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Öffentliche Infrastrukturinvestitionen, die das geplante Budget sprengen, werden schon fast zum Klischee. Was wäre, wenn sie an private Unternehmen ausgelagert würden? Andreas Gruber, Chief Investment Officer der Allianz, gibt Einblicke in die Vorteile und Risiken Öffentlich-privater Partnerschaften.

 

Allianz SE
München, 23.09.2016

Allianz-Andreas Gruber, Chief Investment Officer der Allianz

Andreas Gruber, Chief Investment Officer der Allianz

Die Ausgaben des Staates für Infrastrukturprojekte können ein Eigenleben entwickeln. Das Opernhaus in Sydney lag 1357 Prozent über dem geplanten Budget – ein Extrembeispiel. Das Vorhaben, das 1973 abgeschlossen wurde, hält noch immer diesen unrühmlichen Weltrekord. Allianz.com sprach mit dem Chief Investment Officer der Allianz, Andreas Gruber, um die Vorteile und Risiken Öffentlich-privater Partnerschaften besser zu verstehen.
 
 

Allianz.com: Öffentliche Infrastruktur-Projekte sind dafür berüchtigt, das Budget zu sprengen. Was können Regierungen unternehmen, um den Kosten- und Zeitrahmen ihrer Infrastrukturprojekte einzuhalten?

Gruber: Eine Möglichkeit ist es, sie an den Privatsektor outzusourcen. Das bezeichnet man als Öffentliche-private Partnerschaften oder ÖPP. Diese Partnerschaften können für jeglichen Zweck errichtet werden, angefangen von einer einfachen Finanzierung einer Straße oder Schule durch Kredite von privaten Unternehmen bis hin zum langfristigen Management eines Projektes , inklusive Planung, Aufbau, Betrieb und Instandhaltung. Privatunternehmen haben eine hohen Anreiz, das vorgegebene Budget und den Zeitrahmen einzuhalten, da sie ansonsten finanzielle Verluste erleiden und riskieren, keine Folgeaufträge zu bekommen. Regierungen haben leider den Ruf, derartige Risiken und ihre Kostenauswirkungen an den Steuerzahler weiterzugeben.
 
 

Wem gehört die Infrastruktur bei einer derartigen Partnerschaft?

Dies kommt darauf an. Manchmal finanziert und erstellt der Privatsektor eine neue Infrastruktur , betreibt diese im Auftrag des Staates und wartet diese im Rahmen eines langfristigen Instandhaltungsvertrages. Hier gehört die Infrastruktur dem Staat. Wenn die Laufzeit des Vertrages beendet ist, erfolgt eine Rückübertragung an die öffentliche Hand. Dies ist das übliche Modell bei Autobahnen. Manchmal bleibt die Infrastruktur aber dauerhaft in privatem Besitz. Beispiel: Thames Water Utilities Ltd. in Großbritannien. Thames Water ist ein privates Versorgungsunternehmen für die öffentliche Wasserversorgung und die Abwasseraufbereitung in großen Teilen des Großraums London. Das Unternehmen ist auch verantwortlich für eine Reihe von Infrastrukturprojekten im Bereich der Wasserwirtschaft, wie z. B. das Thames Tideway Tunnel Projekt in London. Ein neuer 25 km langer Abwasserkanal verläuft künftig bis zu 65 Meter unter der Themse. Als Allianz haben wir Partnerschaften mit anderen Investoren geschlossen und mit einem Betrag in dreistelliger Millionenhöhe zur Finanzierung des Projekts beigetragen. Der Tideway Tunnel wird im Laufe der nächsten sieben Jahre gebaut. Dadurch verbessert sich nicht nur das Londoner Abwassersystem, sondern auch die Ökologie des längsten Flusses in Großbritannien.
 
 

Es scheint, dass ÖPP Risiken vom Staat auf den Privatsektor verlagern. Damit wächst doch das Risiko für den privaten Investor?

Gewiss. Kein Risiko, kein Ertrag. De facto bieten diese Projekte aber ein relativ hohes Maß an Sicherheit. Es handelt sich um langfristige Anlagen in unverzichtbare Dienstleistungen. Wir benötigen Autobahnen und Transportsysteme, Energie, Versorgungsbetriebe, Schulen und Krankenhäuser. Dies sind keine kurzfristigen Bedürfnisse, sondern langfristige Notwendigkeiten. Das Risikoertragsprofil wird durch ihre spezifische Struktur bestimmt. So ist beispielsweise das Risiko dann am geringsten, wenn es eine fixe Vergütung für den Bau und die Finanzierung des Projektes gibt. Die Erhaltung von Infrastruktur über Jahrzehnte hinweg ist komplexer, da es mehr Unbekannte gibt, zum Beispiel die Inflation. Die Kategorie mit dem höchsten Risiko und der höchsten Rendite sind Projekte, die ein langfristiges Volumenrisiko beinhalten, z. B. wenn der Private die Finanzierung des Projektes selbst aus Mauteinnahmen sicherstellen muss.
 
 

Warum investiert die Allianz in ÖPP wie den Tideway Tunnel?

Als Lebensversicherer haben wir eine hohe Verantwortung gegenüber unseren Kunden. Sie vertrauen uns und zahlen die Prämien in der Erwartung, dass sie über attraktive, stabile Einkünfte während einer hoffentlich langen Pensionszeit verfügen. Infrastruktur bietet langfristige, vorhersehbare Mittelzuflüsse, um diesen langen Verpflichtungen nachzukommen. Angesichts von Staatsanleihen mit null oder gar negativen Zinsen entwickelt sich die Infrastruktur zu einer noch interessanteren Anlageklasse.
 

Andererseits gibt es auch einen sozialen Aspekt. Beispiel Klimawandel. Sofern nicht bald effektive Maßnahmen ergriffen werden, erwärmt sich die Erde im Lauf dieses Jahrhunderts auf ein zerstörerisches Maß. Die Weltgemeinschaft kann dem Klimawandel nicht entgegenwirken, wenn die Länder und Städte ihre Infrastruktur nicht modernisieren. Denken Sie an die Abgase aus Autos im Stau, an alte Kohlekraftwerke, oder nur schlechte Wärmedämmung. Selbst einige der am stärksten industrialisierten Länder der Welt verfügen über Infrastruktursysteme, die ungefähr zwischen 30 und 50 Jahre alt sind. Mit zunehmender Staatsverschuldung können die Regierungen häufig die Mittel zur Finanzierung der Infrastruktur selbst nicht aufbringen.
 
 

Wenn ÖPP etwas so Großartiges sind, warum die ganze Debatte darüber?

Alle guten Dinge haben auch ihre Kehrseite. Der Privatsektor muss die Vertragsbedingungen und hier insbesondere das Budget einhalten. Das ist positiv. Allerdings fürchten einige, dass diese ökonomische Orientierung zu Einbußen bei der Qualität und Kundenfreundlichkeit führt. Beispiele hierfür sind unzureichende Investition in die Wartung oder Preisstrukturen, die den Verbraucher für Mängel verantwortlich machen. Doch das sind nur einige denkbare Szenarien. Auf jedes von ihnen kann man sich einstellen, indem man Anreize sinnvoll setzt und das entsprechende Regelwerk schriftlich niederlegt. Wir, d. h. der private und der öffentliche Sektor, haben im Laufe der Zeit eine Menge an Erfahrung gewonnen. Wir sind heute in einer viel besseren Position, um eventuelle Hürden zu diskutieren und zu einer Vertragsvereinbarung zu gelangen, die den Gesamtrahmen detailliert und im Interesse aller Parteien bestimmt.
 

Ein anderes oft genanntes Argument ist, dass die öffentliche Hand Infrastrukturprojekte zu geringeren Kosten finanzieren kann, indem sie Staatsanleihen ausgibt und dann die Infrastruktur selbst schafft. Das stimmt natürlich, was die günstigere Finanzierung betrifft. Dabei wird aber etwas wichtiges vergessen, was andere Beispiele zeigen: das Fiasko mit dem Flughafen Berlin Brandenburg, der die Sicherheitsprüfung nicht bestand, oder in Alaska eine „Brücke ins Nichts“, die zwar geplant, aber glücklicherweise nie gebaut wurde. Der Privatsektor ist weit disziplinierter im Projekt- und Kostenmanagement und auf eine termingerechte Lieferung fokussiert. Wenn man über Kosten spricht, dann müssen auch diese Faktoren einbezogen werden.
 
 

Deutschland plant, bis 2030 264 Mrd. EUR in seine Verkehrsinfrastruktur zu investieren. Gehen Sie davon aus, dass davon irgendetwas an den Privatsektor ausgelagert wird?

In vielen Ländern sind ÖPP ein etabliertes und erfolgreiches Modell, so z. B. in Australien, Frankreich und Großbritannien. In Deutschland sind ÖPP noch nicht selbstverständlich. Das hat größtenteils mit dem föderalistischen System zu tun. Je nach Bundesland müssen unterschiedliche regionale Behörden in die Planung, das Genehmigungsverfahren und den Bau einbezogen werden. Dennoch wurden einige der deutschen Autobahnen bereits vom Privatsektor finanziert und gebaut. Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland seine Strukturen und Prozesse optimiert. Dann könnten Behörden die Planung beschleunigen und es gäbe mehr Chancen für ÖPP – zum Vorteil aller.

  Vorbehalt bei Zukunftsaussagen

Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:

 

  Kontakt für Presse

Christiane Hach
Allianz Investment Management SE
Tel.: +49.89.3800-7679
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