Toxisches Trio

Im schicken Lack, der Ihre Nägel ziert, könnten Risiken für Ihre Gesundheit lauern. Die folgenden drei Giftstoffe könnten aber auch das finanzielle Wohlergehen von Unternehmen bedrohen.

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„Unterschätze nie die Macht von pinkfarbenem Nagellack“ – so oder so ähnlich liest man es immer wieder in Makeup-Blogs. Diesen Ratschlag sollten auch Unternehmen beherzigen. Denn diese farbenfrohe Flüssigkeit zur Verschönerung von Fuß- und Fingernägeln könnte Anlass für die nächste Klage oder regulatorische Maßnahme geben.

Aufgrund zunehmender Bedenken seitens Wissenschaftlern, Regulierungsbehörden und Verbrauchern stehen Hersteller und Anbieter von Körperpflegeprodukten mehr und mehr auf dem Prüfstand. Ein „giftiges Trio“ gefährlicher chemischer Substanzen, die in solchen Produkten verwendet werden, setzt die Unternehmen einem latenten Haftungsrisiko aus.

In einem gemeinsamen Bericht zeigen die Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) und ihr Partner Praedicat, ein nach wissenschaftlichen Prinzipien arbeitendes Analyseunternehmen, die Risiken auf, die das Trio aus Dibutylphthalat (DBP), Toluol und Formaldehyd für Unternehmen und Versicherer mit sich bringt.

Dreifache Wirkung

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die drei Substanzen gesundheitsschädigend sein können: DBP wirkt sich wahrscheinlich negativ auf das Fortpflanzungssystem aus, Tuluol könnte das Nervensystem schädigen und Formaldehyd ist möglicherweise krebserregend.

Sie glauben, diese Stoffe finden sich nur in Industriekesseln und Chemielaboren? Falsch! Der harmlos wirkende pinkfarbene Nagellack könnte einen gefährlichen Giftcocktail bergen. In jüngster Zeit ist Nagellack sehr in die Kritik geraten, da er diese drei Chemikalien enthalten kann. Doch auch in Bodylotions, Hygieneartikeln, Parfums und anderen Produkten lässt sich diese toxische Mischung finden.

Hier die drei gefürchteten Stoffe im Überblick:

Dibutylphthalat (DBP)

DBP wird oft als Weichmacher für Kunststoffe eingesetzt, wird aber auch Klebstoffen, Druckerfarbe, Lacken und Textilien zugesetzt. Darüber hinaus wird es als Zusatzstoff in Medikamentenüberzügen verwendet. In der Europäischen Union ist DBP seit 2015 verboten, der Stoff kann aber in den USA nach wie vor in Parfums, Lotions und anderen Produkten enthalten sein. Die Gefahr, DBP ausgesetzt zu sein, ist tatsächlich ziemlich groß: Den Modellen von Praedicat nach besteht eine etwa einprozentige Chance für Verluste in Höhe von über 100 Milliarden US-Dollar, die der US-amerikanischen Wirtschaft aufgrund von Massenklagen über mehrere Jahre hinweg entstehen könnten.

Eine Verwendung des Stoffes in Kosmetika kann dazu führen, dass er auch in die Umgebung abgegeben wird. In Bodylotions, Düften oder Nagellacken enthaltenes DBP kann über die Haut aufgenommen werden und so in den Blutkreislauf gelangen. Forscher untersuchen derzeit mögliche Zusammenhänge zwischen DBP und Störungen des Hormon- und Fortpflanzungssystems sowie der pränatalen Entwicklung.

Toluol

Dieser Stoff wird auch Methylbenzol genannt und findet sich in fossilen Brennstoffen. Er entsteht auch bei der Raffinierung von Öl bzw. der Verbrennung organischer Kraftstoffe. Tuluol kommt unter anderem häufig in Farben, Farbverdünnern, Tinten, Klebstoffen, Fleckentfernern, Düften sowie Hand- und Nagelpflegeprodukten vor.

Die Substanz kann über die Haut oder durch Einatmung vom Körper aufgenommen werden. Obwohl Tuloul nur sehr langsam in die Haut eindringt, hat der Stoff mittels Körperlotionen und ähnlichen Produkten genug Zeit dazu. Tuloul wird auch deshalb in einigen Kosmetika eingesetzt, weil es sich schnell verflüchtigt. Wenn solche Produkte auf der Haut angewendet werden und trocknen, findet sich der Stoff daher auch in der Luft. Es wurden nicht weniger als 180 Studien zu seiner Wirkung auf den Menschen veröffentlicht und viele deuten auf Gesundheitsprobleme in Verbindung mit dem Nervensystem hin.

Formaldehyd

Formaldehyd wurde als Karzinogen identifiziert. Es wird zur Herstellung von Harzen verwendet, ein Vorprodukt vieler Chemikalien, die in Prozessen zur Herstellung von Konsumgütern wie Desinfektionsmitteln, Klebern, Laminat, aber auch Kleidung, Papier und Körperpflegeprodukten, einschließlich einiger Haarglättungsprodukte, eingesetzt werden. Dieser chemische Stoff war zudem bereits Gegenstand von Produkthaftungsklagen.

Formaldehyd kann potenziell Blut-, Ohren-, Nasen- und Luftröhrenkrebs sowie Probleme mit dem Nerven- und Fortpflanzungssystem verursachen.

Regulatorischer Rahmen

Die drei Chemikalien stehen bereits seit langer Zeit unter regulatorischer Aufsicht; seit 1970 gelten für sie in den Vereinigten Staaten durch die Occupational Safety and Health Administration verordnete Expositionsgrenzwerte.

Die Maßnahmen in dieser Richtung wurden weitestgehend durch zunehmende gesundheitliche Beschwerden bei Angestellten in Nagelstudios in den USA vorangetrieben. 2007 veröffentlichte die US-amerikanische Environmental Protection Agency best practices für den Gesundheitsschutz solcher Mitarbeiter. In San Francisco werden seit 2010 einige Studios sogar als „Healthy Nail Salons“ und damit als nicht gesundheitsschädlich eingestuft, wenn sie unter anderem keine Chemikalien mehr einsetzen.

Da die Verwendung von Körperpflegeprodukten immer mehr zunimmt, insbesondere unter Kindern und Jugendlichen, könnte sich der Schwerpunkt der Aufsichtsbehörden allerdings schon bald vom Arbeiter auf den Verbraucher verlagern. Die schwersten gesundheitlichen Auswirkungen durch diese Produkte lassen sich womöglich erst in einigen Jahren feststellen, was den Druck auf Hersteller und Anbieter erhöht.

Noch nicht ganz frei

Einige Hersteller haben auf die Bedenken hinsichtlich der Stoffe reagiert, indem sie „3-free“-Nagellacke ohne DBP, Tuloul und Formaldehyd produzieren und vermarkten. Einige sind mit „5-“, „7-“ und „9-free“-Produkten sogar noch einen Schritt weitergegangen.

Die California Environmental Protection Agency (CalEPA) ist solchen Versprechungen nachgegangen und hat 2012 dazu 25 Nagelprodukte getestet. Nur zwei von zwölf Produkten, die vermeintlich frei von einem oder mehreren Chemikalien des giftigen Trios sind, waren tatsächlich „3-free“. Es waren sogar mehr Produkte frei von diesen drei Giftstoffen, die nicht damit warben, als solche, für die solche Behauptungen aufgestellt wurden.

Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es für Hersteller ist, ihren Produktionsprozess zu kontrollieren und ihre Produkte genauestens auszuweisen. Die CalEPA fand zudem 26 weitere chemische Stoffe in den Proben. Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Produkte, die angeblich frei von diesen Chemikalien sind, einer Überprüfung nicht standhalten würden.

Steigender Konsum

Mit dem steigenden Konsum von Kosmetikprodukten sehen sich Unternehmen größeren Risiken ausgesetzt, vor allem da auch Kinder und Teenager immer häufiger Cremes, Haarpflege- und Mundhygienemittel, Bade- und Duschprodukte sowie Düfte verwenden.

Der weltweite Umsatz von Hautpflegeprodukten, dem größten Segment im Bereich der Körperpflege, soll bis 2024 um 40 Prozent auf 180 Mrd. US-Dollar zulegen.

Je größer die Zielgruppe, desto höher ist auch das potenzielle Haftpflichtrisiko. Es steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass neue Nebenwirkungen entdeckt werden und mehr Menschen betroffen sind.

Eine stärkere Regulierung kann jedoch für entsprechende Kontrollen sorgen.

Beispielsweise hat Deutschland DBP als Inhaltsstoff für Babyprodukte, Gesundheitsartikel und Spielzeug vollständig verboten. Tuluol und Formaldehyd kann in begrenzter Menge verwendet werden, aber nur in bestimmten Produkten.

Anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse arbeiten die Aufsichtsbehörden daran, die Gefahr durch Schadstoffe für den Menschen zu verringern. Praedicat versucht mithilfe von Analysen den Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnisse vorauszusagen und gewährt somit Einblick in die Wahrscheinlichkeit von regulatorischen Maßnahmen. Dies macht es für Kosmetikhersteller und Versicherer leichter, die einhergehenden Risiken abzuschätzen.

Körperpflegeartikel sind Lifestyle-Produkte und damit ist die Toleranzschwelle der Verbraucher im Hinblick auf Nebenwirkungen niedriger als bei medizinischen Produkten, bei denen die Vorteile die Risiken überwiegen können. Aufgrund der Anfälligkeit von Herstellern und Anbietern in solchen Fällen müssen von beiden strenge Risikomanagementverfahren umgesetzt werden. Denn man weiß nie, ob nicht die Nagellack-Trendfarbe der nächsten Saison neue Risiken mit sich bringt.

Über Allianz Global Corporate & Specialty

Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) ist die eigene Marke der Allianz Gruppe für Industrie- und Spezialrisiken. Die AGCS bietet Versicherungs- und Risikomanagementberatung über das gesamte Spektrum von Spezialversicherung, ART und Firmengeschäft: Marine, Aviation (inkl. Space), Energy, Engineering, Entertainment, Financial Lines (inkl. D&O), Liability, Mid-Corporate und Property (sowie Internationale Versicherungsprogramme).

Mit ihren fast 4.700 Mitarbeitern aus 70 Nationen operiert die AGCS weltweit in 34 Ländern mit eigenen Teams und in mehr als 210 Ländern und Gebieten über das Netzwerk der Allianz Gruppe und andere Partner. Die AGCS liefert Versicherungslösungen für mehr als drei Viertel der „Fortune Global 500“-Unternehmen. 2017 zeichnete sie weltweit insgesamt 7,6 Milliarden Euro Bruttoprämien.

Die AGCS SE verfügt über die Bonitätsratings AA von Standard & Poor’s und A+ von A.M.Best.

Weitere Informationen finden Sie unter www.agcs.allianz.com oder folgen Sie uns auf Twitter @AGCS_Insurance, LinkedIn und Google+.

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