Xaver: Den Dämmen sei Dank

Winterstürme wie „Xaver“ sind keine Seltenheit in Zentraleuropa – zuletzt wurde die Region von Orkan „Christian“ Ende Oktober erfasst. Generell haben die Schäden in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Dies ist im Wesentlichen auf soziökonomische Faktoren zurückzuführen. Insbesondere entlang der Küstenregionen wachsen die Wertekonzentrationen weltweit rasant. So haben sich die Werte in flutgefährdeten Gebieten von New York in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt. Besonders schnell ist diese Entwicklung in den asiatischen Ballungsräumen. Dr. Markus Stowasser, Klimaexperte bei der Allianz SE im Interview mit allianz.com.

 

allianz.com: Inwiefern tragen verbesserte Schutzmaßnahmen zur Verringerung von Schäden bei?
 

Markus Stowasser: Sehr viel, ein gutes Beispiel ist Hamburg. Während des 18. Jahrhunderts waren die Deiche entlang der Elbe auf 5.2 Meter über Normalnull ausgelegt. Nach einer starken Sturmflut in 1825 wurden diese auf 5.7 Meter erhöht und widerstanden in 1855 einer weiteren starken Sturmflut. Erst 1962 nach einer ruhigen Phase von über 100 Jahren trat wieder einer sehr schwere Sturmflut auf. Obwohl das Wasser nur Höhen von ungefähr 5 Metern erreichte, versagten viele Schutzeinrichtungen. Da die Gefahr aus dem Bewusstsein gewichen war, wurde die Instandhaltung der Schutzeinrichtungen vernachlässigt. Nach der Katastrophe wurden die Deiche auf eine Höhe von 7.2 Meter erhöht und konnten der vielen stärkeren Sturmflut von 1976, die 6.5 Meter erreichte, standhalten. Auch die Sturmflut von Xaver konnte den auf mittlerweile  nochmals erhöhten Schutzeinrichtungen nichts anhaben.
 

Wird „Xaver“ als einer der besonders großen Stürme unserer Zeit in Erinnerung bleiben, wie beispielsweise der Orkan Quimburga im Jahr 1972 oder die Flut in Hamburg von 1962?
 

Xaver’s Windgeschwindigkeiten waren verglichen mit anderen Stürmen nicht außergewöhnlich. Jedoch war das Sturmfeld extrem lang anhaltend. Zusammen mit der Windrichtung aus Nordwest konnte sich eine sehr schwere Sturmflut entwickeln, nicht nur entlang der norddeutschen Küste, sondern auch entlang der Ostküste von Großbritannien. Hier waren an einigen Messstationen der Wasserstand höher als die zerstörerische Flut von 1953. Auch hier verhinderten verbesserte Schutzeinrichtungen und Warnsysteme Schlimmeres.

Markus Stowasser: "Auch wenn bis dato noch kein solcher Trend bei europäischen Winterstürmen belegbar ist, deuten Studien mit Klimamodellen darauf hin, dass in Mitteleuropa das Schadenspotential insbesondere durch extremere Stürme in der Zukunft ansteigt."
Markus Stowasser: "Auch wenn bis dato noch kein solcher Trend bei europäischen Winterstürmen belegbar ist, deuten Studien mit Klimamodellen darauf hin, dass in Mitteleuropa das Schadenspotential insbesondere durch extremere Stürme in der Zukunft ansteigt."
Foto: Jonas Rogowski | Titel: storm Xaver in Warnemünde, 2013| Lizenz: CC BY 3.0

Sturm Xaver in Warnemünde

Foto: Jonas Rogowski | Titel: storm Xaver in Warnemünde, 2013 | Lizenz: CC BY 3.0

Stille Nacht, stürmische Nacht?
 

Müssen die Menschen in Zentraleuropa aufgrund der Veränderung des Klimas mit mehr solcher Stürme in Zukunft rechnen?
 

Auch wenn bis dato noch kein solcher Trend bei europäischen Winterstürmen belegbar ist, deuten Studien mit Klimamodellen darauf hin, dass in Mitteleuropa das Schadenspotential insbesondere durch extremere Stürme in der Zukunft ansteigt. Dies ist aber noch mit großen Unsicherheiten behaftet. Eindeutig ist jedoch der Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der Klimaerwärmung – dies fordert eine generationsübergreifende Anstrengung die Schutzeinrichtungen weiter zu verbessern.
 

Erleben wir künftig immer häufiger eine stürmische statt einer weißen Weihnachtszeit? Wird der Sturm also ein normales Wetterphänomen des Winters?
 

Auch heute schon ist die Wahrscheinlichkeit einer grünen Weihnacht deutlich höher und Stürme ein normales Wetterphänomen!

Vorbehalt bei Zukunftsaussagen

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

 

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