Russland

Sanktionen gegen die Türkei verschärfen den Inflationsdruck

Die im Zusammenhang mit dem Abschuss eines russischen Kampfjets verhängten Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei werden nicht nur die türkische, sondern auch die russische Wirtschaft selbst treffen. Der private Konsum dürfte einen zu-sätzlichen Dämpfer erhalten.

Die Liste der gegen die Türkei verhängten Wirtschaftssanktionen ist recht weitreichend. Sie umfasst das Verbot von Charterflügen zwischen den beiden Ländern, Einfuhrbeschränkungen und Einfuhrverbote bei bestimmten türki-schen Produkten, Restriktionen für in Russland tätige türkische Unternehmen sowie das Verbot von Neueinstellungen türkischer Staatsangehöriger ab dem Jahr 2016. Ohne Zweifel werden all diese Maßnahmen ihre Spuren in der türki-schen Wirtschaft hinterlassen. Insbesondere die Tourismusbranche dürfte spürbar getroffen werden, kamen in den vergangenen Jahren doch etwa 4 Mil-lionen russische Touristen pro Jahr ins Land.


Die Wirtschaftssanktionen treffen aber auch die russische Wirtschaft selbst, indem sie den inländischen Inflationsdruck zusätzlich verschärfen. Dies gilt vor allem im Hinblick auf das Importverbot bei Obst und Gemüse. Bei diesen Nahrungsmitteln entfielen zuletzt etwa 20% aller russischen Importe auf die Türkei. Das entspricht etwa 10% des gesamten russischen Konsums von Obst und Gemüse. Eine kurzfristige Importsubstitution erscheint allein schon jahreszeitlich bedingt nicht möglich. Eine offene Frage ist, wie rasch andere Lie-ferländer die Türkei ersetzen könnten. Vor dem Hintergrund, dass auch noch Einfuhrbeschränkungen bei weiteren türkischen Warengruppen wie bei-spielsweise Textilien im Raum stehen, gehen wir davon aus, dass die Be-schränkung von Einfuhren aus der Türkei zu einem zusätzlichen Anstieg der ohnehin schon hohen Konsumentenpreisinflation in einer Größenordnung zwischen 1 und 2 Prozentpunkten führt. Im Oktober belief sich die jährliche Teuerungsrate auf 15,6%, bei Nahrungsmitteln lag sie bei 17,3%.


Die erwartete Beschleunigung des Preisauftriebs wird sich negativ in der Kaufkraft der privaten Haushalte niederschlagen und den realen privaten Konsum zusätzlich dämpfen. Damit sind die Abwärtsrisiken für unsere BIP-Prognose für das kommende Jahr gestiegen. Bislang gehen wir von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1% im Jahr 2016 aus – nach einem erwarteten Einbruch um 4% in diesem Jahr, der maßgeblich bedingt war durch einen Rückgang des realen privaten Konsums in einer Größenordnung von etwa 8%.

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Gregor Eder

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