Wie baut man effektive Finanzbildungsprogramme am besten auf? Wann fängt Bildung in Sachen Finanzen idealerweise an und wie führt man sie bei Erwachsenen möglicherweise fort? Das OECD Symposium „Financial Resilience throughout Life” am 20. und 21. April im Amsterdam greift diese Fragen auf. Wissenschaftler wie Lusardi und zahlreiche Experten aus der Praxis kommen auf der zweitätigen Konferenz zusammen, um Maßnahmen zu diskutieren, die den versierten Umgang mit Geld aller Altersgruppen fördern. Damit fügt sich die Konferenz in den Monat des Jahres ein, der in den USA bereits 2004 offiziell zum „National Financial Literacy Month“ ausgerufen wurde.
 
„Finanzielle Bildung ist über das ganze Leben betrachtet wichtig", sagt Brigitte Miksa, Leiterin des Teams International Pensions bei der Allianz. „Angesichts der demografischen Entwicklung und zunehmend angespannter Staatsfinanzen in vielen Ländern der Welt ist es essentiell, dass wir selbst für unser Alter vorsorgen. Eine Gesellschaft, die nicht ausreichend darauf vorbereitet ist, weitreichende finanzielle Entscheidungen zu treffen, steht vor sozialen Problemen.“
 
Entscheidungen treffen können, um finanzielles Wohlergehen zu sichern
 
Bei den Jugendlichen gibt es enormes Nachholpotential, sie wissen nicht viel über den Umgang mit Bankkonten, Kreditkarten, über Zinsen, Sparen, Risiko und Erträge. Eine PISA-Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) fragte 2014 erstmals danach und stellt erhebliche Wissenslücken fest. Im Durchschnitt zeigten 15 Prozent aller Befragten nicht einmal richtige Basiskenntnisse. Bestenfalls konnten sie gerade noch einfache Entscheidungen über ihre täglichen Ausgaben treffen. Shanghai-China erreichte im Test das beste durchschnittlichen Ergebnis – kurz gefolgt von Belgien. Beim Ergebnis zeigten sich erstaunlicherweise keine signifikanten Unterschiede zwischen Schülern und Schülerinnen, allerdings schneiden Schüler aus stärkeren finanziellen Verhältnissen besser ab.
 
„Es ist erstaunlich, wie wenig unsere Jugendlichen für das moderne Leben gerüstet sind. Wir müssen handeln, so viel ist sicher”, meint Miksa. „Nur wenn sie wissen, wie zum Beispiel Zinsen funktionieren oder Produkte wie Investmentfonds oder Versicherungen, wenn sie Risiken und Chancen beurteilen können, sind sie in der Lage, sich gut zu informieren und Entscheidungen zu treffen, die ihr finanzielles Wohlergehen sichern.“ Doch, so gibt sie zu bedenken, ein Blick über PISA hinaus zeige, dass es auch unter Erwachsenen um die Finanzbildung nicht gut bestellt ist. Früheren OECD-Untersuchungen zufolge ist das Verbesserungspotenzial in vielen Ländern der Welt groß. Insbesondere Frauen wird ein deutlicher Nachholbedarf bescheinigt. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch Studien Lusardi und Mitchell. Danach konnten in den USA nur 30 Prozent der Befragten standardisierte Fragen zu Zinseszins, Inflation und Diversifikation korrekt beantworten. Ähnliche Ergebnisse gab es in Japan und Frankreich, andere Länder wichen zum Teil erheblich nach unten davon ab – vollkommen unabhängig übrigens vom wirtschaftlichen Entwicklungsstadium, in dem sich das jeweilige Land gerade befand. Immerhin, in Deutschland wusste knapp mehr als die Hälfte der Befragten die richtige Antwort auf alle drei Fragen.
 
Bildungsinitiativen im Kindesalter als Lösung?
 
Ob Finanzbildung von Kindesbeinen an zur Lösung des Problems beitragen kann, wird unter Experten kontrovers diskutiert. Während die einen der Meinung sind, Regierungen, Regulatoren und die Finanzindustrie müssten ihre Bemühungen um Finanzbildung im frühen Alter intensivieren, weil sich nur so ein adäquates Verhalten erlernen lasse, meinen andere, dieser Ansatz sei von vornherein zum Scheitern verurteilt. Viele Projekte sind in den vergangenen Jahren angestoßen worden. Initiativen wie beispielsweise My Finance Coach, 2010 unter anderem von der Allianz in Deutschland ins Leben gerufen, sensibilisieren Jugendliche für den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche für ökonomische Zusammenhänge zu begeistern und dadurch Wissen zu vermitteln. Damit befähigt My Finance Coach Jugendliche als mündige Wirtschaftsbürger handeln zu können.
 
Miksa bringt es auf den Punkt: „Wir wissen alle, dass wir nicht immer gute und richtige Entscheidungen treffen. Aber grundsätzlich ist es wichtig, dass die Menschen das richtige Handwerkszeug haben, um fundierte Entscheidungen über ihre Finanzen zu treffen.“ Ein besseres Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge kommt am Ende also allen zugute: dem Einzelnen, der Gesellschaft und dem politischen sowie wirtschaftlichen Gemeinwesen.

Unwissenheit kostet Geld

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