Finanzmärkte im Zeichen expansiver Geldpolitik

Weltweit haben sich die Vermögensmärkte auf eine anhaltend expansive Geldpolitik eingerichtet. Auch wenn gelegentlich Nervosität aufkommt, so erweisen sich die Aktienmärkte insgesamt als robust und befinden sich überwiegend nahe an mehrjährigen Höchstständen. Dies ist bemerkenswert angesichts der schwachen Konjunkturindikatoren in den letzten Wochen. Die vielerseits für den Rest des Jahres erhoffte konjunkturelle Belebung ist weder in Europa noch global sichtbar. Vor kurzem haben wir unsere Prognosen für das BIP angepasst und sagen jetzt ein weltweites Wachstum von nur 2,5% voraus. Die Wirtschaft im Euroraum dürfte im Durchschnitt 2013 sogar leicht schrumpfen. Für die Finanzmärkte ist dies jedoch ein weiterer Beweis dafür, dass die akkommodierende Geldpolitik auch in nächster Zukunft weiterverfolgt werden wird.

Hohe Aktien- und Anleihekurse spiegeln die Niedrigstzinsen und die Liquiditätszufuhr der Notenbanken wider. Diese Niedrigzinspolitik wurde soeben durch die EZB bestätigt, die ihren Leitzins um 25 Prozentpunkte auf 0,5% senkte. Zu den Hauptgründen für diese Entscheidung gehören die jüngsten Konjunkturdaten, die auf keine Frühjahrsbelebung hindeuten, eine aktuelle Teuerungsrate von 1,2%, die in diesem und im nächsten Jahr voraussichtlich deutlich unter der EZB-Norm liegen wird, sowie die bescheidenen Zuwachsraten bei privaten Geldbeständen trotz der Liquiditätszufuhr. Insgesamt wird sich dieser Schritt der EZB nur relativ verhalten auf das EWU-Wachstum auswirken. Dies folgt auf die jüngste Ankündigung der Bank of Japan, die Geldbasis bis Ende 2014 zu verdoppeln. Wenn die japanische Notenbank nun zukünftig etwa zwei Drittel der Staatsanleihen aufkauft, ist ein "Nullzins" bei japanischen Staatsanleihen fast garantiert. Angesichts der Größe des japanischen Anleihemarktes gehen hiervon auch zinssenkende Effekte auf das globale Renditeniveau aus. 

Kontakt

Michael Heise

Allianz SE
Fon +49.89.3800-16143

Send e-mail

PDF (150 kb)