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Wahrscheinlichkeit eines Grexit gestiegen

Was wären die Folgen des Grexits für den Euroraum und für Griechenland? Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise erklärt, warum die Rückkehr zur Drachme ein wirtschaftliches Desaster wäre und warum die Eurozone hält.
 

Allianz.com: Was wären die Folgen eines Grexits für den Euroraum?

 
Michael Heise : Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion wäre für den Rest der EWU sicherlich mit Belastungen und Risiken verbunden. Konjunkturelle Bremseffekte und vorübergehende Rückschläge an den Finanzmärkten müssten erwartet werden. Vor allem aber würden die Steuerzahler in den Geberländern belastet, da Griechenland die Hilfskredite in Höhe von 240 Milliarden Euro wohl nicht vollständig zurückzahlen könnte. Ein Auseinanderbrechen der Eurozone ist allerdings nicht zu erwarten. Ansteckungsgefährdete Länder stehen heute deutlich stärker da als noch 2012: Die letzten drei Jahre wurden genutzt, um gefährliche Ungleichgewichte abzubauen und wichtige Strukturreformen umzusetzen. Zudem sind die europäischen Krisenmechanismen gestärkt und institutionelle Reformen vorgenommen worden, etwa durch die Einführung des Euro-Rettungsschirms ESM und die europäische Bankenunion mit einer gemeinsamen Bankenaufsicht. Die EZB würde im Übrigen alles tun, um die Ansteckungsgefahr für andere Peripherieländer zu begrenzen. Und schließlich ist kaum zu erwarten, dass andere Länder einem ähnlichen politischen Kurs folgen wie Griechenland. Die Belastungen für die Menschen sind schon jetzt hoch, und würden durch einen Ausstieg aus der Eurozone noch zunehmen.
 

Was wären die Folgen eines Grexits für Griechenland?

 

Für Griechenland wäre eine Rückkehr zur Drachme nicht die erhoffte Befreiung, sondern ein wirtschaftliches Desaster. Im Jahr 2014 war Griechenland erfolgreich an den Kapitalmarkt zurückgekehrt, die Arbeitslosigkeit ging zumindest langsam zurück, und die Wirtschaft wuchs nach sechs Jahren Rezession zum ersten Mal. Eine Staatsinsolvenz und ein Ausscheiden aus dem Euro würden der Bevölkerung Griechenlands abermals enorme Opfer abfordern. Der soziale Notstand würde sich zunächst noch weiter vergrößern, und es wäre mit gesellschaftlichen Spannungen zu rechnen. Die neue Währung würde rasch an Wert verlieren, und die Verteuerung der Importe würde zu hohen Inflationsraten führen. Investoren würden Griechenland wohl auf Jahre hinaus kaum einen Zugang zum Kapitalmarkt gewähren. Erst nach einiger Zeit würde sich die griechische Wirtschaft wieder berappeln und dank einer schwachen Währung mehr exportieren. Aber ein langfristiger Erfolg der Griechenlands hängt letztlich nicht von der Währung, sondern von der Reform und Modernisierung des Wirtschaftssystems ab.


 

Was passiert als nächstes? Wie wahrscheinlich ist ein Grexit?

 

Mit Abbruch der Verhandlungen um ein weiteres Hilfsprogramm ist Griechenland einen Schritt näher in Richtung Grexit gerückt. Das aktuelle Hilfsprogram läuft am 30. Juni 2015 aus, und ohne neue Finanzhilfen droht dem Krisenland sehr bald die Zahlungsunfähigkeit. Ein Staatsbankrott dürfte wiederum die Fortsetzung des ELA-Notprogramms der EZB in Frage stellen, welches das griechische Bankensystem aktuell vor dem Zusammenbruch bewahrt. Ein Austritt Griechenlands kann immer noch vermieden werden, Voraussetzung dafür ist allerdings ein politischer Einigungswille – insbesondere auf Seiten Griechenlands. Selbst wenn es wieder zu Verhandlungen kommt, eine nachhaltige Vereinbarung zwischen den Kreditgebern und der jetzigen griechischen Regierung dürfte sich sehr schwierig gestalten. Auf Seiten der Kreditgeber ist die Skepsis groß, dass die griechische Regierung ein Reformprogramm umsetzen wird, obwohl sie es im Grundsatz ablehnt. Möglicherweise wird es auch zu Neuwahlen in Griechenland kommen. Das heißt, selbst im Falle eines positiven Referendums der Griechen zum Reformpaket, ist der Euro-Ausstieg noch relativ wahrscheinlich.

Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise
Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise

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