Wenn Sparen der falsche Weg ist

"Verplanen Sie kein Geld, über das Sie noch gar nicht verfügen." Kluge Worte des fiskalpolitisch konservativen früheren US-Präsidenten Thomas Jefferson. Es handelt sich also nicht um ein neues Konzept. Derartige Finanzweisheiten sind wahrscheinlich so alt wie Geld selbst. Allerdings ist das angesichts des Paradigmenwechsels niedriger oder gar negativer Zinssätze keine Regel, nach der man sich richten sollte.

 

In der aktuellen Situation nach der Finanzkrise, die von überspannt wirkender Geldpolitik gekennzeichnet zu sein scheint, geht man davon aus, dass niedrige Zinsen Unternehmen und Verbrauchern Anreize zu schnellen Investitionen bzw. zum Kauf bieten, unabhängig von ihrem tatsächlichen Bedarf. Es ist keine Logik, die die Deutschen bereitwillig annehmen, wie die Ergebnisse des jüngsten Allianz Global Wealth Report zeigen.
 
"Nur ein paar Haushalte scheinen der Versuchung extrem zinsgünstiger Darlehn zu erliegen und sich einem kreditfinanzierten Kaufrausch hinzugeben", so Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE. "Die Mehrzahl der Haushalte reagiert wirtschaftlich sehr vorsichtig und widersetzt sich dem Bemühen der Zentralbank, die Nachfrage mithilfe drastischer Zinssenkungen anzukurbeln."
 
Dieselben Zinssenkungen, die die Kreditaufnahme relativ einfach gestalten, erweisen sich als schmerzhaft, wenn es um Sparguthaben geht. Die Deutschen verhalten sich im Grunde genommen in Finanzfragen konservativ. Sie scheuen das Risiko und ziehen es vor, ihr Vermögen in Versicherungspolicen und vor allem in Bankeinlagen statt am Aktienmarkt zu investieren. Im Laufe der letzten vier Jahre parkten sie ca. 40 Prozent ihres Finanzvermögens auf der Bank. Aber bei niedrigen oder gar negativen Realzinsen waren die Erträge ungefähr so hoch, als wenn sie ihr Geld unter der Matratze versteckt hätten.
 
Modellrechnungen zufolge kostet dieses Anlageverhalten die deutschen Sparer de facto 200 Mrd. Euro. Wenn sie ihren Anteil an Bankeinlagen nur um zehn Prozent reduziert und dieses Geld zu gleichen Teilen in börsennotierte Aktien und Anlagefonds investiert hätten, läge die jährliche Rendite fast einen Prozentpunkt höher.
 
"In Zeiten extremer geldpolitischer Lockerung mit Negativzinsen müssen sich die Sparer in ihrem Anlageverhalten anpassen", erläutert Heise. "Die überholten Gewissheiten sind außer Kraft gesetzt. Mutmaßlich sichere Vermögenswerte wie Bundesanleihen können nicht mehr als "sicher" betrachtet werden, sie gefährden in Wirklichkeit die Vermögensbildung. Als gefährlich betrachtete Investitionen versprechen andererseits langfristige Erträge. Es ist mehr als an der Zeit, dass die Deutschen ihr Sparverhalten überdenken."

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE: "In Zeiten von Negativzinsen müssen sich die Sparer in ihrem Anlageverhalten anpassen"
Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE: "In Zeiten von Negativzinsen müssen sich die Sparer in ihrem Anlageverhalten anpassen"

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