Volkswirtschaften an der T-Kreuzung

Wenn man Mohamed A. El-Erian folgt, überfordert die Politik die Zentralbanken seit der Finanzkrise 2008 in ihrer Rolle als Krisenmanager. Die politisch Verantwortlichen müssen handeln.

 

Allianz.com: Ihr neues Buch "The Only Game in Town: Central Banks, Instability, and Avoiding the Next Collapse" ist soeben erschienen (deutscher Titel: Aufstieg und Fall der Zentralbanken - Und was das für uns alle bedeutet). Könnten Sie den Inhalt ganz kurz zusammenfassen?
 

Der aktuelle Weg, den Weltwirtschaft und -märkte beschreiten, ist immer größeren Belastungen ausgesetzt. Das hat dazu geführt, dass die Preise für Vermögenswerte sich von den zugrundeliegenden Bezugswerten abkoppeln und die Ressourcenzuweisung verzerrt ist. Darüber hinaus sind dadurch die Zentralbanken einem enormen politischen Risiko ausgesetzt und Einkommen, Wohlstand und Chancen sind weiter auseinander gedriftet. All das führt dazu, dass Establishment-feindliche und unkonventionelle politische Bewegungen auf beiden Seiten des Atlantiks entstehen und sich politischer Spannungen verschärfen.
 

Dies durch die Brille der Zentralbanken zu betrachten sowie deren Geschicke und Missgeschicke anzusehen, bietet eine einzigartige Perspektive in dieser ungewöhnlichen Phase unserer Wirtschaftsgeschichte.
 

Wie sieht also die Lage der Zentralbanken aus?
 

Die Zentralbanken haben leichtfertig die Übernahme unverantwortlicher Risiken zugelassen und ermöglicht. Das schließt auch die Abwanderung von Finanzgeschäften in nicht regulierte Gebiete ein. Nun befinden sie sich gezwungenermaßen im Krisenmanagementmodus vom Typ "wir werden alles Notwendige tun". Mit ihrem Griff zu kühnen Maßnahmen haben sie dazu beigetragen, die Weltwirtschaft vor einer kostspieligen mehrjährigen Depression zu bewahren. Es fehlte allerdings die Unterstützung anderer politisch Verantwortlicher, die über geeignetere Werkzeugen für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben verfügen. Diese Realität des "einzig verbleibenden Spielers auf dem Feld“ (in Englisch: „The only game in town“) zwang die Zentralbanken dazu, sich auf noch experimentelleres Terrain vorzuwagen, und zwar mit allen unbeabsichtigten drohenden Kollateralschäden.
 

Wir sind an einer T-Kreuzung angekommen. In den kommenden Jahren wird der derzeit eingeschlagene Weg zu einem von zwei erheblich voneinander abweichenden Resultaten führen. Eines verspricht die Rückkehr zu einem echten und allumfassenden Wachstum, das der Weltwirtschaft Prosperität, einen Austritt aus der Schuldenfalle und eine Sanierung der teilweise dysfunktionalen politischen Prozesse ermöglicht. Das andere impliziert eine wirtschaftliche Stagnation, eine protektionistische "Beggar-thy-neighbor“-Politik und die Rückkehr zu finanzieller Instabilität - alles Faktoren, welche die politische Polarisierung noch verschärfen würden.
 

Welche Richtung ist dann die wahrscheinlichere?
 

Momentan gibt es schlicht und einfach nicht genügend Daten, um sicher genug bestimmen zu können, welches der beiden Ergebnisse herauskommen wird. Zudem ist das, was letztendlich geschieht, in keiner Weise vorbestimmt. Vieles hängt davon ab, wie Regierungen, Unternehmen und Haushalte reagieren.
 
Statt vorschnell auf das eine oder andere Ergebnis zu setzen oder gar angesichts der Ungewissheit in Schockstarre zu verharren, gibt es Maßnahmen, die wir jetzt alle ergreifen können, um zu gewährleisten, dass besser wir besser für das gewappnet sind, was kommt. Man spricht von einer Trias aus Widerstandsfähigkeit, Agilität und der Möglichkeit, sich Optionen offen zu halten.

Mohamed A. El-Erian: “The Only Game in Town: Central Banks, Instability, and Avoiding the Next Collapse”.
Mohamed A. El-Erian: “The Only Game in Town: Central Banks, Instability, and Avoiding the Next Collapse”.

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